In der Bürgerschaftsdebatte am heutigen Mittwoch wird ein Antrag der GAL-Fraktion diskutiert, der die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen erleichtern soll.
Unter dem Titel „Qualifiziert und doch chancenlos? – Potentiale von Migrantinnen und Migranten besser erkennen, fördern und nutzen“ (DS 18/7244) möchte die GAL erreichen, dass qualifizierte Migrantinnen und Migranten in Hamburg durch eine Zentrale Anlaufstelle besser beraten werden. Mit einem Stipendienprogramm sollen zusätzlich nötige Anpassungsqualifizierungen gefördert werden.
„Trotz der Klagen über Fachkräftemangel werden die Qualifikationen von Migrantinnen und Migranten häufig übersehen. Dabei können wir es uns weder menschlich noch volkswirtschaftlich leisten, auch nur eine einzige Begabung zu vergeuden“, erklärt Nebahat Güçlü, integrationspolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion.
Abhängig davon, ob es sich bei der Anerkennung um Schul-, Universitäts- oder Berufsabschlüsse handelt, sind verschiedene Behörden, Kammern oder Verwaltungen zuständig. Derzeit finden sich viele Zuwanderinnen und Zuwanderer im Gewirr der Ansprechpartner nur schwer zurecht. Häufig ist niemanden zu finden, der sich für ihren Fall zuständig fühlt. Werden Qualifikationen wegen bürokratischer Hürden nicht anerkannt oder fehlt das Geld für Anpassungsqualifizierungen, so müssen die Betroffenen häufig schlecht bezahlte Jobs annehmen oder gar von Sozialleistungen leben. „Es kann nicht sein, dass ein Lehrer aus Ghana mit langjähriger Berufserfahrung hier Taxi fährt, weil sein Führerschein akzeptiert wird, sein Diplom jedoch nicht. Das ist schlicht und einfach zynisch und dazu ein Vergeudung von Fähigkeiten“, so Güçlü.
Der GAL-Antrag fordert deshalb, für qualifizierte Migrantinnen und Migranten in Hamburg eine zentrale Anlaufstelle einzurichten, in der kompetente Ansprechpartner die Betroffenen an die für sie zuständigen Stellen weitervermitteln und bei Bedarf Hilfestellungen leisten. Darüber hinaus sieht der Antrag die Einrichtung eines Stipendienprogramms für Anpassungsqualifikationen vor und setzt sich für eine Aufklärungskampagne unter Hamburger Unternehmerinnen und Unternehmern ein, um diese darüber zu informieren, wie ausländische Abschlüsse von Bewerberinnen und Bewerbern einzuschätzen sind. „Die Arbeitslosenquote unter Migrantinnen und Migranten ist in Hamburg mit über 24 Prozent erschreckend hoch. Um diese Menschen aus dem System der Sozialtransfers herauszuholen, muss an vielen Stellen angesetzt werden. Wir fordern den Senat und Bürgerschaft deshalb auf, mit uns gemeinsam tätig zu werden!“, so Güçlü.