Kaum ein Senator gibt noch seinen Löffel ab

Wenn Senatorinnen und Senatoren aus dem Amt scheiden, ist es in Hamburg Tradition, dass sie der Stadt je ein Mittelbesteck (Gabel, Löffel, Messer) aus massivem Silber schenken. Erstmals wurde der Stadt im Jahre 1536 ein solches Silbergeschenk gemacht. 1976 ließ der ehemalige Zweite Bürgermeister und Wirtschaftssenator Helmuth Kern die seit dem 18. Jahrhundert in Vergessenheit geratene Tradition wieder aufleben. 63 Silberbestecke wurden der Stadt bis 2001 geschenkt und dem Silberschatz hinzugefügt. Doch seitdem die CDU regiert, ist die Tradition abermals in Vergessenheit geraten.

Durch eine Kleine Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter war im vergangenen Jahr herausgekommen, dass von den neuen Ex-Senatoren kein einziger mehr das Silbergeschenk gemacht hatte.

Durch die öffentliche Berichterstattung an ihr mangelndes Traditionsbewusstsein erinnert, haben zwischenzeitlich wenigstens zwei der 19 Senatsmitglieder, die nach 2001 ausgeschieden sind, nun doch ihre Löffel abgegeben. Zwei weitere haben statt eines Bestecks gemeinsam einen Silberteller gestiftet. Die zuletzt ausgeschiedenen Senatsmitglieder wurden am 26. August sogar per Brief an die Tradition erinnert, antwortete der Senat auf eine weitere Kleine Anfrage Buschhüters. Zwei von ihnen haben daraufhin angekündigt, der Stadt gemeinsam eine Silberschale schenken zu wollen.

Der Preis der Mittelbestecke ist vom aktuellen Silberpreis abhängig. Der Preis beträgt aktuell 1.600,00 € inklusive Mehrwertsteuer und Gravur des Namens und der Amtszeit für ein dreiteiliges Mittelbesteck. Die Gravur eines Familienwappens werde nach Vorlage berechnet. „Natürlich ist das viel Geld. Wenn man aber bedenkt, dass Hamburger Senatoren auch in den ersten drei Monaten nach ihrem Ausscheiden aus dem Senat noch rund 13.000 Euro monatlich von der Stadt erhalten, dann sollten sie sich nicht lumpen lassen. Schließlich sollte es doch als eine besondere Ehre empfunden werden, dass man Hamburger Senator sein durfte“, meint Buschhüter.

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