Mehrere Anti-Atom-Initiativen aus Norddeutschland rufen für Sonntag, 14 Uhr, zu einer Kundgebung vor dem Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg auf. Nach dem Brand im AKW fordern die Atomkraftgegner die Stilllegung des Altreaktors.
„Das Feuer war nur 50 Meter vom Reaktorkern entfernt. Hätte es an anderer Stelle gebrannt, so wäre die Situation möglicherweise nicht mehr zu kontrollieren gewesen“, so Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer. „Wir sind nicht bereit, darauf zu warten, bis uns das Restrisiko den Rest gibt.“
Skeptisch macht die Atomkraftgegner auch die Informationspolitik des Betreibers Vattenfall. Der Energiekonzern hatte am Donnerstag behauptet, die Vorgänge in Krümmel hätten nichts mit der Schnellabschaltung in Brunsbüttel zu tun. Inzwischen musste Vattenfall einräumen, dass ein Zusammenhang nicht auszuschließen ist. Eine Falschmeldung war es auch, dass das Feuer bereits Donnerstagnachmittag gelöscht worden sei. Noch am Freitag hatte die Feuerwehr nicht alle Brandherde unter Kontrolle.
„Vattenfall lügt und trickst wie immer. Auf die Aussagen derer, die sich mit der gefährlichen Atomkraft eine goldene Nase verdienen, ist einfach kein Verlass“, so Jan Becker von der Umweltgruppe contratom.
Mit den Schnellabschaltungen in Brunsbüttel und Krümmel sind derzeit fünf der 17 deutschen AKW vom Netz, da Biblis A und B und ein Block in Gundremmingen wegen Reparaturen ebenfalls abgeschaltet sind. „Ohne Atomkraft gehen die Lichter nicht aus. Es gibt genug Überkapazitäten“, stellt Dirk Seifert, Energiereferent der Umweltschutzorganisation Robin Wood fest.
Mit Blick auf den bevorstehenden Energie-Gipfel am kommen Dienstag in Berlin betont Seifert: „Die Forderungen der AKW-Betreiber nach Laufzeitverlängerungen für die Altreaktoren sind überflüssig und ein gefährliches Spiel mit dem Feuer“.