„Senator Dräger schönt eine Ruinenlandschaft“

Mit scharfen Worten kommentiert das für den Bereich Hochschule und Wissenschaft zuständige Mitglied des Kompetenzteams des zukünftigen Bürgermeisters Michael Naumann, Prof. Dr. Volker Gerhard, den Fünfjahresbericht der Wissenschaftsbehörde.

„Passend zum Wahlkampf erfindet die Wissenschaftsbehörde eine historisch Zäsur: Aus dem Termin der Ablieferung eines Gutachtens vor fünf Jahren macht Senator Dräger ein historisches Ereignis, das ihm jetzt den Vorwand liefert, Bilanz zu ziehen. Die Geschichtskosmetik lässt rosige Zahlen erwarten. Und die folgen dann auch. Von einer soliden Prüfung kann keine Rede sein. Die Bauruinen der Hamburger Hochschullandschaft werden mit einem geschönten Zahlenwerk verblendet, und Entwicklungen, die sich in ganz Deutschland längst eindrucksvoller vollziehen, werden als Hamburger Erfolge gefeiert.

Weitere Beispiele für die Unlauterkeit des Berichts: Das wesentlich durch die Wissenschaftsbehörde verschuldete schlechte Abschneiden bei der Exzellenzinitiative wird zur Erfolgsgeschichte umgeschrieben. Das Desaster bei der Einführung der Studiengebühren findet keine Erwähnung. Dennoch wird so getan, als seien die zusätzlichen Einnahmen von angeblich 40 Mio. Euro schon gesichert. Da das nicht der Fall ist, kann auch von der bereits erfolgten Verbesserung der Lehre keine Rede sein.

Der Bericht erwähnt mit keinem Wort, dass der Senator längst von wesentlichen Zielen seiner Hochschulstrukturreform abgerückt ist. Media School und Hafen City-Universität, die, vorsichtig formuliert, noch in den größten Anfangsschwierigkeiten stecken, werden präsentiert, als hätten sie ihre Exzellenz bereits erwiesen. Alles das ist unseriös. Entgegen Drägers Behauptungen, die Hochschullandschaft nicht zersplittert zu haben, wurden mit der HCU, der Polizeihochschule und der Finanzhochschule neue Einheiten gegründet. Interdisziplinarität und Exzellenz werden durch eine Aufsplitterung der Hochschullandschaft nicht eben befördert.

Der Bilanz liegt ein Brief des Vorsitzenden der Strukturkommission bei, die am 30. Januar 2003 ihre Empfehlungen abgegeben hat. Klaus von Dohnanyi bekennt sich auch nachträglich zu seiner Arbeit. Man muss den Brief nur genau lesen, um zu erkennen, dass er sich nicht für Drägers Wahlkampf eignet: „Der Bericht“, so heißt es da, „zeigt aber auch, dass noch immer eine erhebliche Strecke zu bewältigen sein wird, bis Hamburg, zum Beispiel gegenüber den süddeutschen Standorten, im Wettbewerb gleichziehen kann.“

In der Tat: Diese Strecke ist erheblich, und die Hamburger SPD ist entschlossen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um sie in enger Verbindung mit der Wissenschaft zu verkürzen. Dabei rechnet sie auf das Interesse der Wirtschaft, ja, auf die Mitwirkung der ganzen Stadt. Denn deren Zukunft hängt an der Produktivität der Forschung, an der Erschließung der Bildungsreserven sowie an einer wirksamen Verbesserung des Studiums. Hamburg muss dem Anspruch, „Metropole der Wissenschaft“ zu sein, endlich gerecht werden.“

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