Bundestag beschließt: Heroin auf Rezept

Die GAL-Bürgerschaftsfraktion Hamburg hat die Verabschiedung des Gesetzentwurfs im Bundestag zur diamorphingestützten Substitutionsbehandlung für Schwerst-Heroinabhängige begrüßt. Die Hamburger Abgeordneten von SPD, GAL und LINKE stimmten für das Gesetz, die CDU-Abgeordneten (außer Jürgen Klimke) dagegen.

„Der Bundestag gibt das richtige Signal, um Schwerstabhängige mit dem Ersatzstoff Diamorphin zu behandeln“, sagte die drogenpolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion, Linda Heitmann. Nun kann Diamorphin in die gesundheitliche Regelversorgung aufgenommen und als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft werden.

„Hamburger Schwerstabhängige haben endlich die Perspektive auf Sicherheit über ihre Therapiemöglichkeiten“, erklärten Heitmann, und die GAL-Bundestagsabgeordneten Sarrazin und Sager in einer gemeinsamen Mitteilung. Schade sei nur, dass die Bundes-CDU sich bis auf einzelne Abgeordnete nicht dazu durchringen konnte, die Diamorphin-Therapie zu unterstützen.

Die Diamorphin-Therapie eröffnet Schwerstabhängigen, bei denen andere Behandlungsmethoden erfolglos waren, die Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Sie ist daher eine wichtige Alternative zu anderen Therapien.

Das Hamburger Modellprojekt und die Heroinstudie zeigen: Schwerstabhängige, denen das synthetische Heroin Diamorphin verschrieben wurde, sind weniger häufig rückfällig als PatientInnen, die mit dem Ersatzstoff Methadon behandelt wurden. Auch der allgemeine Gesundheitszustand der Abhängigen hatte sich nach einem Jahr gebessert.

„Die Diamorphin-Therapie hilft auf diese Weise Schwerstabhängigen, und sie senkt Kosten. Entlastet werden die Haushalte von Ländern und Kommunen sowie die gesetzlichen Krankenkassen und Rentenversicherungsträger von den Kosten wiederholter, aber letztlich erfolgloser Suchthilfemaßnahmen“, erklärten die drei Abgeordneten.

Hintergrund:

Die Ergebnisse der Arzneimittelstudie „Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger – eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie“ sprechen dafür, eine Behandlung mit Diamorphin für eine klar begrenzte Zielgruppe opiatabhängiger Menschen zu ermöglichen. Zielgruppe sind Schwerstabhängige, bei denen eine herkömmliche Substitutionsbehandlung nicht erfolgreich verläuft oder die von anderen Maßnahmen der Suchtbehandlung gar nicht mehr erreicht werden.

Seit 2002 wird Diamorphin, ein synthetisches Heroin, in einem bundesweiten Modellprojekt in sieben Städten an Schwerstabhängige gegeben. Die Rückfallquote war geringer als bei der Behandlung mit dem Ersatzstoff Methadon.

Der Gesetzentwurf von Abgeordneten von SPD, Grünen, FDP und Linken erhielt 349 Ja-Stimmen bei 198 Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

2 Gedanken zu „Bundestag beschließt: Heroin auf Rezept“

  1. Autorin: Maria Staufer, 03.10.2010, 17:43 h
    Nun, da ich gerade die Ueberschrift kurz gelesen habe, habe ich dazu folgendes zu sagen: Ich bin absolut dagegen, dass es Heroin auf Rezept geben soll. Ich bin mir sicher, dass sogar die meisten Heroinabhaengigen dagegen sind. Sie wollen doch weg „von dem Zeug“ und nicht noch weiter in diese Falle geraten. Ich bin mir sogar sicher, dass das am meisten die Aerzte und Krankenkassen befuerworten, denn dadurch haben sie regen Zulauf und koennen von den Patienten abkasieren. Zudem ist die Gefahr sehr hoch, dass die Hemmschwelle nicht mehr so gross ist und immer mehr Menschen, da es ja legal wird, zur Droge greifen. Die staatliche Ueberwachung ist dadurch nicht mehr gegeben. Und man begibt sich voll in die Haende von Aerzten und Krankenkassen, die dann volle Handhabung und Entscheidungsgewalt haben. Und man ist weniger geschuetzt durch den Staat. Die Aerzte werden sich nicht mehr bemuehen, dass die Patienten davon wegkommen.

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