Nicht die Polizisten seien der Ausgangspunkt der Fan-Krawalle beim Schweinske-Fußballturnier in der Alsterdorfer Sporthalle gewesen, sondern „angebliche Fans von Fußballvereinen“, sagt Innensenator Michael Neumann. GAL und Linksfraktion in der Bürgerschaft haben dazu Nachfragen.
„Inzwischen wird durch zahlreiche Berichte und Stellungnahmen, nicht zuletzt des FC St. Pauli, deutlich, dass die bisherige polizeiliche Darstellung des Gewaltverlaufs nicht haltbar ist und dass nicht nur die Deeskalationslinie der Polizei gescheitert war, sondern die Gewalt der Polizei selbst einer kritischen Prüfung unterzogen werden muss“, so die Linksfraktion.
Sie hat deshalb eine detaillierte Schriftliche Kleine Anfrage zum Verlauf der Gewalt und zum Polizeieinsatz gestellt. Die innenpolitische Sprecherin Christiane Schneider unterstützt die Forderung nach einer Selbstbefassung des Innenausschusses am 10.1.:
„Es besteht das öffentliche Interesse, dass die Innenbehörde sich zur Frage verhält, wie es zur Gewalteskalation gekommen ist und warum die Polizei die Provokationen und Gewalttätigkeiten durch Lübecker und wahrscheinlich auch HSV-Hooligans nicht frühzeitig unterbunden hat. Dies umso mehr, als diese vermeintlichen Fans sich rassistisch und teilweise mit eindeutig neonazistischen Symbolen hervorgetan haben. Aber nicht nur die Gewalteskalation muss politisch und juristisch aufgearbeitet werden. Aufgearbeitet werden muss auch die Polizeigewalt, die mit Schlagstockeinsätzen, Reizgassprühgeräten vor allem in der Halle und Polizeihunden ausgeübt wurde. Laut Augenzeugen- und Medienberichten wurden viele Menschen, darunter Kinder und Familien, Opfer von Polizeigewalt. Wir fordern mit unserer Schriftlichen Kleinen Anfrage den Senat auf darzustellen, welche Strategien der Deeskalation im Vorfeld von Fußballspielen in Zusammenarbeit mit Fangruppen und Fußballvereinen
verfolgt werden.“
Auch die GAL-Fraktion hat Aufklärungsbedarf zum Polizeieinsatz in der Alsterdorfer Sporthalle am Wochenende. Schon am Montag hat die GAL dazu eine Kleine Anfrage an den Senat eingereicht. Aus Sicht der Grünen stellt sich die Frage, ob die Polizei auf die Fan-Krawalle ausreichend vorbereitet war und ob sie ein angemessenes Sicherheitskonzept für diese Veranstaltung hatte.
Die innenpolitische Sprecherin der GAL-Fraktion, Antje Möller, erklärt: „Die Eskalation der Gewalt kam ganz offensichtlich nicht aus heiterem Himmel. Sie wurde vermutlich von einer Gruppe organisierter Hooligans provoziert. Schon im Vorfeld der Veranstaltung gab es Warnungen. Wir wollen wissen, ob und wie diese Warnungen im Sicherheitskonzept berücksichtigt wurden.“
Das jährliche Turnier in der Alsterdorfer Sporthalle hatte in diesem Jahr besonderes Risikopotential. Die Veranstalter hatten Vereine eingeladen, deren Fangruppen miteinander verfeindet sind. Darauf muss ein polizeiliches Sicherheitskonzept eingestellt sein. Der massive Einsatz von Reizgas und das Vorgehen der Sicherheitskräfte insgesamt lassen darauf schließen, dass es bei der Einschätzung der Lage erhebliche Versäumnisse gab.