Selbstbedienung bei sensiblen Daten

Kaum gibt es eine äußerst eigentümliche „Entwarnung“ wegen der Kontodaten, die die „Frankfurter Rundschau“ als Päckchen erhalten hat, gibt es schon eine neue große Datenpanne: Zehntausende Lastschriftbelege haben die A 7 südlich des Elbtunnels lahmgelegt. Ein Kurierdienst hat Kisten mit unterschriebenen Kundenbelegen von „Karstadt“ in Kiel während der Fahrt verloren. Die Polizei sperrte die Autobahn und sammelte wieder ein, was vorgefunden wurde.

Ob es alle verlorenen Belege waren, vermag noch niemand zu sagen: Wie „Schneeflocken“ seien die Belege über die A 7 geflogen, so die Polizei. Aber niemand weiß, wieviele Belege eben nicht wiedergefunden wurden.

Für die Kontounterlagen, die bei der Rundschau eingingen, sollen zwei Mitarbeiter eines Kurierdienstes verantwortlich sein. Sie hatten angeblich ein Päckchen mit einem harmlosen Weihnachtsstollen geöffnet, der für die Zeitung bestimmt war. Als sie den Stollen verzehrt hatten, kamen ihnen Bedenken – kurzerhand klebten sie den Adressaufkleber der Rundschau auf einen anderen Karton. Der enthielt die Kontodaten und wurde so – statt des Stollens – der Zeitung zugestellt.

Angeblich sei damit die Welt wieder in Ordnung, so Polizei und Staatsanwaltschaft: Kein Fremder habe die Unterlagen in die Hände bekommen. Aber auch wenn dies stimmt, bleibt es ein Skandal: Soll Datensicherheit künftig davon abhängen, ob ein – vermutlich schlecht bezahlter – Kurierfahrer solche Unterlagen ordnungsgemäß zustellt, oder ob er gerade etwas anderes damit vorhat? Ist es etwa in Ordnung, dass man dann so einfach wichtige Belege umleiten kann?

Und die andere Geschichte, mit der verlorenen Ladung: Der Kurierfahrer hatte es nicht einmal bemerkt, war einfach weiter gefahren. Soll das etwa der richtige Umgang mit solchen Unterlagen sein?

Es ist höchste Zeit, dass sich alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewusst werden. Im Augenblick sieht es so aus, als könne jeder mit sensiblen Daten machen, was er gerade will!

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