Nur circa jede dritte Schnellbahnhaltestelle in Hamburg ist bisher barrierefrei
erreichbar, der Umbau von Haltestellen geht nur zögerlich voran. Dies will die
SPD-Fraktion nun ändern. In einem Antrag an die Bürgerschaft fordert sie den
Senat auf, bis zur Internationalen Bauausstellung im Jahr 2013 die Zahl der
barrierefreien Haltestellen zu verdoppeln und damit Behinderten und Eltern mit
Kinderwagen den Zugang zu diesen Haltestellen zu erleichtern. „Der Umbau der
Haltestellen geht viel zu schleppend voran. Würde das bisherige Tempo
beibehalten, dauert es noch über 30 Jahre, bis alle Hamburger Haltestellen
barrierefrei sind“, sagte der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Fraktion,
Jan Quast.
Bisher sind erst 57 der insgesamt 146 Schnellbahnhaltestellen von U-, S- und
Regionalbahn sowie der AKN auf Hamburger Staatsgebiet vollständig barrierefrei
erreichbar. Zuletzt hatte der Senat im Februar 2003 Prioritätenempfehlungen zum
barrierenfreien Umbau von Schnellbahnhaltestellen vorgelegt. Von den 20
Schnellbahnhaltestellen, die damals in die Prioritätenempfehlungen aufgenommen
worden waren, sind bislang nur zwei endgültig barrierefrei umgebaut worden
(Hauptbahnhof Nord, Volksdorf).
Für eine Haltestelle wird der Baubeginn im Jahr 2007 angestrebt (Othmarschen),
für mittlerweile vier Haltestellen in 2008 (Horner Rennbahn, Poppenbüttel,
Veddel, Hasselbrook), für eine weitere in 2009/2010 (Berliner Tor). Im Falle der
S-Bahn-Haltestelle Landungsbrücken soll im Jahr 2008 mit den Planungen begonnen
werden. Bei der Haltestelle Kellinghusenstraße soll in 2007/2008 lediglich der
Bahnsteig angehoben und Blindenleitstreifen eingebaut werden. Für elf der 2003
als prioritär umzubauenden Haltestellen waren Mitte April 2007 noch überhaupt
keine Aussagen zu Planungs- oder Baubeginn möglich (vgl. Drs. 18/6039).
Die SPD verweist auf andere Großstädte, die mit dem barrierefreien Umbau von
Haltestellen weiter vorangekommen sind als Hamburg. In München sind 88 von 89
U-Bahn-Stationen barrierefrei erreichbar, in Berlin fast 80 Prozent der
S-Bahnhöfe: „Hamburg muss sich daran ein Beispiel nehmen und beim barrierefreien
Umbau der Schnellbahnhaltestellen an die Spitze aufschließen. Ziel muss es sein,
bis zur Internationalen Bauausstellung im Jahre 2013 die Anzahl der
barrierefreien Schnellbahnhaltestellen zu verdoppeln“, forderte Dirk Kienscherf,
sozialpolitischer Sprecher der Fraktion. Dazu sollen 2007 und 2008 zumindest die
im Prioritätenprogramm schon vorgesehenen Haltestellen mit Aufzügen ausgestattet
werden und ab 2009 jährlich mindestens zehn weitere Haltestellen folgen.
Die SPD-Fraktion geht aufgrund der Erfahrungen mit bisherigen Umbauten von
Kosten von durchschnittlich einer bis 1,5 Millionen Euro pro Haltestelle aus.
Zur Finanzierung der Umbaumaßnahmen wollen die Sozialdemokraten das
Sonderinvestitionsprogramm heranziehen. Zudem spart die Stadt im Rahmen der
Vertragsverlängerung mit der S-Bahn Hamburg GmbH von 2009 bis 2017 gegenüber
einer Fortschreibung der bisherigen Kosten über 70 Millionen Euro. „Diese Summe
soll weiterhin den Kunden des ÖPNV zugute kommen und ab 2009 zusätzlich zum
barrierefreien Ausbau von Schnellbahnhaltestellen eingesetzt werden“, schlug
Quast vor.