Wer das liest, ist kein digitaler Outsider!

Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland leben komplett oder nahezu komplett ohne Internet. Damit sind hierzulande fast doppelt so viele Personen als „Digital Outsider“ offline als bislang angenommen. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet.

Im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) hat das SINUS-Institut insgesamt 2.047 Menschen bevölkerungsrepräsentativ in einer computergestützten Face-to-Face-Umfrage zu deren Einstellungen in Bezug auf Vertrauen und Sicherheit im Internet sowie zu deren individuellem Internet-Nutzungsverhalten befragt. DIVSI-Direktor Matthias Kammer: „Die Studie beschreibt den Zustand unserer Internet-Gesellschaft präziser, als dies jemals zuvor geschehen ist.“

Die Internet-Milieus lassen sich laut Studie zu drei Segmenten zusammenfassen:

o Digital Outsiders (39 Prozent): Sie sind entweder offline oder verunsichert im Umgang mit dem Internet. Ausgehend von 72 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren, stellt das Internet für 27 Millionen eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen.

o Digital Immigrants (20 Prozent): Sie bewegen sich regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet. Sie sind in der digitalen Welt nicht aufgewachsen und stehen vielen Entwicklungen sehr skeptisch gegenüber, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet geht.

o Digital Natives (41 Prozent): Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser – mit dem Lebensmotto „ich surfe, also bin ich“. Sie stehen dem Internet sehr positiv gegenüber und sehen die fortschreitende Digitalisierung primär als persönliche Chance.

Die Forscher sagen:
Diejenigen Personen, die mit der Verbreitung des Internets aufgewachsen sind, neigen aufgrund ihres selbstverständlichen Umgangs mit dem Medium dazu, die Gefahren und Risiken zu unterschätzen.

o Vor allem „Unbekümmerte Hedonisten“ agieren leichtsinnig und unbedacht im Internet, auch weil sie sich nur wenig um die Konsequenzen ihres Handelns Gedanken machen.

o Trotz hohen Problembewusstseins neigen „Digital Souveräne und Effizienzorientierte Performer“ dazu, die zunehmenden Gefahren und Risiken zu unterschätzen, auch bzw. gerade wegen
ihrer hohen Internet-Kompetenz.

o Bei den „Verantwortungsbedachten Etablierten und den Postmateriellen Skeptikern“ besteht ein grundsätzliches Problembewusstsein und eine damit verbundene erhöhte Risiko-Wahrnehmung.

o In der Gruppe der „Ordnungsfordernden Internet-Laien und der Internetfernen Verunsicherten“ überwiegt eine distanzierte Einstellung, bedingt durch geringe Internet-Erfahrung und somit
eine generelle Unvertrautheit mit dem Medium. Zahlreiche Internet-Dienstleistungen werden daher von diesen Gruppen nicht in Anspruch genommen.

Einige weitere Einzelergebnisse:

80 Prozent der Deutschen sind online, bei den unter 30-Jährigen sind es fast alle (98 Prozent).

Dennoch ist das Internet hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz für viele intransparent. Die Begriffe „Datensicherheit“ und „Datenschutz“ werden miteinander verwechselt bzw. wenig differenziert. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihnen Informationen fehlen, was sie selbst für den Schutz ihrer Daten tun können. Selbst ein Drittel der Onliner bekennt: „Ohne die Hilfe von Freunden und Bekannten wäre ich im Internet verloren.“

39 Prozent der deutschen Bevölkerung sind mit dem Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet überfordert und fühlen sich daher verunsichert.Die Hälfte der Bevölkerung ist überzeugt: Absolute Sicherheit im Internet kann und wird es nicht geben. Ein Drittel der Bevölkerung geht jedoch davon aus, dass dies möglich ist.

Bedeutsamer als der (allmählich versandende) „digitale Graben“ zwischen Onlinern und Offlinern sind heute die Mentalitätsgrenzen zwischen verschiedenen Nutzertypen und ihre – jeweils die Sicherheitseinstellung und das Risikoverhalten prägende – (subjektive) Internet-Souveränität.

Sicherheit ist eine Frage der Einstellung: Eine gefühlte Souveränität kann in Bezug auf die Inkaufnahme von Risiken ebenso handlungsentscheidend sein wie der Gebrauch einer Sicherheitssoftware.

Das subjektive Gefühl der Sicherheit steigt, je vertrauter man mit dem Internet ist. D. h.: Mangelnde technische Vertrautheit mit dem Internet ist häufiger ein Grund für die Vermeidung konkreter Internet-Aktivitäten als Sicherheitsbedenken.

Um eine gezielte Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema zu erreichen und festzustellen, welche Erwartungen und Vorbehalte gegenüber dem Internet bestehen, konnten sieben unterschiedliche Internet-Milieus (Einstellungs- und Verhaltenstypen) identifiziert werden – mit jeweils unterschiedlichen Lebensstilen, unterschiedlichen Zugängen zum Internet und Einstellungen zu Vertrauen und Sicherheit im Internet.

Insgesamt sehen knapp 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Verantwortung betreffend Sicherheit und Datenschutz im Internet primär bei der Wirtschaft und/oder beim Staat, der die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen soll. Diese Delegationshaltung resultiert einerseits aus Unwissenheit und Überforderung (Digital Outsiders: 39 Prozent), andererseits aus Skepsis gegenüber der Art und Weise, wie im Internet derzeit mit dem Thema umgegangen wird (Digital Immigrants: 20 Prozent).

Selbst bei denjenigen Nutzern, die sich als selbstsichere Navigatoren im Internet begreifen und explizit die Verantwortung für Ihre Internet-Aktivitäten übernehmen, besteht ein latentes Gefühl des System-Misstrauens.

Weitere Informationen dazu unter www.sinus-institut.de

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