Tod der Litfaßsäule: Kulturverlust

Die „Hamburger Außenwerbung“ (HAW) als Teil der „Ströer Deutsche Städtemedien GmbH“ hat angekündigt, den größten Teil der rund 1600 Litfaßsäulen in Hamburg im Laufe der nächsten Monate abzureißen und durch so genannte „hinterleuchtete Säulen“ zu ersetzen. Dagegen äußert sich jetzt zunehmend Protest, den die LINKE nachdrücklich unterstützt.

Die Litfaßsäulen stellen teilweise seit vielen Jahrzehnten für die BürgerInnen Wegmarken und Erkennungszeichen dar. Sie erfüllen in den Vierteln eine umfassende Informations- und Orientierungsfunktion. Darüber hinaus verfügen viele der Litfaßsäulen über einen „individuellen“ Charme. Fünf sind sogar begehbar. Ein flächendeckender Abriss der z.T. noch aus den 1920er Jahren stammenden Litfaßsäulen wäre ein herber, den Alltag der Menschen betreffender und nicht zu legitimierender Kulturverlust. Umso kritikwürdiger ist, dass bisher keine einzige der Litfaßsäulen unter Denkmalschutz gestellt wurde, lediglich fünf gelten als so genannte „erkannte Denkmäler“ (Drucksache 19/527, 17.6.2008).

Der Austausch der historischen Litfaßsäulen durch die modernen, glatten „City-Light-Säulen“ verschlechtert zudem die Werbechancen für viele kleine Anbieter und nichtkommerzielle Veranstalter ebenso drastisch, wie es die Informationsmöglichkeiten interessierter BürgerInnen nachhaltig beschneidet.

Konnten auf den alten Säulen bisher ein bis zwei Dutzend Firmen und Kultureinrichtungen werben, sollen zukünftig nur noch zwei Großplakate zu sehen sein. Der Preis für die einwöchige Präsentation in 500 der neuen Säulen ist mit über 100.000 Euro so hoch, fast 30mal teurer, dass gemeinnützige oder kulturelle Institutionen auf diese Form der Werbung in Zukunft verzichten müssten.

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Dr. Joachim Bischoff, erklärt:

„Es ist ein Akt der kulturellen Barbarei, mit welcher Ignoranz die HAW die seit vielen Jahrzehnten zum Stadt(teil)bild gehörenden Litfaßsäulen behandelt. Es ist ein Unding, die von den Menschen geschätzten Markierungspunkte durch aalglatte ‚City-Light-Säulen‘ zu ersetzen. Es ist ein Skandal, dass die Werberechte auf den Litfaßsäulen von der Stadt privatisiert und zum reinen Renditeobjekt degradiert worden sind, mit der Folge, dass de facto auf den Säulen keine Werbemöglichkeiten mehr für kulturelle bzw. gemeinnützige Veranstalter bestehen. Ich verlange vom Senat, dass die Litfaßsäulen auch zukünftig ihre Werbe- und Informationsfunktion zu erschwinglichen Preisen erfüllen. Der Senat muss endlich eine größere Anzahl der Litfaßsäulen unter Denkmalschutz stellt. Im Übrigen sollte jedem Viertel eine Säule an zentraler Stelle überlassen werden, um sie – ähnlich wie in St. Georg, wo es bereits mit der HAW vereinbart ist – als kommunale Säule für Stadtteilzwecke zu nutzen.“

Ein Gedanke zu „Tod der Litfaßsäule: Kulturverlust“

  1. Jetzt stehen sie, diese neuen Mistdinger!

    Nicht nur, daß sie hell sind, die Dinger drehen sich auch noch! Das ist völlig unnötige und auch gefährliche Reizüberflutung.

    Als Autofahrer ist man in der dunklen Jahreszeit auf kleinste Bewegungen am Straßenrand aufmerksam. Sonst würde man niemanden bemerken, der eine Tür öffnet oder einfach auf die Straße geht. Von Bällen und Kinden einmal ganz abgesehen.

    Das führt zumindest bei mir dazu, immer wieder auf eine überraschend auftauchende Säule an dunkler Stelle zu gucken. Natürlich achte ich dann weniger auf den Verkehr. Das ist nur eine Sekunde, aber auch die kann entscheidend sein.

    Wenn die Dinger schon hell sein müssen und sich auch noch drehen, dann doch bitte an Stellen, an denen die Aufmerksamkeit der Autofahrer entbehrlich ist, z.B. auf Plätzen mit guter Entfernung zur Straße.

    Am Straßenrand haben die Dinger nichts zu suchen.

    Hat jemand eine Idee, wo man sich über einzelne Säulen beschweren kann? Weg muß die Säule in Ohlsdorf nach der Brücke.

    JF

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