Umzug löst dpa-Probleme nicht

DPA verlegt seinen Sitz von Hamburg nach Berlin – das zeichnete sich seit einiger Zeit ab und wurde jetzt Gewissheit. Dem Senat ist es nicht gelungen, die Presseagentur in Hamburg zu halten. Unterschiedliche Reaktionen.

Der SPD-Medienpolitiker Uwe Grund hat den angekündigten Umzug der Deutschen Presseagentur (dpa) von Hamburg nach Berlin als „weitere bedauerliche Entscheidung gegen den Medienstandort Hamburg“ bezeichnet.

Grund sagte, er habe den Bemühungen des Bürgermeisters und des Senats für einen Verbleib der dpa in Hamburg mehr Erfolg gewünscht. Einmal mehr müsse darüber nachgedacht werden, ob Hamburg im immer härter werdenden Konkurrenzkampf innerhalb der Medienbranche optimal aufgestellt ist.

Grund appellierte gleichzeitig an das Unternehmen, bei der Frage der Arbeitsplatzverlagerung sozialverträglich vorzugehen und die Interessen der betroffenen Beschäftigten nicht auszublenden.

Zu dem angekündigten Wegzug der Zentralredaktionen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von Hamburg nach Berlin sagte der medienpolitische Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion, Farid Müller:

„Der Umzug der dpa-Redaktionen nach Berlin ist keine Entscheidung gegen die Medienstadt Hamburg. Die Entscheidung des Aufsichtsrates spiegelt fehlenden Mut wider, die strukturellen Probleme der dpa anzupacken. Ob ein Umzug mit einer Konzentration der Redaktionen in Berlin die aktuellen Probleme löst, ist sehr offen. Ehrlichkeit gegenüber den Beschäftigten wäre hier angebracht gewesen.

Hamburg muss sich jetzt aber auch endlich damit befassen, dass Berlin mit dem Hauptstadtfaktor einen Sog auf Medienunternehmen entwickelt. Das hat meiner festen Überzeugung nach aber nicht immer etwas mit Berlins Standortstärken zu tun.

Wir Grüne setzen uns vor diesem Hintergrund dafür ein, dass Hamburg mit einem Medienstandortkonzept in eine aktivere Rolle schlüpft. Kreativ- und Medienunternehmen sollen künftig nach Hamburg gelockt werden.“

Die Nachricht, dass die Deutsche Presseagentur mit ihren Zentralredaktionen nach Berlin zieht, wird von der medienpolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Kersten Artus, scharf kritisiert:

„Der vom dpa-Aufsichtsrat beschlossene Umzug der Zentralredaktionen nach Berlin ist unverständlich. Er ist weder durch journalistische, noch durch produktionstechnisch nachvollziehbare Argumente begründet. Im Gegenteil: Es ist nicht davon auszugehen, dass die betroffene Belegschaft mit umzieht – Menschen sind an ihren Wohnort schließlich auch aufgrund familiärer Bindungen verwurzelt – sodass fachliches Knowhow auf der Strecke bleiben dürfte. 200 Menschen sind betroffen. Chefredakteur Wilm Herlyn hat sich offensichtlich nun endlich durchgesetzt. Aufsichtsratsmitglied Dr. Matthias Döpfner, der zugleich Vorstandschef von Axel Springer ist, dürfte den Umzug mit forciert haben: Auch Springer zog vor einigen Monaten mit der BILD und der WELT nach Berlin. Es droht zudem ein Großraumbüro, das mit zwei bis dreihundert Leuten gefüllt werden wird. Wie soll da noch kreative Arbeit möglich sein?

Der Umzug wird teuer, Insider schätzen Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Dies ist unverantwortlich in Anbetracht von Kündigungen durch Kundinnen wie die WAZ, die auch ein großes Loch in den Etat von dpa reißen. Produktionstechnisch sind Standortverlagerungen in Anbetracht der heutigen technischen Möglichkeiten Blödsinn – insofern handelt es sich um ein reines Berlin zentriertes politisches Manöver, mit dem sich wohl einige Herren Denkmäler setzen wollen.

Die Entscheidung ist umso unverständlicher, weil die Belegschaft in der Vergangenheit mit Nullrunden und Personalabbau ihren Beitrag zur Kostenreduktion geleistet hat. DIE LINKE Fraktion spricht den Betroffenen ihre Solidarität aus und wünscht den Betriebsrat Erfolg bei der Durchsetzung eines guten Sozialplans.

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