„Lieber in der KITA lernen“

Kaum ist die Primarschuldiskussion (außer bei wenigen Unverbesserlichen) vom Tisch, tut sich ein neues Konfliktfeld auf: Wo soll vorschulische Bildung stattfinden?

Bisher fährt Hamburg zweigleisig – jeweils die Hälfte der Fünfjährigen verbringt das letzte Jahr vor der Grundschule in der Kita und in Vorschulklassen. Mit der Zweigleisigkeit soll demnächst Schluss sein, hat der Senat beschlossen. Aber bleiben die Kinder nun in der Kita, oder gehen sie zur Vorschule? Jede der beiden Lösungen hat glühende Befürworter – und Gegner. Die BGS und die BSB, die erst im Februar, dann „Anfang dieser Woche“, einen Vorschlag vorlegen wollten, sind noch nicht so weit. Morgen ab 18 Uhr diskutiert die SPD im Rathaus mit allen Interessierten.

Schon heute hat sich ein Bündnis aus allen großen Kita-Anbietern zu Wort gemeldet – wir dokumentieren:

„KITA – weil Bildung mehr ist als Lernen!“

Hamburg ist das einzige Bundesland mit einem parallelen System von Vorschule und Kita. Der Hamburger Senat hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um Vorschläge zur Überwindung dieser Dualität zu entwickeln. Die Träger der Kindertagesstätten in Hamburg begrüßen diesen Schritt, weil er klare Verhältnisse schafft. Zudem sprechen sie sich mit einer gemeinsam ausgerichteten Aktion unter dem Motto „KITA – weil Bildung mehr ist als Lernen“ für den Bildungsort Kita aus. Auch der Hamburger Landeselternausschuss LEA unterstützt die Kitas in diesem Anliegen.

Mit der Aktion „KITA – weil Bildung mehr ist als Lernen!“ informieren die Hamburger Kita-Anbieter über die Vorteile eines Angebots für Kinder im Vorschulalter aus einer Hand und die Qualität der pädagogischen Betreuung in der Kita. Rund 900 große Banner weisen an Hamburger Kindertagesstätten auf die Aktion hin. Außerdem geben Faltblätter für die Eltern Auskunft über das ganzheitlich ausgerichtete Bildungsangebot in den Kindertagesstätten.

Die Kita-Träger befürworten die vom Senat angekündigte Aufhebung der parallelen Systeme von Kita und Vorschule für die Fünfjährigen. „Bei den Eltern stiftet die doppelte Struktur häufig Verwirrung. Kita und Schule werden oft als konkurrierende Systeme wahrgenommen. Dabei sollten sie doch eigentlich zum Wohle der Kinder eng zusammenarbeiten“, so Gabi Brasch, Vorsitzende im Fachausschuss Jugendhilfe der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege AGFW. „Eine eindeutige Abgrenzung zwischen der Zeit in der Kita und in der Schule macht den besonderen Stellenwert beider Bildungseinrichtungen noch deutlicher. Außerdem werden Kosten gespart: Der hohe Verwaltungs- und Koordinierungsaufwand fällt weg, um zum Beispiel Kinder berufstätiger Eltern am Nachmittag und in den Ferien zu betreuen.“

Kitas stellen für Kinder eine vertraute Umgebung dar, die sie von klein auf kennen. Erzieherinnen, zu denen die Kinder schon früh eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln konnten, begleiten sie in ihren individuellen Bildungsprozessen. Die Hamburger Kita-Anbieter setzen sich besonders dafür ein,

• die Kinder im Alltag und durch gezielte Angebote sprachlich zu fördern,

• mathematisch-naturwissenschaftliche Grunderfahrungen zu vermitteln,

• vielfältige Bewegungsanregungen zu bieten,

• Kreativität und musische Ausdrucksmöglichkeiten zu fördern.

Sabine Kümmerle, Geschäftsführerin von SOAL: „Kitas bieten Kindern die Geborgenheit, die sie als wesentliche Grundlage brauchen, um sich zu entfalten und selbstbewusst die Welt zu erkunden. Das parallele System von Vorschule und Kita im Jahr vor der Einschulung gibt es nur in Hamburg. Bundesweit haben sich Kitas als hervorragende Bildungsorte für Kinder im Vorschulalter bewährt.“

Der Kita-Bereich kann alle Rechtsansprüche der 5-Jährigen, nämlich Bildung, Erziehung und Betreuung in der Zeit der Berufstätigkeit der Eltern, aus einer Hand erfüllen. Eine Beendigung der parallelen Angebotsstruktur führt deshalb künftig zu Kosteneinsparungen, weil die doppelte Trägerstruktur, die doppelte Raumvorhaltung und die Koordination zwischen beiden Bereichen entfallen.

Die Aktion „KITA – weil Bildung mehr ist als Lernen“ wird von den Kita-Trägern Arbeiterwohlfahrt AWO, Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz Hamburg und Paritätischer Wohlfahrtsverband (die in der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, kurz AGFW, zusammen geschlossen sind), der Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbH und dem Alternativen Wohlfahrtsverband SOAL e.V. getragen.

4 Gedanken zu „„Lieber in der KITA lernen““

  1. Im direkten Vergleich der letzten Jahre haben die Kitas gerade deshalb überzeugt,weil sie sich nicht als Schule (mit allem was dazu gehört) verstehen. Genau deshalb können die Kinder dort mehr lernen als in der (Vor-)Schule. Und das ist keine Theorie sondern tägliche Praxis. Meine Forderung: Bezahlt die ErzieherInnen besser und sorgt für viel mehr gute Fortbildungsmöglichkeiten !

  2. War nicht ein zentrales Element der Primarschule die Klasse „0“ und das gemeinsame Lernen in Klasse 0 bis 3?

    Kita (insbesondere die Hort) und Vorschule werden von der BSB gegeneinander ausgespielt und sind das erste Opfer der Primarschulreform.

    Den Kitas wird die nachmittägliche Hortbetreuung genommen. Die wird zu katastrophal schlechten Bedingungen an die Schulen verlagert und dort für finanziell schwache Familien viel teurer.

    Dafür bekommen die Kitas dann als Ausgleich die Vorschulkinder.

    So funktioniert Schul- und Bildungspolitik!

  3. Diese Frage hat mit der Schulreform nichts tun, ist eine ganz andere Baustelle.

    Übrigens, in der ganzen Stadt laufen im Moment Gespräche und Planungen, wie die KITAs zukünftig mit den Primaschulen zusammen arbeiten, um die nachmittägliche Kinderbetreuung darzustellen. Oder haben Sie geglaubt, die KITAs machen alle dicht, entlassen alle Erzieherinnen und die Schulen stellen massenhaft neues Personal für die Nachmittagsbetreuung ein?

    Den Reformschulgegner ist wirklich jedes Mittel (und jede falsche Information) recht, um gegen längeres gemeinsames Lernen zu agiteren.

  4. Lieber Hans Petersen,

    ich bin kein Reformschulgegner und auch kein Reformgegner aber ein Kritiker der Primarschulreform.

    Ich freue mich, wenn es nach dem Volksentscheid in Jenfeld und Wilhelmsburg kleinere Klassen (leider nur in der Grundschule) gibt und wenn Familien die es finanziell nicht so dicke haben kein Büchergeld mehr bezahlen müssen.
    Darum mache ich mein Kreuz dann eben an der richtigen Stelle, denn all dies bekomme ich wenn ich nicht gegen das geänderte Schulgesetz stimme.

    Sicher laufen Gespräche – wäre ja traurig wenn nicht (immerhin ist ja schon alles verschoben)

    Mit der Primarschule hat sowohl die Vorschule und auch der Hort sehr viel zu tun.
    Die Klasse „O“ ist ja nicht meine Erfindung sondern die von Frau Goetsch.

    Und auch der Begriff „Offene Ganztagsprimarschule“ als Primarschule mit Hortbetreuung stammt nicht von mir.

    Wenn die Hortbetreuung in der Schule stattfindet was macht dann der Hortbetreiber mit seinen Räumen?

    Welche Kitas bekommen die Vorschulkinder einer Schule? Eine, zwei, drei oder vier verschiedene?
    Ist die Kita weiter als 500 Meter von der Schule weg- was dann?

    Der Zusammehang ist also sehr wohl da.

    Wenn die Hortbetreuung in der Primarschule stattfindet dann müssen diese auch geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und nicht nur Schulflure und die Aula. Eine Küche und ein Speisesaal wäre auch ganz gut. Auch hier ein direkte Zusammenhang.

    Ich habe meine Informationen von ganz offiziellen Seiten aus dem Internet (soal etc).

    Und dort sind nun mal Punkte zu finden, die es einem kalt den Rücken runter laufen läßt:

    – schlechter Betreuungsschlüssel
    – höherer Kosten für Geringverdiener, die auf längere Betreuungszeiten angewiesen sind
    etc.

    Kann man alles nachlesen:

    http://www.soal.de/media/PDF/Meldungen/hort_zahlen-daten-fakten_20090626.pdf

    http://www.soal.de/news/neue-schulstruktur.html

    http://www.soal.de/media/PDF/Meldungen/zukunft_primarbetreuung_20090617.pdf

    Schönen Gruß

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