Rezessionsgefahr steigt an

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich in den vergangenen Wochen etwas eingetrübt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in nächster Zeit in eine Rezession gerät, ist merklich gestiegen, sie bleibt aber insgesamt noch auf einem niedrigen Niveau. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Für den Zeitraum von März bis Ende Mai weist der IMK-Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 15,8 Prozent aus, nach 7,1 Prozent im Februar. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarninstrument ordnet die Situation für die kommenden Monate damit im mittleren „grünen Bereich“ (keine Rezessionsgefahr bei Werten unter 30 Prozent) ein.

Dass sich die Prognose des Indikators eingetrübt hat, erklärt IMK-Experte Dr. Thomas Theobald mit der ungünstigeren Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe. Die Orders aus dem In- wie aus dem Ausland gingen zuletzt zurück, was zumindest zum Teil aber darauf beruht, dass deutsche Unternehmen zum Jahresende einige Großaufträge verbucht hatten und der Vergleichswert deshalb hoch lag. Eine deutlichere Verschlechterung des Indikatorwerts verhinderten Stimmungs- und Finanzmarktindikatoren, die aufwärtsgerichtet blieben. Beides lässt nach Analyse des IMK höheren Konsum und wachsende Investitionsausgaben erwarten, was in der Folge auch die Auftragslage wieder verbessern sollte.

Trotz der höheren Rezessionswahrscheinlichkeit geht das IMK derzeit davon aus, dass sich der moderate Aufschwung der deutschen Wirtschaft fortsetzen wird. „Sollte sich die Abwärtsbewegung aber verstetigen, würde das auch auf die Stimmung der Wirtschaft drücken. Dann müsste der bisher insgesamt positive Konjunkturausblick revidiert werden“, sagt Konjunkturforscher Theobald. Seine neue Konjunkturprognose legt das IMK am 30. März auf einer Pressekonferenz in Berlin vor.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion über fünf Monate um mindestens ein Prozent schrumpft.

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