Straßenverkehr: Mehr Tote, mehr Verletzte

Die Zahl der Verkehrstoten in Hamburg hat sich innerhalb eines Jahres von 22 auf 34 erhöht. Insgesamt verunglückten fast 10.000 Menschen – eine Zunahme um 6,4 Prozent. Der Bundesverkehrsminister interpretiert die Unfallzahlen auf seine Art.

Bundesweit starben 3 991 Menschen im Jahr 2011 auf deutschen Straßen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren dies 343 Getötete oder 9,4 % mehr als im Jahr 2010. Damit ist die Zahl der Todesopfer im Jahr 2011 noch stärker als erwartet gestiegen. Erste Schätzungen von Dezember 2011 waren von + 7 % ausgegangen. Die Zahl der Personen, die schwer oder leicht verletzt wurden, erhöhte sich 2011 gegenüber dem Vorjahr um 5,5 % auf etwa 391 500.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) macht das schnellere Fahren infolge des milden Wetters für den steigenden Unfalltrend verantwortlich. Kürzlich warnte er Fußgänger vor der Nutzung von Kopfhörern im Straßenverkehr: „Mit lauter Musik oder dem Handy in den Ohren schlafwandeln sie über Straßen und Bahnsteige.“ Autos und Bahnen würden so überhört.

Die Gesamtzahl der polizeilich aufgenommenen Unfälle nahm im vergangenen Jahr jedoch ab und lag bei rund 2,3 Millionen (– 2,8 %). Dieser Rückgang ist auf Unfälle mit ausschließlich Sachschaden zurückzuführen, die um 4,0 % auf 2,0 Millionen zurückgingen. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden stieg dagegen um 6,0 % auf rund 305 700 an.
Ein wesentlicher Grund für die negative Entwicklung bei den Verunglückten im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr sind die Witterungsbedingungen: Relativ milde Wintermonate, ein sehr warmer, trockener Frühling und ein vergleichsweise schöner Herbst haben zu mehr Getöteten und Verletzten geführt. Bei günstigen Witterungsbedingungen wird mehr und häufig schneller gefahren. Zudem sind mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Zweiradfahrer unterwegs. Dadurch steigt die Schwere der Unfälle.
In zwölf Bundesländern gab es im Jahr 2011 mehr Straßenverkehrstote als im Vorjahr. Die prozentual stärkste Zunahme hatte Hamburg (+ 54,5 % oder 12 Personen), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (+ 32,4 % oder 35 Personen) und Thüringen (+ 25,0 % oder 30 Personen). Nur in Rheinland-Pfalz (– 6,3 % oder 13 Personen), Baden-Württemberg (– 3,0 % oder 15 Personen), Brandenburg (– 2,6 % oder 5 Personen) und im Saarland (– 2,4 % oder 1 Person) gab es weniger tödlich verletzte Verkehrsteilnehmer zu beklagen.
Gemessen an der Einwohnerzahl war das Risiko im Straßenverkehr zu sterben in Mecklenburg-Vorpommern mit 87 Todesopfern je eine Million Einwohner am größten. Aber auch Sachsen-Anhalt (78) und Brandenburg (75) hatten wesentlich höhere Werte als der Bundesdurchschnitt, der im Jahr 2011 bei 49 Getöteten je eine Million Einwohner lag.
Der Dezember 2011 hat die negative Entwicklung der Getötetenzahl im vergangenen Jahr deutlich verstärkt. Nach vorläufigen Ergebnissen kamen in diesem Monat 364 Menschen im Straßenverkehr ums Leben und damit mehr als doppelt so viele wie im Dezember 2010 (181). Dies war der höchste Wert in einem Dezember seit 2007. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich im Dezember 2011 ebenfalls sehr stark, und zwar um 35,4 % auf rund 31 400.
Die sehr hohen Veränderungsraten von Dezember 2011 zu Dezember 2010 sind zum Teil darauf zurückzuführen, dass im Dezember 2010 durch den starken Wintereinbruch besonders wenig Menschen bei Straßenverkehrsunfällen getötet oder verletzt wurden.
Insgesamt erfasste die Polizei im Dezember 2011 aber wiederum weniger Unfälle als ein Jahr zuvor (– 12,9 % auf 216 000 Unfälle). Während die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 38,9 % auf etwa 24 300 zunahm, verringerte sich die Zahl der Unfälle mit ausschließlich Sachschaden um 16,9 % auf 191 600.

Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion, sagt dazu: „Dieser starke Anstieg binnen eines Jahres ist erschreckend. Wir müssen jetzt genau untersuchen, welche Ursachen diese Bilanz hat und warum gerade Hamburg bundesweite die traurigste Entwicklung verzeichnet.

Eine aktuelle Studie des ADAC gibt einen Hinweis auf eine mögliche Ursache: Die Untersuchung des Automobilclubs hatte ergeben, dass die Zahl der Rotsünden an Hamburger Ampeln sich binnen vier Jahren verdoppelt hat. Rotlichtverstöße führen schnell zu sehr schweren Unfällen und sind deshalb alles andere als Kavaliersdelikte. Hier muss die Stadt mit scharfen Kontrollen und konsequenten Strafen durchgreifen. Auch Tempolimits an unfallträchtigen Stellen im Stadtgebiet können die Gefahr bannen.“

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