Workshop zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Kultursenator Carsten Brosda: „Die Aufarbeitung des Kolonialismus gehört zu unseren zentralen kulturpolitischen Aufgaben.“
Der Deutsche Museumsbund veröffentlichte im Mai 2018 erstmals einen Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten und formulierte damit seine Haltung zu diesem wichtigen und hoch komplexen Thema. Jetzt wird der Leitfaden um eine internationale Perspektive erweitert: Am 29. und 30. Oktober 2018 lud der Deutsche Museumsbund zwölf Expertinnen und Experten aus elf Ländern zu einem Workshop in das Museum für Hamburgische Geschichte und stellte seinen Leitfaden dort zur Diskussion.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, begrüßte die Teilnehmer zu Beginn des Workshops:
„Die Aufarbeitung des Kolonialismus gehört zu unseren zentralen kulturpolitischen Aufgaben. Dabei ist es entscheidend, dass wir gemeinsam Antworten in der postkolonialen Erinnerungskultur und im Umgang mit Museumsbeständen aus kolonialen Kontexten finden. Der Leitfaden des Deutschen Museumsbundes leistet hierzu einen wichtigen Beitrag und verdient große Beachtung. Dieser soll aber nicht als Abschluss einer Diskussion verstanden werden, sondern als ein erster Standpunkt, in dem die Erfahrungen, Rahmenbedingungen und Fragestellungen deutscher Museen benannt und international zur Diskussion gestellt werden. Wir brauchen parallel auch die klare politische Festlegung auf einen Umgang mit unserem kolonialen Erbe, der einen transnationalen Dialog auf Augenhöhe ermöglicht.“

Ziel des Workshops war es, den Leitfaden um eine internationale Perspektive zu erweitern. Als Ergebnis des Workshops wird im Frühjahr 2019 eine zweite überarbeite Auflage des Leitfadens in deutscher, englischer und französischer Sprache veröffentlicht.

Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums und Sprecherin der Workshop-Arbeitsgruppe freute sich über die produktive Zusammenarbeit mit den internationalen Expertinnen und Experten: „Unsere Gäste begrüßten es sehr, dass nun eine derartige Publikation erstmals zur Verfügung steht, denn trotz der Wichtigkeit des Themas existierte bisher keine vergleichbare Publikation. Die Arbeit im Workshop war geprägt von Professionalität und gegenseitigen Respekt. Auch eine Reihe Ergänzungsvorschläge werden in die zweite Version des Leitfadens Eingang finden, etwa eine größere Berücksichtigung der Bedürfnisse der Herkunftsgesellschaften in Bezug auf Forschungskooperationen oder Rückgabeforderungen“.

Dr Safua Akeli Amaama, Direktorin des Centre for Samoan Studies in Apia, Samoa betonte, wie wichtig der Workshop für den weiteren Prozess im Umgang mit kolonialen Sammlungen sei, insbesondere auch aus samoanischer Sicht.

Flower Manase Msuya, Kuratorin beim National Museum of Tansania in Dar Es Salaam ergänzte, der Workshop sei ein erster Schritt, nun müssten die dort erarbeiteten Inhalte in die Gesellschaft und in die Politik getragen werden.

Nehoa Kapuka, Mitarbeiterin der Museums Association Namibia in Windhoek fügte hinzu, die Arbeit im Rahmen des Workshop sei eine Diskussion auf Augenhöhe und die gegenwärtige Debatte führe zu einer wichtigen Auseinandersetzung mit dem Unrecht der Vergangenheit.

Mit dem Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten möchte der Deutsche Museumsbund zur Sensibilisierung beitragen und Hilfestellung bei der musealen Arbeit sowie bei Rückgabeforderungen bieten. Der Leitfaden dient als Impulsgeber, auf dessen Grundlage jedes Museum gehalten ist, einen eigenen Standpunkt und eigene Richtlinien für den Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten zu formulieren. Darüber hinaus ruft er die Museen auf, sich mit dem Thema Kolonialismus in ihrer Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit aktiv auseinanderzusetzen, und zwar unabhängig davon, ob sich Objekte aus kolonialen Kontexten in ihren Sammlungen befinden. Erarbeitet wurde der Leitfaden im Auftrag des Deutschen Museumsbundes von einer fächerübergreifenden Expertengruppe unter Leitung von Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums Bremen.

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