Was für ein Werdegang, was für eine Chefetage: „Dr. Dr. h.c. Thomas Middelhoff neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Marseille-Kliniken AG“, meldet der umstrittene Hamburger Pflegeheim-Konzern.
Middelhoff war früher als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG und der Arcandor AG (Ex-KarstadtQuelle) tätig. Auf die Arcandor-Pleite folgten für ihn juristische Auseinandersetzungen – auch dem Gründer und Hauptaktionär seines neuen Arbeitgebers, Ulrich Marseille, sind gerichtliche Verfahren nicht fremd. So ist er nach einem Bericht des „Manager Magazins“ jüngst von seinem Job als Vorstandsvorsitzender mit der Begründung zurückgetreten, dass er mehr Zeit benötige, um sich den juristischen Belangen zu widmen, mit denen er konfrontiert sei. Marseille wurde 2010 wegen Bestechung einer Krankenkassengutachterin zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. 2002 war er in Sachsen-Anhalt zum Landesvorsitzenden des dortigen Ablegers der Schill-Partei gewählt worden.
Middelhoffs Vorgänger, Uwe Bergheim, habe „aus persönlichen Gründen“ am 27.9.11 sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Marseille Kliniken AG niedergelegt, teilte das Unternehmen nun mit. Er bleibe dem Gremium als Mitglied weiter verbunden, gleichfalls als Mitglied des Finanz-und Prüfungsausschusses.
Stellvertreter Middelhoffs bleibt der frühere „Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje.
Die Marseille-Kliniken AG ist nach eigenen Angaben mit 57 Pflegeeinrichtungen, 3 Wohnanlagen für Betreutes Wohnen und rund 4.544 Mitarbeitern ein börsennotiertes Unternehmen der stationären Gesundheitsversorgung in Deutschland. „Für die ersten neun Monate des vergangenen Geschäftsjahres, das am 30. Juni endete, weist der Konzern einen Umsatz von knapp 142 Millionen Euro und ein Ergebnis von Null aus“, berichtete die Süddeutsche Zeitung.