Von Blankenese bis Billstedt: Der Senat will ab dem Schuljahr 2014 in Hamburg in fast allen Fächern eine zentrale Abiturprüfung einführen.
Angesichts der öffentlich gemachten Kritik daran erklärte Schulsenator Ties Rabe: „Hamburgs Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf eine faire Abiturprüfung und eine hochwertige Schulbildung. Deshalb darf Hamburgs Abitur nicht von Schule zu Schule auf unterschiedlichem Niveau stattfinden, sondern muss in allen Schulen ein hohes Niveau sicherstellen. Wenn sich Eltern und Schüler sogar in ganz Deutschland gleiche Abiturstandards wünschen, dann kann es doch nicht richtig sein, dass das Abitur zurzeit nicht einmal zwischen Billstedt, Bergedorf und Blankenese vergleichbar ist. Es wäre schlimm und ungerecht, wenn sich das Niveau der Hamburger Schulen und Abiturprüfungen weiter auseinanderentwickeln würde. Deshalb brauchen wir künftig gleiche Prüfungsaufgaben in allen Fächern. Nur so kann gewährleistet werden, dass es ein faires und gerechtes Abitur gibt.“
Die Schulbehörde erklärte dazu weiter:
„Gleiche Prüfungsaufgaben sichern zudem ein hohes Niveau in der Oberstufe. Denn der Fachunterricht wird sich selbstverständlich an den zentralen Abituraufgaben ausrichten. Hochwertige zentrale Aufgabenstellungen verbessern somit auch die Qualität des Unterrichts. Das ist ein wichtiger Schritt, damit das Hamburger Abitur bundesweit zur Spitzengruppe aufschließen kann.
Die Profiloberstufe wird durch die Ausweitung zentraler Aufgabenstellungen nicht abgeschafft. Die Abiturprüfungen beziehen sich in der Regel auf 50 Prozent des Unterrichts, so dass für Schwerpunkte im Unterricht noch genügend Raum bleibt. Doch die Profiloberstufe darf kein Freibrief dafür sein, von Schule zu Schule völlig unterschiedliche Anforderungen und Prüfungen zu stellen. Die Freiheit von Schule zu Schule unterschiedliche Schulprofile zu entwickeln, wird begrenzt durch die Verantwortung dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler hervorragend ausgebildet werden und in Berufsausbildung und Studium alle Anforderungen erfüllen. Wirtschaft und Universität haben kein Verständnis dafür, wenn Schülerinnen und Schüler in ihren Schulen völlig unterschiedliche Dinge lernen und den Anforderungen später nicht gewachsen sind.
Es besteht kein Widerspruch zwischen den fächerübergreifenden Schwerpunkten der Profiloberstufen und der Festlegung von Inhaltsschwerpunkten im Hinblick auf zentrale Abiturprüfungen: Schon jetzt ist im Bildungsplan festgelegt, welchen Anforderungen die Schülerinnen und Schüler am Ende der Studienstufe genügen müssen und welche fachlichen Inhalte auch unter den Bedingungen der Profiloberstufe verbindlich zu unterrichten sind. In der schriftlichen Abiturprüfung geht es genau um diese fachlichen und nicht um fächerübergreifende Inhalte.
Durch den Wegfall von Aufgabenstellungen, die durch jede einzelne Lehrkraft erstellt werden, gewinnen die Lehrkräfte zudem mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und für Beratungsgespräche.“
Zum Hintergrund erläuterte die Behörde:
Reform der Abiturprüfungen in Hamburg ab 2014
Zentrale Aufgabenstellungen in allen Prüfungsfächern
Ab dem Abiturjahrgang 2014 führt Hamburg zentrale Aufgabenstellungen in allen Prüfungsfächern ein. Bislang wurden nur Deutsch und Mathematik, sowie einige wichtige Fremdsprachen zentral geprüft.
Weiterhin dezentral geprüft werden Kunst, Theater, bilingual unterrichtete Fächer und einige Nischenfächer. Zentrale Prüfungsaufgaben haben den Vorteil der Standard- und Qualitätssicherung und erhöhen die Vergleichbarkeit.
Abiturprüfungstermine zukünftig im April/Mai
Die Termine für die schriftlichen Abiturprüfungen werden ab 2014 auf April und Mai verlegt, so dass das schriftliche Abitur auch Themen des 4. Semesters umfasst. Hamburg ist das einzige Bundesland, das die schriftlichen Abiturtermine bislang Ende Januar oder Anfang Februar hat. Durch eine Verlegung des Termins für die schriftlichen Prüfungen in den April ist eine zusammenhängende Prüfungsphase für Schülerinnen und Schüler möglich.
Schüler wählen zwischen Präsentationsprüfung und mündlicher Abiturprüfung
Die 2010 anstelle der mündlichen Abiturprüfung eingeführte Präsentationsprüfung wird zukünftig optional durchgeführt, d.h. die Schülerinnen und Schüler können zwischen Präsentations- und
klassischer mündlicher Prüfung wählen. Die Vorbereitungszeit für Präsentationsprüfungen wird auf zwei Wochen verkürzt, da der erste Jahrgang bewiesen hat, dass die Schülerinnen und Schüler nicht
mehr als 14 Tage für die Ausarbeitung selbst schwieriger Fragestellungen benötigen.
Übersicht zentrale/dezentrale schriftliche Abiturprüfungen ab 2014:
Zentral:
• Biologie
• Chemie
• Deutsch
• Englisch
• Französisch• Geographie
• Geschichte
• Informatik
• Latein
• Mathematik
• PGW (Politik-Gesellschaft-Wirtschaft)
• Philosophie
• Physik
• Psychologie (grundlegendes Niveau)
• Religion
• Russisch
• Spanisch
• Sport
Dezentral:
• Chinesisch
• Griechisch
• Italienisch
• Kunst
• Musik
• Pädagogik
• Polnisch
• Psychologie (erhöhtes Niveau)
• Recht
• Theater
• Türkisch
• Wirtschaft