Streit: Dürfen Schüler Schnee und Eis beseitigen?

Darf man Schulkinder zur Mithilfe bei der Schnee- und Eisräumung heranziehen? Die Bildungsbehörde meint: Ja. Auf dem Schulgelände, den angrenzenden Gehwegen und vielleicht auch noch an der nächsten Bushaltestelle ist das möglich. Ver.di sagt: Nein. Man braucht Spezialschuhe, eine Sicherheitsausrüstung, und angelernt werden muss man auch.

Was meinen Sie?

Das Schreiben der Schulbehörde, in dem die Mithilfe bei der Räumung angeregt wird, hier als PDF.

So sieht es ver.di:

Sind sie Jeck? Stilblüten der Schnee- und Eisbeseitigung!
Privatisierung ist verantwortlich!

„Wenn es nicht so ernst wäre, dann könnten wir über diesen vorgezogenen Karnevalsscherz lachen“, reagiert Sieglinde Friess, Fachbereichsleiterin Bund, Länder und Gemeinden, auf den neuesten Vorschlag zur Schnee- und Eisbeseitigung.

Die Behörde für Schule und Berufsbildung hat an die Schulen geschrieben und sie aufgefordert, die Notsituation der Räumung von Schnee und Eis zu lösen. U.a. hat sie folgende Aufforderung formuliert: „(…) So wäre es hilfreich, wenn angrenzende Überwege, Bushaltestellen etc. (…) mit betreut werden könnten. Es ist z.B. durchaus vorstellbar, dass Schülerinnen und Schüler hier mit Hand anlegen können. Angesichts der akuten Gefährdung der Nachbarschaft wird in solchen Klassen, die sich nicht auf den Abschluss vorbereiten, der Ausfall einiger Unterrichtsstunden hinnehmbar sein (Lernen an einem anderen Ort). Schülerinnen und Schüler, die unter Aufsicht ihrer Lehrer einen solchen Gemeinschaftsdienst leisten, sind auch in dieser Tätigkeit bei der UK Nord versichert (…).“

„Das ist unglaublich und gefährlich! ver.di hat große Hochachtung vor allen BürgerInnen, die freiwillig mit helfen, diese schwierige Situation in den Griff zu bekommen: Nur: Wer Schülerinnen und Schüler ohne Spezialschuhe und ausreichende Sicherheitsausrüstung zum Schnee- und Eisräumen einsetzen will, gefährdet fahrlässig ihre Gesundheit. Was ist, wenn sich dabei jemand ernsthaft verletzt?“, kommentiert Sieglinde Friess, die bei ver.di zuständige Fachbereichsleiterin.

„Wir können das nicht nachvollziehen“, ergänzen Sabine Rieckermann und Stefan Bernau (ver.di-Fachgruppe-Schulen). „Für diese Arbeit sind angelernte erwachsene Menschen notwendig. Es kann nicht sein, dass SchülerInnen die Folgen davon ausbaden sollen, dass es immer weniger KollegInnen in den Bezirken gibt, die diese Arbeit leisten können.“

Hans-Jürgen Meyer, Vorsitzender der ARGE der Personalräte der Bezirksämter, bestätigt: „Über 30% der Kollegen im Grün- und Tiefbau wurden abgebaut. In der Folge wurden Schnee- und Eisbeseitigung privatisiert und jetzt sehen wir das Ergebnis.“

„Die derzeitige, nahezu lebensgefährliche Situation bestätigt unsere wiederholt geäußerten Befürchtungen“, so Friess weiter. „Privatisierung ist der Verlust der Steuerung und der Kontrolle. Wir erwarten, dass diese Aufgaben in die Stadt zurückgeholt werden, um die Menschen von Hamburg sicher durch Schnee und Eis zu bringen. In der Zukunft darf es keine „Schlitterwochen“ mehr geben und auch ältere Menschen müssen das Haus verlassen können.“

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