Vor 80 Jahren: Zuerst brannten die Bücher ..

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz haben der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Hamburg und der Arbeitskreis „Bücherverbrennung – nie wieder!“ am Montag den 29. April 2013 um 12 Uhr über die Aktion „Lese-Zeichen setzen gegen rechts“ informiert.

Zur Pressekonferenz lud der AStA in den Agathe-Lasch-Hörsaal der Universität Hamburg ein. Gegen das Vergessen ist dieser Ort nach der ersten Professorin der Universität Hamburg benannt. Die Jüdin Agathe Lasch wurde durch die Nazis deportiert und ermordet. Zuvor wurden vielerorts Autor*Innen verbrannt, die nicht in die braune Ideologie passten. Zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen vor 80 Jahren in Hamburg ist ab dem 10. Mai ein umfangreiches Programm vorgesehen.

Am Freitag, den 10. Mai, startet „Lesezeichen setzten gegen rechts“ mit öffentlichen Lesungen aus den 1933 verbrannten Büchern auf verschiedenen Plätzen in der Hamburger Innenstadt. Lesen werden Harry Rowohlt, Thomas Ebermann, Klaus Robra, Wolfgang Rose u.v.a.m.. Auch in Glinde und Bergedorf wird zu diesem Anlass gelesen. Der AStA setzt mit engagierten Studierenden von 11 bis 17 Uhr „Lese-Zeichen“ am Von-Melle-Park und informiert über die braune Vergangenheit der Universität Hamburg.

Moritz Krauß, Referent für Öffentlichkeit im AStA dazu: „Wir sind uns der historischen Verantwortung bewusst. Unsere Aufgabe muss es sein, dass so etwas nicht wieder geschieht. Viele Studierende der Universität Hamburg engagieren sich daher bundesweit gegen rechtes Gedankengut und machen Neonazis keinen Platz, wenn sie heute irgendwo marschieren wollen. Ob in Hamburg, Dresden, Frankfurt oder Berlin – antifaschistisches Engagement ist extrem notwendig, auch am ersten Mai!“

An einer Universität, an der bspw. ein Gründer der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ eine Professur (Makroökonomie) innehält, häufig immer noch unreflektiert rassistische und sexistische Lehrinhalte vermittelt werden und in unmittelbarer Nähe die rechtskonservative Burschenschaft Germania zu Königsberg ein Haus besitzt und ihre Mitglieder auf dem Campus Nachwuchs zu werben versuchen, bleibt noch viel zu tun.

Am Mittwoch, den 15. Mai 2013 findet dann von 11 – 18 Uhr die 13. Marathonlesung aus den verbrannten Büchern am Ort der Bücherverbrennung statt. Eröffnen werden 80 Jahre nach der Verbrennung Esther Bejarano (Vorsitzende des Auschwitz-Komitees) und Rolf Becker.

Bei der Pressekonferenz waren neben dem AStA und dem Arbeitskreis „Bücherverbrennung – nie wieder!“ vertreten:

Steffi Wittenberg, Leserin, überlebte als jüdisches Kind aus Hamburg im uruguayischen Exil. Sie betonte das Wissen um die Gefahr und die Angst die mit der Machtübernahme durch die Nazis verbunden waren. Steffi Wittenberg erinnerte an das antifaschistische Engagement derer, die in Südamerika Exil fanden und von dort aus unermüdlich weiter gegen Hitler und das Naziregime kämpften.

Wolfgang Rose, Unterstützer, eh. Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di Hamburg, Vorsitzender des Kulturvereins Be 60: „Wir müssen aus der Erinnerung lernen, damit aus Gedenktagen Alltage werden. Aus der historischen Verantwortung der Gewerkschaften folgt die notwendige Wertschätzung und Würdigung der Zeitzeug*Innen. Der Kampf gegen die neonazistischen Umtriebe in unserer Stadt, die alltägliche aktive antifaschistische Arbeit und nicht zuletzt der Kampf um soziale Gerechtigkeit und Demokratie stehen für uns im Mittelpunkt.“

Thomas Ebermann von der Vers- und Kaderschmiede warb für die szenische Lesung „Väterverabschiedung“ von Simone Regina Adams. Im Rahmen von „Lese-Zeichen setzen gegen rechts“ wird „Väterverabschiedung“ am 27. Mai 2012 um 20 Uhr im Theater Polittbüro welturaufgeführt: „Er wurde Arzt, als kein jüdischer Arzt mehr praktizieren durfte. Er lernte sein Handwerk, als Menschen zu Material für medizinische Experimente werden.“ Mit dabei sind Gilla Cremer, Anette Uhlen, Henning Venske und Michael Weber.

Wilfried Weinke, Literaturwissenschaftler und Historiker präsentierte das Konzept der Ausstellung „Wo man Bücher verbrennt…“, die am 14. Mai 2013 im Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek eröffnet wird. Die Ausstellung befasst sich mit den verbrannten Büchern, verbannten und ermordeten Autor*Innen Hamburgs und steht unter der Schirmherrschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland.

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