Vielen Schülern gelingt der Berufseinstieg

Schulsenator Ties Rabe zieht eine positive Zwischenbilanz: Die Reform der beruflichen Bildung sei in Hamburg auf einem guten Weg: „Wir achten sorgfältiger darauf, dass kein Schüler beim Übergang von der Schule zur Berufsschule verloren geht.“

„Unser Ziel ist es, bildungsbenachteiligten Jugendlichen den Weg in die Berufsausbildung zu erleichtern und allen Auszubildenden höhere Bildungsabschlüsse zu ermöglichen. Diesem Ziel sind wir einen deutlichen Schritt näher gekommen. Wir ersetzen bisherige Warteschleifen in den Berufsschulen durch neue Bildungsangebote, die eng mit den Betrieben verzahnt sind und den direkten Weg in den Beruf ebnen. Wir achten sorgfältiger darauf, dass kein Schüler beim Übergang von der Schule zur Berufsschule verloren geht. Und wir haben leistungsstarken Berufsschülern die Möglichkeit eröffnet, bereits während der Berufsausbildung die Fachhochschulreife zu erwerben“, so der Schulsenator.

Anlässlich der Präsentation des Jahresberichtes 2010 des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB) legte Rabe erste Zahlen für die zum 1. August 2011 in Hamburg umgesetzten Reformmaßnahmen an den berufsbildenden Schulen vor.

Die neue Ausbildungsvorbereitung (AV) eröffnet Jugendlichen ohne Ausbildungsreife und Ausbildungsvertrag durch eine Kombination von Schule und praktischer Arbeit im Betrieb einen Weg in die duale Ausbildung. Die Modellprojekte an zwei berufsbildenden Schulen im Schuljahr 2010/11 weisen mehr als doppelt so hohe Erfolgsquoten aus wie frühere Maßnahmen: 44 Prozent bzw. 40 Prozent der Teilnehmenden gelang binnen einen Jahres der Übergang in die duale Ausbildung. Seit dem 1. August 2011 nutzen deshalb jetzt 2.073 Jugendliche an 20 berufsbildenden Schulen entsprechende Angebote.

Erstmals wurde durch Übergabegespräche zwischen Stadtteil- und Berufsschulen sichergestellt, dass alle schulpflichtigen Abgänger der Stadtteilschulen ohne Ausbildungsreife in die AV aufgenommen werden konnten. AV-Begleiter beraten und unterstützen die Jugendlichen. Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen sind erfreulich: 72 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben einen betrieblichen Praktikumsplatz, 88 Jugendliche haben schon jetzt einen Ausbildungsplatz erhalten, davon 17 einen geförderten. Die neuen Maßnahmen werden vom Europäischen Sozialfonds (ESF) im Umfang von rund neun Millionen Euro gefördert. Ties Rabe: „Besonders zu begrüßen ist die außerordentlich hohe Bereitschaft der Hamburger Betriebe, sich als Partner in der Ausbildungsvorbereitung zu beteiligen.“

Die Möglichkeit zum Erwerb höherer Schulabschlüsse ist ein weiterer Bestandteil der Reform: Bisher war der Erwerb der Fachhochschulreife erst im Anschluss an die duale Ausbildung möglich. Ab dem Schuljahr 2011/12 kann in Hamburg die Fachhochschulreife schon parallel zur dualen Berufsausbildung erworben werden. Schüler mit einem guten mittleren Schulabschluss und einer mindestens dreijährigen Ausbildungsdauer erhalten dazu zusätzlich insgesamt 600 Unterrichtsstunden. Ties Rabe: „Dies macht die duale Ausbildung noch attraktiver und erschließt für die Jugendlichen weitergehende Berufsperspektiven.“

Im vergangenen Jahr nahmen an vier Schulen 78 Auszubildende das Angebot wahr. In diesem Schuljahr sind es voraussichtlich 451 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an 17 Schulen. In den Bildungsgängen der berufsbildenden Schulen erwarben im Schuljahr 2010/11 insgesamt rund 2.460 Schülerinnen und Schüler die Hochschulzugangsberechtigung.

Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg: „Die Wirtschaft braucht leistungsstarke und motivierte Auszubildende, um ihren Fachkräftebedarf zu decken. Deshalb begrüßen wir es sehr, dass gute Realschulabsolventen zukünftig parallel zur dualen Berufsausbildung die Fachhochschulreife erwerben können. Das Modell ´Dual plus Fachhochschulreife´ führt somit die Wünsche der Betriebe und der Jugendlichen in idealer Weise zusammen.“

Für schulpflichtige Jugendliche, die trotz Ausbildungsreife keinen dualen Ausbildungsplatz gefunden haben, ist das „Hamburger Ausbildungsmodell“ mit der Berufsqualifizierung (BQ) konzipiert worden: Die Schüler beginnen ihre Berufsausbildung in einer Berufsschule. Dort wird ihnen innerhalb des ersten Jahres der Weg in eine duale Berufsausbildung geebnet. Ihre bis dahin geleistete Ausbildung wird möglichst angerechnet. Wer nach einem Jahr keinen Ausbildungsplatz in einem Betrieb gefunden hat, wechselt in eine trägergestützte Berufsausbildung mit einem regulären Kammerabschluss.

Die BQ wurde ab August 2010 an zwei Schulen erprobt. Zum Ende des Probehalbjahres (Ende Januar 2011) waren von 31 Jugendlichen noch 14 Jugendliche in der Berufsqualifizierung, von denen acht in eine duale Berufsausbildung und sechs in eine trägergestützte Ausbildung übergingen. Die anderen Teilnehmer wechselten schon während des Probehalbjahrs in eine duale Berufsausbildung, andere Maßnahmen oder Bildungsgänge. Im Schuljahr 2011/12 nutzen 104 Teilnehmer das neue Angebot.

Zurzeit befinden sich 55.903 Schülerinnen und Schüler in den staatlichen Hamburger berufsbildenden Schulen, davon 37.578 mit einem betrieblichen Ausbildungsvertrag. Die Zahl der Anfänger in der dualen Ausbildung 2011 ist mit 14.375 Ausbildungsverträgen auf einem erfreulich hohen Niveau. Die Ausbildungsplätze in der Altenpflege steigen gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent. Im Schuljahr 2011/2012 begannen 510 Schülerinnen und Schüler ihre Altenpflegeausbildung. 2011/12 sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in teilqualifizierenden Berufsfachschulen (ohne Höhere Handelsschule) um über 15 Prozent auf ca. 2.700 (Stand: vorläufige Herbststatistik).

Vier Jahre nach seiner Gründung als Landesbetrieb ist das Hamburger Institut für Berufliche Bildung auf einem guten Weg. „Auch die eineinhalbjährige externe Evaluation des HIBB durch die Prognos AG und die Schlussbilanz des Landesbetriebs für 2010 sind für uns sehr positiv ausgefallen,“ so Rainer Schulz, Geschäftsführer des HIBB.

Der HIBB-Jahresbericht 2010 steht unter www.hibb.hamburg.de online.

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