Statistik-Ente: Rechnen musst‘ können………

Ferienzeit, Sommerloch: Auf hh-heute.de steht dann einfach weniger. Da sich Zeitungen dies nicht leisten können, produzieren sie große Sommergeschichten. Das Abendblatt versucht sich dieser Tage an großen Karten und tiefschürfenden Erklärungsversuchen. Allerdings mit mäßigem Erfolg: Weil einfach kritiklos abgeschrieben wurde, was das Statistikamt Nord veröffentlichte, produzierte das Abendblatt die dickste Statistik-Ente der letzten Jahre – an zwei Tagen, auf (fast) zwei ganzen Seiten.

Das Statistikamt Nord veröffenlichte seine Zahlen zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Hamburg. Erfreulich: Wie im gesamten Bundesgebiet, so ist sie auch in Hamburg zurückgegangen. Fast überall – nur nicht in Rothenburgsort; dort verzeichnet die veröffentlichte Statistik einen dramatischen Anstieg um weitere drei auf 15,8 Prozent. Und, erstaunlich: Im benachbarten Stadtteil Veddel scheint es ebenso dramatisch nach oben gegangen zu sein – nur noch 5,8 statt bisher 12,9 % Arbeitslose werden verzeichnet.

Das Abendblatt brachte die Geschichte riesengroß, legte Sonnabend sogar noch einmal nach: Auf einer ganzen Seite wird geschildert, wie erfolgreich die Senatspolitik die Veddel nach vorn gebracht hat. Erstaunlich nur, so die Autorin, dass die Rothenburgsorter offenbar so wenig unter ihrer desaströsen Situation leiden.

Erstaunlich? Mitnichten, stellt die Rothenburgsorter Bürgerschaftsabgeordnete Carola Veit (SPD) fest. Die Veröffentlichung der Statistiker ist schlichtweg falsch. Die Arbeitslosigkeit in Rothenburgsort ist nicht gestiegen, sondern gesunken – wie überall in Hamburg. Und auf der Veddel gibt es keine Veränderung – die Arbeitslosenquote blieb die gleiche. Eine einfache Dreisatz-Rechnung brachte die Fehler zu Tage.

Inzwischen und nach Rückspache mit dem Statistikamt ist auch klar, was die Ursache für die fehlerhafte Veröffentlichung ist: Bei der Eingabe der Bevölkerungszahl wurde die (viel kleinere) Veddel mit Rothenburgsort vertauscht. Die annähernd gleich gebliebene absolute Arbeitslosenzahl in beiden Stadtteilen wurde so in einem Fall auf eine viel kleinere, im anderen auf eine viel größere „Kopfzahl“ verteilt. Das ergab natürlich prozentual gesehen dramatische Veränderungen.

Carola Veit: „Dass Zahlen vertauscht werden, kann passieren. Dass es vor der Veröffentlichung niemand merkt, ist bedauerlich. Erstaunlich finde ich, dass das Statistikamt selbst in seinem Begleittext auf die dramatische Veränderung hinweist, aber offenbar keinen Anlass sieht, die Situation noch einmal zu prüfen. Und natürlich ist es sehr schade, dass Hamburgs größte Zeitung dies einfach abschreibt. Auch dort hätte man schließlich merken können, dass etwas nicht stimmt, wenn die absolute Zahl der Arbeitslosen in Rothenburgsort zurückgeht, zugleich aber die Quote dramatisch steigt.“

Die Rothenburgsorterinnen und Rothenburgsorter jedenfalls haben erst einmal stadtweit ihr ohnehin schlechtes Ansehen bestätigt bekommen: Man darf gespannt sein, ob das Abendblatt ähnlich großflächige Wiedergutmachung betreibt.

Gemessen an dem, was weltweit Millionen von Kindern erdulden mussten, ist die Statistikpanne allerdings relativ undramatisch, da sie ja auch keine weiteren Folgen hat:

100 Gramm Spinat enthält lediglich 3,5 mg Eisen und nicht wie früher angenommen 35 mg. Der zwar richtig berechnet Wert von 35 mg Eisen auf 100 g durch den Schweizer Physiologen Gustav von Bunge bezog sich auf getrockneten Spinat, wurde aber versehentlich frischem Spinat zugeordnet, der zu 90 Prozent aus Wasser besteht. Die Folge: Jahrzehntelang wurden Millionen von Kindern gezwungen, Spinat zu essen – auch wenn sie ihn in Wahrheit hassten.

1 Gedanke zu „Statistik-Ente: Rechnen musst‘ können………“

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.