Esso-Häuser: „Planbude“ erfolgreich abgeschlossen

Nach einem einzigartig intensiven Beteiligungsverfahren haben heute Vertreter von Bezirk, Grundeigentümerin und dem Team der PlanBude ein gemeinsames Konzept zur zukünftigen Bebauung des Esso-Areals vorgestellt.

Der im Auftrag des Bezirks über sechs Monate durchgeführte PlanBuden-Prozess war mit über 2.000 Beiträgen von Bürgerinnen und Bürgern außerordentlich erfolgreich und hat die Aufgabenstellung für den jetzt beginnenden Architektenwettbewerb ganz maßgeblich geprägt:

Die Neubebauung soll vor allem dem großen Bedarf an günstigem Wohnraum auf St. Pauli Rechnung tragen: knapp 60 Prozent der Wohnnutzung sollen öffentlich gefördert werden, und zwar 38,5 Prozent (zirka 5.700 Quadratmeter, entsprechend Wohnungen alte Esso-Häuser) im 1. Förderweg. Weitere 20 Prozent der Wohnfläche sind für (öffentlich förderfähige) Baugemeinschaften / Genossenschaften vorgesehen. Die verbleibenden gut 40 Prozent des Wohnungsbaus sollen frei finanzierte Mietwohnungen werden. Eigentumswohnungen sind nicht geplant. Insgesamt sollen zirka 14.800 Quadratmeter Wohnen realisiert werden (= 2,5-fache Wohnungsfläche ehemalige Esso-Häuser), was je nach Wohnungsgrößen etwa 200 bis 250 Wohnungen entspricht.

Den gewerblichen Teil der Bebauung (zirka 11.350 Quadratmeter) sollen sich St.-Pauli-typisches kleinteiliges Gewerbe (wie Clubs, Gastronomie und eine Erweiterung des Panoptikums, insgesamt zirka 3.750 Quadratmeter), Nahversorgung (zirka 1.600 Quadratmeter) sowie ein individuelles Hotelkonzept (zirka 6.000 Quadratmeter) teilen.

Ein zusätzlicher Baustein soll Raum bieten für stadtteilbezogene und innovative Nutzungen (zirka 2.530 Quadratmeter). Hierzu gehören das Innovationskonzept „FabLab“, eine Stadtteilkantine, das Rock’n’Roll Hotel „Kogge“, das St. Pauli-Museum, Subkulturräume und Flächen für kiezspezifische Sozialversorgung. Hinzu kommen Räume für den Musikclub Molotow und – ebenfalls in einem zweistöckigen Untergeschoss am Spielbudenplatz – ein Saal als variable Spielstätte für Livemusik, Theater, Kino, und so weiter (zirka 2.000 Quadratmeter).

Das Programm für den bevorstehenden städtebaulichen Wettbewerb sieht darüber hinaus vor:
– Ein angestrebtes Gesamtbauvolumen von zirka 28.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche
– Eine stark gegliederte, sich in die Umgebung bestmöglich einfügende Gebäudestruktur
– Variable Gebäudehöhen von durchschnittlich sechs bis sieben und punktuell bis zu neun Geschossen
– Eine bestmöglich nutzbare Dachlandschaft, zugänglich für die Bewohner/-innen und auch für die Öffentlichkeit (insbesondere zum Spielbudenplatz).
– Die Einplanung eines „Quartiersplatzes“ im Bereich Taubenstraße / Kastanienallee mit Anschlüssen zu den nachbarschaftsbezogenen Nutzungen

Gewerbenutzungen durch individuelle Betreiber, keine Ketten / Filialisten (Ausnahme gegebenenfalls bei Nahversorgung)
Insgesamt sind nahezu alle wesentlichen Ergebnisse aus dem Beteiligungsverfahren in das Bebauungskonzept eingeflossen. Nach dem intensiven Konflikt um den Erhalt der Esso-Häuser bietet dieses gemeinsam erarbeitete Konzept eine gute Grundlage für eine breit akzeptierte, stadtteilverträgliche Lösung.

Am 18. Mai 2015 wird das Ergebnis öffentlich im Stadtteil vorgestellt (18:00 Uhr Wirtschaftsgymnasium St. Pauli). Am 20. Mai 2015 und am 2. Juni 2015 werden zunächst der Stadtplanungsausschuss und dann der Hauptausschuss der Bezirksversammlung über die Wettbewerbsaufgabenstellung beraten. Von Juni bis September 2015 läuft dann der städtebauliche Wettbewerb, an den sich direkt das Bebauungsplanverfahren anschließen soll. Bei günstigem Verlauf könnte ab 2017 mit dem Neubau begonnen werden.

„Mit dieser einvernehmlichen Lösung im Interesse des Stadtteils ist etwas Großes gelungen. Wir haben die Weichen gestellt für ein echtes neues Stück St. Pauli, mit Platz für Alle und Alles. Es könnte zum ersten Mal auf St. Pauli gelingen, mit einem Neubau nicht zur Verdrängung von Altem beizutragen sondern im Gegenteil ihr entgegenzuwirken und Raum für diejenigen zu schaffen, die ihn andernorts im Stadtteil nicht mehr finden oder verlieren. Mit dem PlanBuden-Prozess haben wir auch eine neue Qualität in der partizipativen Stadtteilentwicklung erreicht. Ich habe großen Respekt vor der Leistung sowohl des Teams der PlanBude als auch der Bayerischen Hausbau, ohne die dieser unerwartet große Erfolg nicht denkbar gewesen wäre“, so Bezirksamtsleiter Andy Grote.

Bernhard Taubenberger, Geschäftsführer der Grundstückseigentümerin Bayerische Hausbau betonte: „Der Optimismus, mit dem wir uns auf diese außergewöhnliche Form der vorgezogenen Bürgerbeteiligung eingelassen haben, wurde nicht enttäuscht: Wir haben einen guten Kompromiss gefunden, mit dem Politik, Verwaltung, Stadtteil und wir zufrieden sein können. Einen Kompromiss vor allem, der den Weg ebnet für eine Neubebauung des Esso-Häuser-Areals, die ein Gewinn für St. Pauli sein wird. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, vor allem den St. Paulianerinnen und St. Paulianern für ihren Gestaltungswillen und ihre Kreativität.“

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis – zum jetzigen Zeitpunkt ist der PlanBuden-Prozess ein voller Erfolg und setzt Maßstäbe für eine partizipative Stadtentwicklung, die auf das Wissen der Vielen setzt. Vieles, was wir aus den mehr als 2000 Beiträgen zuspitzen und ableiten konnten, ist in die Aufgabenstellung eingeflossen. Das war eine anspruchsvolle aber auch sehr schöne Aufgabe: Der St. Pauli Code ist geknackt! Jetzt geht es darum an den Code anzuknüpfen und St. Pauli in die Zukunft zu denken. Zu vielen Punkten waren die Ideen und Wünsche der Anwohner/-innen übrigens noch viel konkreter – für die Architekten ist das PlanBuden-Archiv deshalb ein traumhafter Fundus. Wir hoffen, dass viele der Ideen, wie ein Fußballplatz auf dem Dach oder eine hedonistische Parklandschaft von den Büros aufgegriffen werden“, so die Mitglieder der PlanBude.

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