Rezessionswahrscheinlichkeit sinkt

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession erlebt, ist in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Das zeigen die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert.

Für die drei Monate von November bis Ende Januar weist der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 34,9 Prozent auf – nach 56,5 Prozent im Oktober. Zwar ist die statistische Streuung im Indikator – sie spiegelt die Verunsicherung vieler Wirtschaftsakteure wider – mit 18 Prozent weiterhin relativ hoch. Der starke Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit sorgt aber dafür, dass das nach dem Ampelsystem arbeitende IMK-Frühwarnsystem von „rot“, was in den vergangenen Monaten eine akute Rezessionsgefahr anzeigte, auf „gelb-rot“ (erhöhte konjunkturelle Unsicherheit) zurückschaltet. In den vergangenen Monaten konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Deutschland eine (technische) Rezession durchläuft. Nun steigt laut IMK die Chance, dass die deutsche Wirtschaft die aktuelle Flaute ohne eine tatsächliche Rezession übersteht.

Der Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit basiert nach Analyse des IMK in erster Linie auf der Belebung bei den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland. Auch das Exportwachstum fiel zuletzt kräftiger aus als erwartet, und die Aktienkurse waren nach Entspannungssignalen im Handelskonflikt der USA mit China aufwärtsgerichtet. Die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen wirkten ebenfalls positiv auf den Indikator.

Die Forscher warnen davor, die Aufhellung schon als Trendwende zum Besseren zu interpretieren. Die weltwirtschaftliche Lage bleibe trotz einiger positiver Signale aus der US-Regierung fragil. Sollten die aktuell vorherrschenden positiveren Erwartungen enttäuscht werden, etwa durch eine Zuspitzung im Handelskonflikt der USA mit der EU, „droht ein „konjunktureller Rückprall“, sagt IMK-Experte Dr. Thomas Theobald. Vielmehr stünden die neuen Ergebnisse im Einklang mit der aktuellen Konjunkturprognose des IMK, nach der das durchschnittliche Wachstum der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr nur knapp oberhalb der Stagnationsschwelle liegen dürfte, wenn man um die höhere Zahl der Arbeitstage bereinigt.

Gleichwohl sei der aktuelle Trend positiv, betont Prof. Dr. Sebastian Dullien, der Wissenschaftliche Direktor des IMK: „Die aktuellen Daten zeigen die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dank der kräftigen Inlandsnachfrage“, so Dullien. „Ohne den kräftigen Konsum, den boomenden Wohnungsbau und die steigenden Staatsausgaben wäre Deutschland angesichts der Industrieschwäche längst in einer tiefen Rezession mit spürbaren Jobverlusten.“

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt.

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