Hatte SPD-Stadtplanungsexperte Jan Quast noch „Licht und Schatten“ bei der Senats-Vorstellung „Monitor: Wachsende Stadt“ entdeckt, fällt der Kommentar von Dr. Willfried Maier, haushaltspolitischer Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion, eindeutig aus: „Die Talentstadt Hamburg ist in schlechten Händen.“
Die Vorstellung des Monitors Wachsende Stadt kommentiert Maier so: „Die Talentstadt Hamburg ist bei von Beust und Dräger in schlechten Händen. Zwar steigt die Zahl der Containerumschläge unaufhaltsam, aber bei der Ausbildung von Talenten fällt Hamburg seit der CDU-Regierung im Jahr 2001 kontinuierlich zurück: Die Zahl der in Forschung und Entwicklung Tätigen ist in Hamburg gegen den Bundestrend rückläufig. Hamburg hat nicht einmal halb so viel Studienabsolventen wie Berlin und deutlich weniger Absolventen als kleinere Städte wie München oder Köln. Dafür studieren sie in Hamburg aber länger. Die Drittmitteleinwerbung der Hochschulen liegt unter dem Bundesschnitt. Und was die Anziehungskraft auf Bildungsausländerinnen angeht, belegt Hamburg im Vergleich von sieben Städten den letzten Platz.“
Einige Entwicklungen:
– Beim Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung ist Hamburg seit Drägers Amtsantritt vom 8. auf den 10. Platz abgerutscht und liegt damit weit unterhalb des Bundesschnitts.
– Der Zuwachs bei den Hochschulabsolventen liegt unter dem Bundesschnitt. Auch die absoluten Zahlen sind dramatisch: Berlin hat 20.000 Absolventen, Hamburg liegt mit seinen 8.800 Absolventen noch hinter kleineren Städten wie München oder Köln (ca. 10.000)
– Einen Spitzenplatz belegt Hamburg bei der Anzahl der Fachsemester bis zum ersten Abschluss im Bundes- und im westdeutschen Vergleich. Der Städtevergleich fällt noch dramatischer aus: hier scheint sich Hamburg bis zum Jahr 2006 einen Spitzenplatz erarbeitet zu haben.
– Bei der Drittmitteleinwerbung für Hochschulen zeigt sich ein leichter Aufwärtstrend für Hamburg. Im Bundesvergleich bleibt Hamburg deutlich unterdurchschnittlich, Städte wie Stuttgart, München und neuerdings auch Frankfurt sind uneinholbar.
– Beim Anteil der Bildungsausländer/innen lag Hamburg im Jahr 2001 immerhin noch auf Platz 4 von 7 Städten. Heute steht die Stadt an letzter Stelle.
– Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Hamburg über dem westdeutschen Schnitt. Auch hier hat sich die Situation mit dem Regierungswechsel verschlechtert. 2001 lag die Quote noch bei 8,5 Prozent, heute bei 10,1 Prozent.
– Im Vergleich von sieben Städten behauptet Hamburg mit nun 11.5 Prozent seinen traurigen Spitzenplatz bei der Quote der Schulabgänger/innen ohne Hauptschulabschluss. Der Anteil ausländischer Schulabgängerinnen ohne Abschluss stagniert auf hohem Niveau, während sie zum Beispiel in Berlin kontinuierlich sinkt.
– Der Anteil ausländischer Jugendlicher an der dualen Ausbildung ist dramatisch gesunken. Waren es 2001 noch 8 Prozent, sind es 2006 nur noch 6,3 Prozent.
– Die Frauenerwerbsquote ist im Bundesvergleich überdurchschnittlich. Allerdings ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen im Bundesvergleich unterdurchschnittlich und lediglich Mittelmaß im Städtevergleich.
Maier: „Das beste Marketing kann substanzielle Verbesserungen nicht ersetzen.“