Warnstreik bei „Pflegen & Wohnen“

Privatisierung mit Folgen: Der größte Betreiber von Pflegeheimen in Hamburg verweigert seinen Beschäftigten einen Tariflohn. Heute kam es zum Warnstreik bei „Pflegen & Wohnen“.

„Gute Pflege gibt es nur gegen guten Lohn“, sagte ver.di-Landeschef Wolfgang Rose auf der Streikkundgebung. Er forderte zu Beginn des Warnstreiks bei „Pflegen & Wohnen“ die Arbeitgeber auf, den Beschäftigten nicht länger einen Tarifvertrag zu verweigern: „Wir stehen hier nicht vor einer Frittenbude. Pflegen & Wohnen ist der größte Betreiber von Pflegeheimen in Hamburg. Deshalb sagen wir es mit diesem Warnstreik klar und deutlich: Ihr Herren aus der Chefetage, erhebt Euch aus Euren Sesseln und setzt Euch auf die gleichen Stühle, auf denen die Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaft sitzen: Kommt an den Verhandlungstisch und schließt endlich einen anständigen Tarifvertrag ab, wie es sich gehört!“

Die Geschäftsführung des privatisierten Unternehmens hat den Haustarifvertrag mit ver.di gekündigt und lehnt gleichzeitig Tarifverhandlungen ab. Die Beschäftigten sollen einen Gehaltsverzicht von mehr als 5 Prozent hinnehmen.

„Weniger Geld, weniger Wertschätzung, aber mehr Belastung – diese Rechnung kann nicht aufgehen. Gute Arbeit verlangt nach einem guten Lohn“, sagte Rose auf einer Kundgebung vor den Beschäftigten: „Es darf nicht sein, dass viele Mitarbeiter auf ihre Pausen verzichten oder Überstunden schieben, weil die Arbeit sonst kaum zu schaffen ist. Es darf nicht sein, dass man Leuten, die bis zur körperlichen Erschöpfung schuften, auch noch sagt, sie arbeiteten nicht schnell genug. Und es darf nicht sein, dass mit immer mehr Zeit- und Leiharbeitern der Druck immer weiter erhöht wird und die Pflege-Qualität immer mehr leidet. Schon jetzt gibt es in Hamburg einen Fachkräftemangel in der Pflege. Wer jetzt nicht gute Arbeitsbedingungen und angemessene Bezahlung anbietet, hat später das Nachsehen.“

Wer gegensteuern wolle, der müsse die Attraktivität und das Ansehen der Pflegeberufe erhöhen, sagte Rose: „Dazu muss die Bezahlung deutlich angehoben werden, es muss die Zwangsteilzeit beseitigt, es müssen die Personalschlüssel deutlich verbessert werden. Aufwertung der Dienstleistungsarbeit, das heißt ja auch: Aufwertung von Frauenarbeit. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn!“

Niemand habe die Vitanas GmbH & Co. KG und die Andreas Franke Unternehmensgruppe gezwungen, „Pflegen & Wohnen“ aus dem Besitz der Stadt Hamburg herauszukaufen, sagte der ver.di-Chef: „Ihr habt nicht nur Immobilien, Patienten und Kundenkarteien gekauft, Ihr habt auch die Verantwortung für 1600 Beschäftigte übernommen. Stellt Euch endlich dieser Verantwortung.“ Auch nach dem Verkauf bleibe die Stadt in der Pflicht, ihren Einfluss geltend zu machen.

Bundesweit verzeichne ver.di in der Altenpflege im ersten Halbjahr 2011 einen Mitgliederzuwachs von 5,5 Prozent, so Rose: „Das zeigt: Der Leidensdruck ist hoch, aber auch der Kampfgeist wächst. Man kann etwas bewegen und den Druck von unten verstärken, um faire Tarifverträge zu erreichen.“ Der Warnstreik sei erst der Anfang: „Wir halten hier durch. Und wenn die Chefs in ihrer Etage und auf ihren Sesseln bleiben, dann werden wir eben wiederkommen. Wir werden mehr sein und wir haben notfalls einen sehr, sehr langen Atem. Gute Pflege gibt es nur gegen guten Lohn.“

Dem Warnstreikaufruf der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) folgen heute über 300 Beschäftigte.

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