Zwar ist im März die Zahl der Erwerbslosen in Hamburg im Vergleich zum Februar dieses Jahres leicht gesunken, dennoch ist sie im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent gestiegen. 75.828 Hamburger suchen dringend eine Arbeit, darunter sind 36.770 gut ausgebildete Fachkräfte. Gleichzeit meldet die Hamburger Agentur für Arbeit im März einen Anstieg offener Stellen im Vergleich zum Vormonat: Fast 13.000 Jobs lassen die Unternehmen zurzeit unbesetzt – und dies bei steigendem Wirtschaftswachstum.
Der DGB Hamburg kritisiert die verhaltene Einstellungsbereitschaft und die überzogenen Erwartungen der Unternehmen. „Offenbar lassen sich die Arbeitgeber derzeit dreimal bitten, bis sie jemanden einstellen“, sagt Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg. „Die Arbeitgeber zögern die Einstellung hinaus und die Gewerkschaften fragen sich, worauf die Unternehmen wohl warten“, so Karger.
Der DGB Hamburg kritisiert darüber hinaus die Rede von den „nicht passgenauen Bewerbern“. Die Unternehmer sollten nicht mit dem Finger auf alle anderen zeigen, sondern selber zur Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt beitragen. „Statt sich Spitzenpersonal auf dem Silbertablett servieren zu lassen, sollten Arbeitgeber Beschäftigte aus- und fortbilden“, sagt Karger. Arbeitgeber zögen sich aus der Verantwortung, während Beschäftigte und Staat sich bemühten, diesen übersteigerten Erwartungen zu genügen. Die Kosten dafür würden auf die Gemeinschaft abgewälzt. Damit müsse Schluss sein, so Karger.
Die hohe Zahl der offenen Stellen bedeute darüber hinaus, dass die Arbeit zurzeit mit dem vorhandenen Personal gestemmt werde. „Die Beschäftigten ackern für zwei. Und zwar von den Arbeitgebern kalkuliert. Damit haben wir einen der Gründe für die überdurchschnittlich vielen Krankheitstage, die Überbelastung und der bleibend hohen Überstundenzahlen in Hamburg“, sagt Karger. Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen belegten, zu wessen Lasten diese Vorgehensweise der Arbeitgeber geschehe: „Zum einen kommen die vielen Erwerbslosen nicht zum Zuge, obwohl Arbeit vorhanden wäre. Zum anderen müssen die Sozialversicherten und Steuerzahler in dieser Stadt das Sparprogramm der Arbeitgeber über das Arbeitslosengeld I und II indirekt mitfinanzieren“, sagt Karger.