Weniger Straftaten, aber immer mehr Opfer

Innensenator Nagel lässt sich regelmäßig für den Rückgang der Kriminalität in Hamburg bejubeln. Es lohnt, genauer hinzusehen: Straftaten, bei denen Menschen bedroht, verletzt oder getötet werden, nehmen seit Amtsantritt des Beust-Senats dramatisch zu.

Das meint die SPD zum Thema:

Trotz des Kriminalitätsrückgangs hat die Zahl der Opfer von Straftaten in Hamburg von 2001 bis 2006 um 20 Prozent zugenommen. Dies ergibt sich aus der Antwort des Senats auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion (Drs.Nr. 18/6407). „Jede Straftat weniger ist gut für unsere Stadt“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Andreas Dressel. „Das Sicherheitsempfinden der Menschen wird jedoch vor allem durch die Delikte bestimmt, von denen sie sich psychisch und physisch bedroht fühlen. Und hier zeigt sich ein dramatischer Trend.“

Der Innensenator solle nicht versuchen, die deutlich steigenden Opferzahlen zu relativieren. „Damit kann er nur Schiffbruch erleiden“, warnte Dressel. „Hinter jeder der auf unsere Anfrage vorgelegten Zahlen stehen menschliche Schicksale. Dem schwer verletzten Opfer einer Messerstecherei nützt es wenig, dass in Hamburg weniger Schwarz gefahren oder geklaut wird.“

Laut Antwort des Senats sind im Jahr 2001 rund 29.000 Menschen Opfer einer Straftat geworden, im Jahr 2006 wurden 34.320 Opfer registriert. Insbesondere Frauen werden häufiger Opfer. Hier beträgt die Zunahme von 2001 bis 2006 insgesamt 23 Prozent, bei den Männern sind es 18 Prozent. Auch Senioren wurden verstärkt Opfer von Gewalt, wenngleich hier die Zunahme nicht so stark ausfällt wie bei anderen Opfergruppen.

Bei den einzelnen Delikten ergibt sich ein differenziertes Bild: Dramatisch sehen die Zuwachsraten bei den Opfern von Körperverletzungen aus. „Selbst wenn wir die erhöhte Anzeigebereitschaft und die Aufhellung des Dunkelfeldes als Faktoren abziehen, bleibt festzustellen: Die Brutalisierung hat zugenommen – und der CDU-Senat hat hierauf noch keine Antwort gefunden“, so Dressel.

Deutlich sei auch die Zunahme der Opferzahlen bei Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung. Die Zahlen zum sexuellen Missbrauch von Kindern weisen fast zehn Prozent mehr Opfer aus als 2001 (388 gegenüber 354). Bei Kindesmisshandlung gab es 56 Opfer gegenüber 26 Opfern in 2001. Die Zahl der Vergewaltigungsopfer bleibt konstant hoch. „In diesem Bereich ist Hamburg nicht sicherer geworden“, sagte Dressel. „Es fehlt nach wie vor eine umfassende Anti-Gewalt-Strategie in Hamburg. Die Zahlen belegen, sie ist dringender denn je.“

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