Sietas-Pleite: Werden Arbeitsplätze gerettet?

„Der Schritt, jetzt den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, war offenbar unausweichlich, bietet aber dennoch das Potenzial, die Werft am Markt zu halten“, teilt die Wirtschaftsbehörde nach der angekündigten Sietas-Insolvenz an. Es geht um 700 Arbeitsplätze.

Der IG-Metall-Bezirksleiter Küste, Meinhard Geiken, sagte: „Isolvenzverwalter, Unternehmen und Senat müssen alles dafür tun, um die Zukunft der Werft und damit der Arbeitsplätze zu sichern. Sietas hat das Know-how für eine Neuausrichtung auf den Spezialschiffbau. Jetzt kommt es darauf an, dass die Banken mitziehen und das Unternehmen Zeit bekommt, weitere Aufträge einzuwerben.“

Die Sietas-Gruppe habe in den letzten Jahren eine weite Strecke des notwendigen Umstrukturierungsprozesses zu einem international wettbewerbsfähigen Industrieunternehmen für die modernen maritimen Märkte zurückgelegt, so die Behörde: „Es ist der Sietas-Werft in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 gelungen, in einem sehr schwierigen Marktumfeld eine Reihe von Aufträgen für neue, technologisch anspruchsvolle Schiffstypen zu akquirieren. Mit Einleiten der Energiewende steht der Fokus darauf, verstärkt Energie aus Windkraft im Offshore-Bereich zu ernten. Dies stellt höchste Anforderungen an Schiffssysteme, die unter zum Teil widrigen Umständen für die Errichtungen der Windparks sorgen sollen. Die Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit dieser sog. Offshore-Windkraft-Errichterschiffe sind dabei ein Schlüssel für den Fortschritt. Der Bau dieser Spezialschiffe erfordert sehr viel technologisches- und System-Wissen, das bei der Sietas-Werft erfolgreich aufgebaut werden konnte.

Die Sietas-Werft steht in diesem sich öffnenden Markt im internationalen Wettbewerb – beispielsweise zu chinesischen, südkoreanischen und auch polnischen Werften. Die Signale vom Markt, dass sich die Sietas-Werft auf diesem Markt einen Platz erkämpfen kann, sind positiv. Insbesondere mit dem Auftrag des niederländischen Wasserbaukonzerns Van Oord für ein sog. Offshore-Windkraft-Errichterschiff nach Sietas-Design, ist ein großer Sprung in Richtung Zukunft gelungen. Der Auftrag ist von der internationalen Fachwelt mit großem Respekt zur Kenntnis genommen worden.

Die Situation im Bereich der Schiffs- und Werftenfinanzierung hat sich infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise dramatisch verschlechtert. Insbesondere die Anforderungen an die Kapitalausstattung sind deutlich gestiegen. Dies trifft die Sietas-Werft hart. Insgesamt steht der ihr trotz weitgehender Unterstützung durch den Bund und die Freie und Hansestadt Hamburg nicht der längerfristig notwendige Finanzrahmen (Eigenkapital und Fremdkapital) zur Verfügung. Negativ wirken sich in diesem Zusammenhang auch Lasten der Vergangenheit aus. Der Senat ist nach wie vor von der Zukunftsfähigkeit des Konzeptes der Sietas-Werft sowie der Chance für Hamburg, an den sich öffnenden Märkten im Offshore-Windenergiebereich zu profitieren, überzeugt.

Der Schritt, jetzt den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, war offenbar unausweichlich, bietet aber dennoch das Potenzial, die Werft am Markt zu halten.“

Wirtschaftssenator Frank Horch ist dies ein ganz besonderes Anliegen: „ Wir begleiten Sietas seit vielen Monaten intensiv auf diesem Weg. Es ist dem Senat und mir persönlich ein wichtiges Anliegen, Sietas so zu unterstützen, dass es insbesondere gelingt so viele Arbeitsplätze wie möglich am Standort zu erhalten und die Fortführung der Werft zu gewährleisten. Das Potenzial dazu ist vorhanden. Nun müssen alle Anstrengungen unternommen werden, sich nachhaltig für die Zukunft aufzustellen.“

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat die Einleitung des Insolvenzverfahrens für die Sietas-Werft als „bitter, aber angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen wohl unvermeidlich“ bezeichnet. „Sietas hat trotzdem Chancen und Perspektiven – vor allem im Offshore-Windenergiebereich. Das Ziel muss sein, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und den Weiterbetrieb möglichst zu gewährleisten. Wir danken Senator Horch für seine Anstrengungen in den letzten Wochen und Monaten, um die Werft zu unterstützen“, so SPD-Fraktionschef Andreas Dressel am Freitag. SPD-Fraktionsvize Thomas Voelsch, selbst auch Wahlkreisabgeordneter für Neuenfelde: „Das eingeleitete Insol-venzverfahren ist nicht hoffnungslos, es bietet durchaus die Möglichkeit, für die Sietas-Werft und ihre Mitarbeiter tragfähige und verlässliche Perspektiven zu erarbeiten. Wir als SPD-Fraktion werden alle Beteiligten darin weiter mit voller Kraft unterstützen.“ SPD-Wirtschaftsexperte Jan Balcke wies auf die Kompetenz der Sietas-Mitarbeiter hin: „Die Mitarbeiter haben eine weite Strecke des Umstrukturierungsprozesses zurückgelegt – mit hohem Einsatz und großer Kompetenz. Hamburg ist und bleibt ein ganz wichtiger, attraktiver Standort für die maritime Wirtschaft und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass auch die Sietas-Werft nach Abschluss des Insolvenzverfahrens mit einem zukunftsfähigen Konzept wieder Erfolg haben wird.“

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