Ute Scheub liest aus „Das falsche Leben“

Von fernen, lieblosen Vätern:
Ute Scheub liest aus „Das falsche Leben“ – Eine Vatersuche –

23. Oktober 08, Donnerstag, 20.00 Uhr
Literaturhaus, Schwanenwik 38

Stuttgart 1969: Bei einer Lesung von Günter Grass auf dem Evangelischen Kirchentag steht ein Mann auf und ruft ‚Ich grüße meine Kameraden von der SS’, setzt eine Flasche Zyankali an die Lippen und trinkt. „Der Tod trat auf dem Weg ins Robert-Bosch-Krankenhaus ein“, notiert Günter Grass, der diesen Mann in „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“ porträtiert hat. 35 Jahre später begibt sich seine Tochter auf Spurensuche, sie stößt auf Manfred Augsts Abschiedsbriefe, die Manuskripte und die Feldpostbriefe ihres Vaters.

Wie viele jener Männergeneration, die Nachkriegsdeutschland geprägt hat, konnte Manfred Augst nicht über seine Erlebnisse im Krieg reden, schon gar nicht mit seinen Kindern. „Die große Kunst von Scheubs Buch ist, dass sie beides erzählt. Die persönliche Geschichte, den lebenslangen Kampf gegen den Vaterschatten, das Verdrängen zunächst, das unbedingte Andersseinwollen …“ (Frankfurter Allgem. Sonntagszeitung). Vor ihr entrollte sich nicht nur ‚Das falsche Leben’ des gefühlsverkrüppelten Vaters, sondern auch der Faden ihres eigenen, insgeheim an ihn geketteten Schicksals.“ (Süddeutsche Zeitung). „… wenn Scheub exemplarisch am Umfeld des Vaters die Kontinuität der braunen Seilschaften auch in der BRD herausarbeitet, wenn sie die zerstörerische Wirkung des reuelos falschen Lebens in der Familie beschreibt, die die heutigen Generationen immer noch beeinflusst, dann bekommt ihre ganz persönliche Vatersuche … jene öffentliche Relevanz, die Manfred Augst mit seinem theatralischen Abgang vergeblich ersehnt hatte.“ (Frankfurter Rundschau). „Der Autorin gelingt der Balanceakt zwischen kühler Diagnostik des väterlichen Charakters und mitfühlender Erkenntnis in die seelische Verkümmerung dieses Mannes, die sie in die Lage versetzt, die Anstöße seines Handelns zu erkennen …“ (Süddeutsche Zeitung).

Ute Scheub, geb. 1955 in Tübingen, Studium der Politologie, Germanistik und Publizistik an der FU Berlin. Seit 1997 freie Journalistin und Publizistin, Arbeit u. a. für den Tagesspiegel, die Frankfurter Rundschau, Süddeutsche, den Freitag. Sie ist Mitbegründerin der TAZ. 1992 wurde sie mit dem Ingeborg Drewitz-Preis der Humanistischen Union Berlin ausgezeichnet. Publikationen (Auswahl): „Krawalle und Liebe“, „Alte Bekannte“, „Zwischen Prunk und Stunk“, „Verrückt nach Leben“, „Friedenstreiberinnen“. Von 1986-89 war sie Gerichtsreporterin und Redakteurin bei der TAZ Hamburg. 1991: Mitbegründerin der Frauenaktion Scheherazade. 2003 Gründung des deutschen Frauensicherheitsrates.

Moderation: Monika Jetter – angefragt

Euro 7,-/erm.4,-

*

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.