Mehr Lehrer für mehr Qualität

Die Schulbehörde plant zum Schuljahresbeginn 2010/11 (also ab August nächsten Jahres) verschiedene Änderungen des Lehrerarbeitszeitmodells. Neben der Entlastung für ältere Lehrkräfte und Berufseinsteiger soll damit die Berechnung der Arbeitszeit an die geänderten Ansprüche an Fortbildung und Teambildung sowie an die Anforderungen der neuen Schulformen Primarschule, Stadtteilschule und Gymnasium angepasst werden. Insgesamt werden dafür 191 zusätzliche Lehrerstellen aufgewendet (zeitweilig sogar weitere 130).

„Mit den geplanten Änderungen können wir trotz der schwierigen finanziellen Lage der Stadt ältere Lehrerinnen und Lehrer sowie Berufseinsteiger entlasten und die Lehrkräfte bei der Umsetzung der Reformen unterstützen“, sagt Bildungssenatorin Christa Goetsch.

Faktoränderungen

Der Unterricht in den Klassen 1 bis 3 wird im Modell zur Lehrerarbeitszeit mit dem Faktor 1,35 verrechnet. In den Klassen 4 bis 6 gilt der Faktor 1,4 und in den Klassen 7 bis 10 der Durchschnittsfaktor 1,5. Für jede Unterrichtsstunde wird die Arbeitszeit berechnet, die sich nach Multiplikation mit dem betreffenden Faktor ergibt.

Berufseinstiegsphase

Für Berufseinsteiger entfällt in den ersten beiden Dienstjahren die wöchentlich einstündige Vertretungspflicht. Diese jährlich 38 Stunden stehen den neuen Lehrerinnen und Lehrern für die Teilnahme am Programm für die Berufseinstiegsphase des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung zur Verfügung. Dies war – wie auch der nächste Punkt – bereits vor rund einer Woche verkündet worden.

Entlastung für ältere Lehrkräfte

Für Lehrkräfte ab 60 Jahre wird die wöchentliche Arbeitszeit um zwei Stunden auf 44,57 Stunden abgesenkt, das ist etwas mehr als eine Unterrichtsstunde.

Unterrichtsentwicklung, Fortbildung und Teambildung

Zur Unterstützung für die Arbeit in den Einstiegsklassen 4 und 7, mit denen die Schulreform ab dem Schuljahr 2010/11 in den Schulen startet, erhalten die Schulen zusätzliche Lehrerstunden, die den Lehrkräften des Jahrgangs für die Umsetzung des individualisierten Unterrichts sowie für Fortbildung und Teambildung zur Verfügung stehen. Von der Maßnahme profitieren diejenigen, die jeweils in den Jahren 2010/11; 2011/12 und 2012/13 in Klasse 4 und 7 starten. Jedes Team erhält im ersten Jahr durchschnittlich 3 Stunden in der Woche oder 0,5 Stunden pro Lehrkraft, im zweiten Jahr durchschnittlich 1,8 Stunden in der Woche oder 0,3 Stunden pro Lehrkraft.

Förderunterricht – Förderplan

Die durch Verzicht auf Wiederholungen erwirtschafteten Ressourcen bleiben den Schulen für individuelle Fördermaßnahmen erhalten, beginnend mit den Jahrgangstufen 1, 4 und 7 ab dem Schuljahr 2010/11. Sie dienen dem Förderunterricht in kleinen Gruppen. Dieser Förderunterricht wird mit dem Faktor des Regelunterrichts angerechnet.

Transparenz

Die Schulleitungen werden verpflichtet, die Zeitenvergabe nach dem Lehrerarbeitszeitmodell in der Schule gegenüber dem Schulpersonalrat und der Schulkonferenz transparent darzustellen und zu erläutern. Dabei bleibt vorgegeben, dass Unterricht 75 Prozent der Arbeitszeit einnimmt.

Veränderte Stundentaktung

Vorgeschlagen wird die Einführung von Unterrichtsstunden von 60 oder 90 Minuten Länge. Diese Maßnahme führt zu einer Veränderung der Unterrichtsmethodik zugunsten von Selbstlernphasen der Schülerinnen und Schüler, sie vermindert zugleich den Vorbereitungsaufwand der Lehrkräfte.

Insgesamt plant die Bildungsbehörde, strukturell 191 Stellen sowie temporär 130 Lehrerstellen zur Steigerung der Arbeitsqualität einzusetzen. Damit werden auch zusätzliche Ressourcen für die Umsetzung der Schulreform in die Schulen gebracht und die Lehrerinnen und Lehrer bei der Umsetzung der Reformschritte unterstützt. Dabei ist geplant, aus den Rückstellungstiteln für die Schulreform, die im Haushalt 2009/10 eingestellt sind, insgesamt 217 Stellen zu finanzieren. 104 Stellen sollen über Effizienzgewinne finanziert werden, indem vorhandene Ressourcen anderes eingesetzt werden und innerhalb des Systems umgeschichtet wird.

Die GAL ist – wie kaum anders zu erwarten – sehr zufrieden:

Gwosdz: „Entlastung bringt mehr Qualität für Hamburgs Schulen“

Mit der am Dienstag vorgestellten Novellierung des Lehrerarbeitszeitmodells hat die Schulbehörde eine wichtige Entscheidung für eine verbesserte Qualität an Hamburgs Schulen getroffen. Dazu erklärte Michael Gwosdz, bildungspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion:

„Die Reduzierung der Wochenarbeitszeit für ältere Lehrkräfte über 60 Jahre entlastet diese und ist ein wichtiger Beitrag, die Gesundheit am Arbeitsplatz zu erhalten. Ein neuer Stundentakt und der Ausbau von Lehrerarbeitszeitplätzen schafft die Grundlage, um den heutigen Anforderungen des Unterrichtens in Ganztagsschulen besser gerecht zu werden. Die Kombination dieser Maßnahmen zeigt einen richtungsweisenden Weg, wie Lehrerinnen und Lehrer qualitativ gut unterrichten und die Belastungen ihres Berufs meistern können. Bessere Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte sind auch eine Voraussetzung für mehr Qualität im Unterricht. Hierfür ist es auch richtig, zusätzliche Lehrerstellen zu schaffen.“

Außerdem legte die Schulbehörde die Berechnung für die Arbeitszeit an Primar- und Stadtteilschule fest. Michael Gwosdz begrüßte dies: „Hiermit erhalten die Lehrerinnen und Lehrer an den neuen Schulformen nun eine wichtige Information über die künftigen Arbeitsbedingungen.“

Gleichzeitig erinnerte Gwosdz daran, auch andere Entlastungseffekte zu berücksichtigen, die sich im Zuge der Schulreform ergeben werden. Denn auch Maßnahmen wie kleinere Klassen, weniger Korrekturen und bessere Teamarbeit sorgen einerseits für bessere Lernbedingungen für Schülerinnen und Schüler und andererseits auch für bessere Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer.

Die geplante Entlastung für Berufseinsteiger gibt diesen eine bessere Möglichkeit, in der wichtigen Phase des Einstiegs mehr Zeit zu haben, sich zu orientieren und beraten zu lassen. „Auch dies ist Baustein für mehr Qualität an Hamburgs Schulen“, betonte Gwosdz.

Und noch eine gute Nachricht wurde heute verkündet: „Die Mittel, die durch den Verzicht auf Klassenwiederholungen frei werden, bleiben den Schulen für Förderunterricht erhalten. Dies ist eine Grundlage dafür, dass individuelle Förderung das Lernen im Gleichschritt erfolgreich ablösen kann.“

Die heute vorgestellten Maßnahmen machen klar, dass die Schulreform aus vielen Einzelbausteinen besteht. Alle Schritte wurden sorgfältig vorbereitet. Die Sorgen von Lehrkräften, Eltern und Kindern wurden und werden bei der Planung berücksichtigt.

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