Sinkende Zahlen an Ausbildungsplätzen

Sie schreiben Bewerbungen, sind hochmotiviert und möchten einen Beruf erlernen: Über 7.700 junge Menschen aus Hamburg haben sich seit Oktober letzten Jahres um einen Ausbildungsplatz bemüht. „Doch die Zahl der unversorgten Bewerber klettert weiter in die Höhe“, sagt Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen in Hamburg ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken – um fast 10 Prozent. Boten Unternehmen im Mai 2013 noch 9.538 betriebliche Ausbildungsplätze an, so ist die Zahl in diesem Mai auf 8.612 gefallen.

Gleichzeitig ist die Zahl der gemeldeten Bewerber im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gestiegen. Auf 100 unvermittelte ausbildungsinteressierte Jugendliche kommen heute nur 69 unbesetzte Stellen, im Mai vor vier Jahren waren es noch 90.

Auch wenn die neuen Zahlen zum Teil auf eine bessere Dokumentation durch die Jugendberufsagentur zurückgehen: Der absolut deutliche Rückgang der gemeldeten Ausbildungsplätze sei besorgniserregend, so der DGB Hamburg. „Viel zu viele Jugendliche wurden bislang in die Warteschleifen von Übergangsmaßnahmen oder gar Hartz IV geschoben – und das bei stabil positiver Konjunktur und angeblichem Fachkräftemangel“, so Karger. Es bleibe nun abzuwarten, ob die Hamburger Unternehmen bis zum Ausbildungsbeginn im Sommer endlich mehr Verträge mit Jugendlichen abschließen und ob die anlaufenden Maßnahmen der Jugendberufsagentur in Hamburg greifen.

Betriebe müssten endlich wieder mehr ausbilden, so Karger. Sie seien es, die für die Ausbildung der von ihnen benötigten Fachkräfte verantwortlich seien und diese sicherstellen müssten. Gleichwohl sollten ausbildungsbegleitende Hilfen für Unternehmen ausgebaut werden – insbesondere dann, wenn sie gezielt schwächere Jugendliche ausbilden und sich nicht, wie häufig der Fall, gegenüber Jugendlichen mit niedrigeren Schulabschlüssen abschotten. Betriebe müssten sich auch stärker öffnen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gleiche Chancen bieten, so Karger. In einer demokratischen Einwandererstadt dürften Vorurteile von manchen Meistern und Personalabteilungen, etwa gegenüber jungen Frauen mit Kopftuch, nicht dazu führen, dass sie keinen Ausbildungsberuf erlernen können.

Eine solide Ausbildung in modernen Berufen sei die beste Basis, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und die Jugendarbeitslosigkeit zu mindern, erklärt die Vorsitzende des DGB Hamburg. Das duale System der beruflichen Bildung sei attraktiv und anerkannt, da es Kompetenzen vermittele, um sich langfristig auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.