Wo bleibt die Arbeit?

Dem DGB Hamburg fehlen im Hamburger Wohlfahrtsindex wichtige Aspekte der Erwerbsarbeit.

Der DGB Hamburg findet den Hamburger Wohlfahrtsindex der Grünen-Bürgerschaftsfraktion sehr interessant. Er versucht die Komplexität der modernen Gesellschaft in seine Berechnungen einzubeziehen. Der reinen ökonomischen Betrachtung des Wachstums durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als alleiniger Maßstab für Wohlstand werden weitere Komponenten zur Seite gestellt. Das sei grundsätzlich ein guter Ansatz, so der DGB Hamburg.

Allerdings greife die Studie zu kurz und weise gravierende Lücken auf. „Erwerbsarbeit spielt in der Studie keine Rolle“, kritisiert Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg. „Das gewerkschaftliche Thema Gute Arbeit, also die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, müssen stärker in den Fokus genommen werden. Da sie die Lebensqualität in Hamburg maßgeblich beeinflussen, müssen Kriterien der Guten Arbeit zur alternativen Wohlfahrtsberechnung herangezogen werden“, so Karger. Nachfolgende Studien des Wohlfahrtindexes sollten diese Aspekte unbedingt berücksichtigten.

Erwerbsarbeit sei das prägende Element unserer Gesellschaft. Wie gearbeitet werde, wie die Arbeitsteilung organisiert sei und wer von der Erwerbsarbeit ausgeschlossen sei, sage viel über den Zustand einer Stadt aus. „Es greift zu kurz, wenn Aspekte der Arbeit, wie in dieser Studie, nur über Einkommensverteilung, ehrenamtliche Tätigkeiten und Hausarbeit abgebildet werden“, bemängelt die Vorsitzende des DGB Hamburg.

Lebensqualität bemesse sich nicht nur am Lärmpegel, den Kosten von Drogenkonsum und Verkehrsunfällen oder an den Umweltschäden. Sie werde in entscheidender Weise von der alltäglichen Arbeitswelt bestimmt, etwa, ob jemand zwei oder mehr Jobs brauche, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren oder ob Überbelastung den Arbeitsalltag bestimme.

Die Ergebnisse der Studie diskutiert die Grünen-Fraktion mit Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg, und weiteren Expertinnen und Experten aus Hamburg heute um 14 Uhr auf dem Kongress „Wo steht unsere Stadt? Erster Wohlfahrtsindex für Hamburg“ in der Jugendmusikschule, Mittelweg 42.

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