Kneipen-Test: Keime an jedem 2. Bierzapfhahn

62 Prozent der überprüften Bier-Schankanlagen in Hamburg waren mit Keimen belastet. Was die Hygienekontrolleure der Gesundheitsbehörde sonst noch alles beanstandeten, lesen Sie hier:

Das Institut für Hygiene und Umwelt (HU) der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) hat seinen Jahresbericht veröffentlicht. Er macht deutlich: Hamburg nimmt den Schutz von Verbrauchern, Gesundheit und Umwelt sehr ernst. Mehr als 770.000 amtliche Laboranalysen und Begutachtungen, Stellungnahmen, Beratungen und Impfungen hat das Institut 2010 insgesamt durchgeführt.

Ob Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse – Hamburger Lebensmittel sind überwiegend in Ordnung. Von den insgesamt 17.029 untersuchten Lebensmittelproben wurden 2.840 beanstandet (16,6 Prozent; Vorjahr 13 Prozent), die meisten wegen nicht korrekter Kennzeichnungen. Die Proben wurden überwiegend risiko-orientiert genommen, d.h. der Schwerpunkt wurde bewusst auf wahrscheinliche Beanstandungen gelegt. Insgesamt waren 28 Lebensmittelproben akut gesundheitsgefährdend.

Neben der amtlichen Analyse und Begutachtung von Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, Kosmetika, Wein und Tabakwaren gehören auch die medizinische Diagnostik, Maßnahmen zur Infektionsprävention und zahlreiche Umweltuntersuchungen zum Aufgabenspektrum des traditionsreichen Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt.

Einige Beispiele aus der breit gefächerten Untersuchungspraxis der Naturwissenschaftler, Mediziner, Veterinäre und Ingenieure:

· Während der EHEC-Epidemie erkrankten in Hamburg fast 500 Menschen an EHEC und rund 180 an HUS. Im HU waren dadurch innerhalb kurzer Zeit rund 6.000 zusätzliche Lebensmittel-, Umwelt- und Stuhlproben zu untersuchen. Hinzu kam bei positiven Proben die nähere Bestimmung der Bakterientypen sowie Hygieneberatungen und die statistische Auswertungen des Ausbruchs.

· Seit den Reaktorhavarien in Fukushima werden Produkte aus Japan bei der Einfuhr in die EU verstärkt auf radioaktive Stoffe untersucht. Bisher wurden dabei im HU keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

· Nicht immer ist „drin“, was „drauf“ steht: Molekularbiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich z.B. bei zwei Dritteln der Proben von angeblichen Jakobsmuscheln um andere Kammmuschelarten handelte.

· Deutsches Bier ist für seine Qualität bekannt. Doch was nützt es, wenn es in der Hälfte der Fälle aus Schankanlagen gezapft wird, die mit Keinem belastet sind? Immerhin 237 Zapfanlagen wurden geprüft – in 62 Prozent der Fälle kam es zu Keim-Warnungen.

· Auch bei Cocktails ist kein unbedingter Verlass auf Qualität und Inhaltsstoffe: Bei Caipirinha-Analysen unterschritt jede fünfte Probe die übliche Mindestmenge an Cachaca um 20 bis 50 Prozent.

· Die Händehygiene ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektionsverhütung in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Im HU geschulte Hygienefachkräfte sorgen im Arbeitsalltag dafür, dass Schwestern, Pfleger und Ärzte die professionelle Händedesinfektion beherrschen und durchführen.

· Stickoxide können die Atemwege schädigen. Mitarbeiter des HU überprüfen daher an vielen Stellen in Hamburg die Konzentrationen – zum einen über die automatischen Messstationen des Hamburger Luftmessnetzes (HaLm), zum anderen über Passivsammler, die an speziell exponierten Stellen positioniert werden. Am höchsten sind die Werte an stark befahrenen Straßen und im Hafen.

· Im Bereich der Tideelbe sind mehrere neue Kraftwerke geplant, die mit Elbwasser gekühlt werden sollen. Ein Wärmelastplan soll verhindern, dass das Flusswasser zu stark aufgeheizt wird und dadurch die Ökosysteme gefährdet werden. Das HU arbeitet hier als „Wärmewächter“: Durch die Messstationen des Wassergütemessnetzes (WGMN) werden unter anderem ständig Temperatur und Sauerstoffgehalt der Elbe kontrolliert. Zusätzlich werden regelmäßig Hafenmessfahrten durchgeführt.

„Amtliche Lebensmittelproben und Hygienekontrollen sorgen für Qualität und sichern die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Analysen belegen dabei den überwiegend sorgsamen Umgang der Betriebe in Hamburg“, so Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Bei einer rein zufälligen Auswahl von Proben aus Hamburger Geschäften wäre die Beanstandungsrate sicher deutlich geringer ausgefallen. Aber die amtlichen Analysen sind inzwischen immer mehr an der gezielten Suche nach den „schwarzen Schafen“ ausgerichtet. Mit ihrer Arbeit leisten die Experten der Bezirke, der Behörde und aus dem HU einen wichtigen Beitrag für mehr Verbrauchersicherheit. Und dies nicht nur für Hamburg, sondern für die gesamte EU. Denn eine große Menge von Lebensmitteln aus Drittländern wird über den Hamburger Hafen in die EU importiert und nach EU-Recht speziell bei der Einfuhr kontrolliert.“ Anschließend wird die Importware – genauso wie einheimische Produkte – in den Zielländern nur noch stichprobenartig überprüft.

Informationen zu diesen und weiteren Themen entnehmen Sie bitte dem Bericht des HU. Die Broschüre steht unter http://www.hamburg.de/hu/presse-und-publikationen/aktuelle-themen zum Download bereit.

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