Das „Tor zur Welt“ steht in Wilhelmsburg

Ein innovativer Neubau verbindet Grundschule, Gymnasium und Sprachheilschule in Wilhelmsburg. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) legte heute gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern sowie künftigen Nutzern den Grundstein für das Bildungszentrum Tor zur Welt: „Als Teil der Bildungsoffensive Elbinseln soll das neue Bildungszentrum dazu beitragen, die gesellschaftliche Integration der Elbinselbewohner zu stärken und zugleich das Image des Wohnstandorts zu verbessern.“

Parallel nehmen die Gebäude der zukünftig in dem Zentrum vereinten Elbinselschule, Sprachheilschule Wilhelmsburg und des Gymnasiums Kirchdorf-Wilhelmsburg auf dem Gelände bereits Gestalt an. Im Frühjahr 2013 wird der Neubau termingerecht zur Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg fertig gestellt sein.

Das IBA-Schlüsselprojekt Bildungszentrum Tor zur Welt mit einem Investitionsvolumen von rund 60 Mio. € umfasst neben Neubauten auch die Sanierung vorhandener Gebäude des Gymnasiums Kirchdorf-Wilhelmsburg und die Gestaltung von Außenflächen. Das Vorhaben wird hierbei u.a. aus Mitteln der Integrierten Stadtteilentwicklung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt unterstützt.

Die neuen Gebäude werden auf der ehemaligen Fläche der Elbinselschule an der Buddestraße errichtet und von den Altbauten durch die Krieterstraße getrennt sein. Diese wird im Bereich der Schulen verkehrsberuhigt und wird in Verbindung mit den angrenzenden Flächen auf den Schulgrundstücken platzartig gestaltet.

Im Neubau finden eine Mensa, ein Theaterbereich und ein Umweltzentrum Platz. Außerdem entstehen dort Flächen für weitere Nutzer wie die VHS, die Elternschule Wilhelmsburg, Verikom (Verbund für interkulturelle Kommunikation und Bildung e.V.), Weiterbildung Hamburg, Rebus (Regionale Beratungs- und Unterstützungsstellen) und das Theater am Strom.

Im Fachklassengebäude des Gymnasiums werden ein School&Business-Center sowie ein Science-Center neu geschaffen. Ein Kleinspielfeld und Beachvolleyballfelder werden in den Außenanlagen der Schule neu angelegt sowie der vorhandene Bolzplatz saniert, so dass zum geplanten Neubau einer Drei-Feld-Sporthalle und einer Gymnastikhalle auf dem Gelände auch ein zusätzliches Sportangebot im Freien ergänzt wird.

Die zukünftigen Nutzer des Bildungszentrums, die Projektbeteiligten, Vertreter aus Behörden und Politik sowie zahlreiche weitere Gäste hatten sich heute auf dem Baugelände versammelt, um im Bereich der zukünftig von den Schulen gemeinsam genutzten „Energiezentrale“ mit einer offiziellen Grundsteinlegung den Beginn der Baumaßnahme zu feiern.

In seinem Grußwort ging der Erste Bürgermeister Olaf Scholz insbesondere auf die Bedeutung des Bildungszentrums für Wilhelmsburg und als Beispiel für andere Stadtteile ein: „Als Teil der Bildungsoffensive Elbinseln soll das neue Bildungszentrum dazu beitragen, die gesellschaftliche Integration der Elbinselbewohner zu stärken und zugleich das Image des Wohnstandorts zu verbessern. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Hamburg sollen tragfähige Modelle für eine zukunftsfähige, integrierte Stadtentwicklungs- und Bildungspolitik entstehen. Das Bildungszentrum Tor zur Welt ist ein solches Modell, mit dem sich große Aufgaben verbinden und große Hoffnungen.“

Olaf Scholz übergab das Wort an Schulsenator Ties Rabe: „Das Tor zur Welt verbessert die Bildungschancen der Kinder in Wilhelmsburg und macht den Stadtteil mit vielen Bildungs- und Kulturangeboten insgesamt sehr attraktiv.“

„Das Bildungszentrum Tor zur Welt, das SBH | Schulbau Hamburg in Wilhelmsburg mit der GWG Gewerbe im Rahmen des Modells Hamburg Süd, einer öffentlichen-öffentlichen Partnerschaft, für die Freie und Hansestadt Hamburg realisiert, stellt mit dem Investitionsvolumen von insgesamt rd. 60 Mio. € und seinem innovativen Konzept eines der größten und zugleich wegweisenden Schulbau-Projekte in Hamburg dar“, betonte SBH-Geschäftsführerin Gertrud Theobald. GWG Gewerbe-Geschäftsführer Ewald Rowohlt erläuterte im Anschluss: „Mit dem Bildungszentrum Tor zur Welt entsteht eine weitere bedeutende Einrichtung zur Entwicklung und Stärkung des Zusammenlebens der Menschen in Wilhelmsburg.“

Uli Hellweg strich heraus, warum das Tor zur Welt als baulich und pädagogisch innovatives Projekt der „Bildungsoffensive Elbinseln“ durch die IBA Hamburg unterstützt und gefördert wird: „Wir freuen uns, dass mitten in Kirchdorf ein neues Bildungszentrum entsteht, das sich dem Stadtteil öffnet und Bildungsangebote für alle Generationen und Kulturen bietet. Neben Schulen und Kitas vernetzten sich im Tor zur Welt Einrichtungen der Jugend- und Familienhilfe, der Integrationsförderung sowie der Erwachsenenbildung. Das IBA-Projekt leistet einen Beitrag zum lebenslangen Lernen für alle und wird zu einem attraktiven sozialen Zentrum des Stadtteils. Zu einer gelungenen Stadtteilentwicklung gehört immer auch eine gute und starke Bildungslandschaft, die wir als IBA Hamburg vorantreiben und unterstützen wollen.“

Das Bauwerk wird realisiert nach einem Entwurf des Büros bof-Architekten, das aus einem vorangegangenen Architekturwettbewerb als Sieger hervorgegangen ist. Die Freiflächen stammen aus Entwürfen von Breimann & Bruun Landschaftsarchitekten aus Hamburg in Zusammenarbeit mit Schülern und Eltern. Denn der zentrale Eingangsbereich, bestehend aus unterschiedlich gestalteten Flächen in Schiffsform, basiert auf einem Schüler-Eltern Wettbewerb. Die Schiffe sind Symbol für die Kulturen, Nationalitäten und Wege der Menschen aus fernen Ländern auf der Insel Wilhelmsburg. Mit dem jetzt entstehenden Gebäude wurde eine weitgehend neue Form von Schulbau gefunden: ein Bildungszentrum mit öffentlichen Räumen, das die drei Schulen mit einem Multifunktions-, Umwelt- und Förderzentrum verbindet und einen engen Bezug zum Stadtteil herstellt. Der Neubau wird als Passivhaus, zertifiziert nach DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), errichtet und erhält eine Holzfassade. Beheizt werden die Gebäude durch eine Holzpelletheizung, Solarthermie und Photovoltaik.

Das „Tor zur Welt“ ist einer von vielen Bausteinen der Bildungslandschaft Elbinseln. Mit Unterstützung der IBA Hamburg arbeiten Kitas, Schulen und Fortbildungseinrichtungen gemeinsam daran, den Stadtteil für Familien lebenswerter zu machen.

Die heutige Grundsteinlegung mit dem Bürgermeister nahmen die zukünftigen Nutzer gemeinsam vor.

Schülerinnen und Schüler der drei Schulen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lehrerschaft, Eltern und von Einrichtungen aus dem Stadtteil erläuterten Olaf Scholz hierbei die selbst gestalteten Inhalte einer Zeitkapsel, die sie anschließend im Grundstein der Energiezentrale versenkten.

Moderiert wurde die Grundsteinlegung von Jörg-Robert Schreiber aus der Leitungsgruppe Tor zur Welt, der zugleich als Vertreter der Nutzer sprach: „Das neue Bildungszentrum ist mehr als ein zukunftsweisender Schulbau, es ist Ausdruck eines neuen Verständnisses von Bildung und gemeinsamer Stadtteilentwicklung.“

Musikalisch wurde die Feierstunde ebenfalls von Schüler/innen der drei Schulen gestaltet, die dafür eigens ein „Tor-zur-Welt-Lied“ komponiert hatten.

Ein Gedanke zu „Das „Tor zur Welt“ steht in Wilhelmsburg“

  1. Es gab von Seiten der Eltern und des Stadtteils einige Kritik. Zusammenfassend die Stellungnahme des Kreiselternrates:
    Kreiselternrat 72 – Wilhelmsburg
    Neue Gebäude allein machen keine gute Bildung !
    Die Eltern der Elbinseln fordern für den Bildungserfolg ihrer Kinder:
    • Die Integration der Jugendhilfe und Sonder- pädagogik in den Schulalltag – nicht nur als beratende Faktoren.
    • Die Finanzierung von Kooperationszeiten zur kontinuierlichen (Weiter-) Entwicklung der Bildungslandschaft.
    • Die Überprüfung der Zeitwerte des Lehrerarbeitszeitmodells und die Anpassung an die Belastungsrealität der Lehrerschaft.
    1 Hamburg im April 2012
    Kreiselternrat 72 – Wilhelmsburg
    Neue Gebäude allein machen keine gute Bildung – Eltern der Elbinseln positionieren sich
    Auf den Elbinseln stellt die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in Herkunft, sozialem Umfeld und Kulturkreis Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher vor besondere Herausforderungen. Zu sehr hängt der Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen noch immer von ihrem Elternhaus ab, immer noch kann man nicht alle erreichen.
    „Die durchschnittlichen Leistungen in den jüngst untersuchten Lernbereichen Deutsch (…), Mathematik und Englisch liegen unter dem Schnitt aller Hamburger Schulen (…) Die durchschnittlichen Ergebnisse der Abschlussberechtigung sind auf dem Arbeitsmarkt nur bedingt kompatibel.“ So liest es sich im Thesenpapier der Wilhelmsburger Schulleiterkonferenz vom 13.04.2012. Wir Eltern sorgen uns um den Bildungserfolg unserer Kinder und stellen in diesem Zusammenhang klar, dass wir die Arbeit und Motivation unserer LehrerInnen und ErzieherInnen sehr schätzen, aber genauso auch sehen, dass diese an den Rand des Leistbaren geraten sind.
    Bildung ist mehr als Faktenvermittlung. Das hat auch die Politik erkannt: Bildung und Sozialraum sollen nicht mehr getrennt betrachtet werden. Da in Hamburg künftig der Schwerpunkt in der Schulbildung auf den ganztägigen Unterricht gelegt wird, kommen hier auf die Schulen auch ganz besondere Aufgaben zu. Hier will man den Bedürfnissen des Kindes über den ganzen Tag gerecht werden, den Schulalltag entzerren, Wissens- vermittlung, Erziehung, Kultur und Sport unter einen Hut bringen. Im Prinzip eine schöne Idee, wenn denn der Ganztag auch dementsprechend ausgestattet und gestaltet wäre. Die nicht mittelbare pädagogische Arbeit nimmt aber immer mehr Raum ein. Und LehrerInnen sind keine eierlegenden Wollmilchsäue. Schulen brauchen daher unbedingt und zwingend die Kooperation mit ihrem sozialen Umfeld, vor allem im Dreieck mit der Kinder- und Jugendhilfe und den Elternhäusern. Nur dadurch kann der Rahmen gestaltet werden, indem man den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ganz individuell und ganzheitlich gerecht wird und auch noch das Elternhaus gleich mit bildet und fördert.
    Die Politik hat gerade aufgrund der besonderen Anforderungen auf den Elbinseln zur Gestaltung solcher Rahmen die IBA als Motor für die „Bildungsoffensive Elbinseln“ (BOE) eingesetzt. Es wurden Ideen entwickelt, Knotenpunkte aufgebaut, neue Bildungs- und Bewegungszentren werden errichtet, in denen alle Professionen zusammenarbeiten und sich austauschen können sollen.
    Das Tor-zur-Welt-Bildungszentrum, das Media-Dock, das Haus der Projekte, das Sprach- und Bewegungs- zentrum … sie alle leben von der Kooperation der unterschiedlichen Akteure in der Bildungslandschaft der Elbinseln: Lehrer wie Erzieher, Eltern wie Sozialarbeiter, Sonderpädagogen wie Künstler – die Liste ist lang. Bisher wird das ganze finanziell durch die Stadt im Rahmen der IBA unterstützt. Aber was ist danach?
    Das Errichten von Bildungshäusern allein reicht nicht aus: Der Unterhalt muss langfristig finanziert werden. Und zur professionellen, effektiven Nutzung braucht man beruflich tätige Leute, die koordinieren, anleiten, unterstützen – das muss als Ressourcenzuweisung dann allerdings auch finanziert werden!
    Die Ideen der Bildungsoffensive müssen unbedingt weiterentwickelt und fortgeführt werden. Die errichteten Knotenpunkte müssen mit Leben gefüllt werden – sie müssen ihre Effekte zeigen dürfen. In dem Thesenpapier der Wilhelmsburger Schulleiter-Konferenz vom 13. April 2012 wird kritisiert, dass die BOE noch nicht in den Schulen angekommen sei. Umsetzungsstrategien fehlten. Hierzu müssen aber auch alle Akteure an einen Tisch kommen können und nicht nur die, die es „irgendwie auch noch dazwischen schieben“ können.
    Wir fordern daher die Finanzierung von Kooperationzeiten. Denn diese Zeiten geben weder das Lehrerarbeits- zeitmodell her, noch die Arbeits- und Entlohnungsmodelle von Erziehern und Sozialpädagogen. Und wenn Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher Entwicklungsaufgaben übernehmen sollen, können sie nicht direkt am Kind arbeiten. Dazu haben sie aber ihren Beruf gewählt. Wir brauchen also mehr Personal, damit Aufgaben gut verteilt werden können. Auch das kostet Geld.
    Die Eltern der Elbinseln fordern daher von der Politik, gemeinsam mit den Bildungsakteuren Modelle (weiter) zu entwickeln und zu finanzieren, die ihnen den professionellen Einsatz ihrer Fähigkeiten und die für die Entwicklung unserer Kinder so wichtige Kooperation ermöglichen (z.B. Überarbeitung der aktuellen Zeitwerte des Lehrerarbeitszeitmodells unter Berücksichtigung der psychischen und physischen Belastungen der Lehrkräfte, Einstellen von mehr Personal).
    Wenn mit dem Ende der IBA die finanzielle Unterstützung für die Verbesserung der Bildungssituation auf den Elbinseln gestoppt wird, dann bedeutet das ein Aufgeben des Stadtteils und ein Aufgeben unserer Kinder. Und dagegen werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren!
    Bildung braucht Geld. Aber das ist gut investiertes Geld mit einer guten Rendite. Hamburgs Bürger sollten sich die gute Bildung ihrer Mitmenschen leisten.

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