Was wird aus dem Hamburger Puppentheater?

Das Hamburger Puppentheater gibt seit mehr als 60 Jahren, seit 24 Jahren residiert es in Barmbek. Nun wird über die Zukunft der Bühne diskutiert: Der Kulturausschusses der Bezirksversammlung Nord fordert, dass das Puppentheater im Haus Flachsland entweder dauerhaft bleiben soll oder aber solange die Räumlichkeiten nutzen darf, bis ein geeigneter Ersatzstandort gefunden wird.

Die Bürgerschaftsfraktionen von GAL und LINKE machen Druck. Christa Goetsch, kulturpolitische GAL-Sprecherin: „Es ist schon mehr als peinlich, dass der Senat nicht in der Lage ist, behördenübergreifend eine tragfähige Lösung für das Puppentheater zu finden, sprich das Gebäude für weitere Nutzer attraktiv zu machen. Dabei spielt die Sozialbehörde eine besonders klägliche Rolle, sie schiebt Wirtschaftlichkeit vor statt im Sinne der Kinder und unserer Stadt zu handeln. Einzig die Kulturbehörde kann diesen Unsinn jetzt beenden!“

Das Bezirksamt Hamburg-Nord gibt zum Ende des Jahres den Standort Haus der Jugend Flachsland auf. Dort ist derzeit auch Mietfrei, das Hamburger Puppentheater untergebracht. Das Gebäude fällt damit wieder zurück in den Zuständigkeitsbereich der Behörde für Arbeit und Soziales (BASFI). Unklar ist nach wie vor, welche Pläne die BASFI mit dem Gebäude hat. Sollte das Puppentheater in neue Räumlichkeiten umziehen müssen, ist auch völlig unklar, wie die zu erwartenden Mietkosten bestritten werden sollen. Die Kulturbehörde hat erklärt, dass sie diese nicht übernehmen könnte.

Aus Sicht der GAL ist es unverständlich, dass der Bezirk Nord dem Puppentheater zum 31.12.2011 die Nutzung der Räume im Haus Flachsland gekündigt hat, ohne einen geeigneten Ersatzstandort anzubieten. Nun droht zum 31.12.2011 das endgültige Aus für das ehrenamtlich betriebene Puppentheater. Das Hamburger Puppentheater ist ein wichtiger Baustein im Kinder- und Jugendkulturbereich der Stadt. Mit seinen Workshops und Kooperationen mit Schulen und Kindergärten zeichnet sich das Theater auch durch eine große pädagogische Kompetenz aus. Eine Anerkennung für die Arbeit des Hamburger Puppentheaters gab es am 22. April 2010: In einer Feierstunde prämierte die Bezirksversammlung Hamburg-Nord das Puppentheater mit dem Kulturpreis der Bezirksversammlung für das Jahr 2009.

Nach Aussagen des Bezirks erfolgt die Schließung aus finanziellen Gründen, der Senat hält hingegen das Hauses der Jugend für „am Standort nicht mehr erforderlich“, so in einer Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Norbert Hackbusch (DIE LINKE).

Darin antwortet der Senat auf die Frage nach dem Grund der Schließung des Hauses der Jungend: „Die Schließung erfolgt nicht in erster Linie zu Konsolidierungszwecken.“ Der Grund ist laut Senatsantwort vielmehr, dass „eine Kinder- und Jugendeinrichtung von der Größe des derzeitigen Hauses der Jugend Flachsland ist im Hinblick auf die Nutzungs- und Bedarfssituation am Standort nicht mehr erforderlich“ sei. Zu einer künftigen Nutzung des Hauses kann der Senat allerdings nichts sagen. Verkauft werden soll es, wie aus der kleinen Anfrage hervorgeht aber auch nicht: „Die Frage einer Veräußerung der Immobilie stellt sich gegenwärtig nicht.“

Norbert Hackbusch, kulturpolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion und Kulturausschussvorsitzender: „Der Senat kann keinen plausiblen Grund angeben, warum, eine so erfolgreiche und wertvolle Institution, wie das Hamburger Puppentheater seine angestammte Spielstätte ohne Not so kurzfristig räumen muss, ohne dass es eine adäquate Ersatzspielstätte bekommt. Das Puppentheater kann unter den gegeben Umständen keine Planungen für kommende Spielzeiten vornehmen. Der Verein Arbeitsgemeinschaft für das Puppenspiel und die vielen ehrenamtlichen HelferInnen hängen in der Luft. Warum, kann das Haus der Jugend nicht weiterhin für kulturelle Zwecke genutzt werden? Die Kulturbehörde hat die Pflicht das Puppentheater zu erhalten und so schnell wie möglich eine Lösung zu finden, damit der Verein seine Arbeit für das Jahr 2012 planen kann.“

Sollte sich tatsächlich eine Ersatzspielstätte für das Puppentheater finden, werden voraussichtlich die Mietkosten ins Gewicht fallen. Sollte damit eine Mietsteigerung anfallen, käme es darauf an, ob die aktuelle Finanzierung aus Mitteln der Kulturbehörde und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration entsprechend angehoben werden würde.

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