Senat verkauft Hamburg als Werbefläche

Offenbar ist dem Senat jedes Mittel recht, wenn es gilt, Geld in die Kassen zu bekommen. Jetzt will Hamburg offenbar die Zahl der Großflächenwerbeanlagen verdreifachen. Wir haben es an dieser Stelle schon einmal vorhergesagt und erneuern dies hiermit: Demnächst wird es auch Trikot-Werbung bei den öffentlich Bediensteten geben!

Wie aus einer Vorlage des Bezirksamtes Wandsbek (hier als PDF) hervorgeht, soll der Bestand an hinterleuchteten Großflächenwerbeanlagen auf öffentlichem Grund in Hamburg offenbar von 48 auf 150 verdreifacht werden!

Dies stünde im krassem Gegensatz zum einstimmigen Beschluss der Bürgerschaft vom November 2006, die im Zusammenhang mit der gerade laufenden Neuausschreibung der Stadtmöblierung ab 2009 beschlossen hatte, „die Anzahl der Werbeflächen in Hamburg insgesamt nur moderat zu erhöhen“ und „Großflächen möglichst in unveränderter Stückzahl zu belassen“ (vgl. Bürgerschaftsdrucksache 18/5203).

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion Jan Quast befürchtet nun, dass Hamburg bald in Werbeanlagen erstickt, da neben den Großwerbeanlagen allein an Bushaltestellen und in Form von sog. Stadtinformationsanlagen bereits fast 2.000 Werbeanlagen auf öffentlichem Grund stehen und weitere Werbeanlagen der Hamburger Außenwerbung aufgestellt sind.

„Die Aufstellung neuer Großflächenwerbeanlagen hat schon in der Vergangenheit zu Recht immer zu viel Ärger bei Bürgern und Kommunalpolitik gesorgt, deshalb hat die Bürgerschaft einstimmig beschlossen, dass es nach der Neuausschreibung nicht mehr Großflächenwerbeanlagen in Hamburg geben darf. Dieser eindeutige Beschluss der Bürgerschaft soll offenbar missachtet werden“, kritisiert Quast.

Der Wandsbeker SPD-Bezirksabgeordnete Ole Thorben Buschhüter ergänzt: „Bislang stehen im Bezirk Wandsbek gerade einmal sieben dieser über fünf Meter hohen Werbemonster. Die vom Bezirksamt vorgelegte Liste mit 32 potenziellen Standorten hat bereits zu kontroversen Diskussionen geführt, zweimal wurde eine Zustimmung zu der Liste bereits vertagt. Wir werden einer derartigen exzessiven Verschandelung des Stadtbildes bestimmt nicht zustimmen.“

Quast hat jetzt zwei Kleine Anfragen an den Senat gerichtet, um zu erfahren, warum der bürgerschaftliche Beschluss vom Senat offenbar ignoriert werden soll. Zudem will er wissen, ob tatsächlich Standorte, an denen Schausteller bisher saisonal beschränkt für den Hamburger Dom werben konnten, künftig ganzjährig für Großwerbeanlagen genutzt werden sollen.

Quast: „Meines Wissens wehren sich die Schaustellerverbände bereits gegenüber der zuständigen Behörde gegen die Beschränkung der Werbemöglichkeiten.“

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