Laut einer Studie der Kinderhilfsorganisation Plan International sind mindestens 30 Prozent der in Hamburg lebenden Frauen aus Ländern, in denen Genitalverstümmelung betrieben wird, im Heimatland beschnitten worden. Um potenziell bedrohte Mädchen wirksam zu schützen, hat der „Hamburger Runde Tisch gegen weibliche Genitalverstümmelung“ eine Handreichung erarbeitet, die Handlungsoptionen bei unterschiedlichen Gefährdungssituationen erläutert.
Senatorin Melanie Leonhard: „Die neue Handreichung unterstreicht, dass bei der Bekämpfung von weiblicher Genitalverstümmelung alle Akteure wichtig sind. Das Know-How aller Helfenden kommt den Betroffenen zu Gute. Gewalt gegen Frauen und Mädchen tolerieren wir nicht. Hamburg sieht nicht weg, wo Hilfe gebraucht wird und Hamburg macht sich stark, um Schwächere zu schützen.“
Gwladys Awo, Koordinatorin des Plan-Projektes „Change“ gegen weibliche Genitalverstümmelung: „Es ist das erste Mal, dass es uns gelungen ist, alle an einen Tisch zu bringen und festzulegen, wo die Schnittstellen der Zusammenarbeit sind. Weil das Thema Genitalverstümmelung so sensibel ist und mit vielen Tabus belegt ist, gab es vorher viel Unsicherheit. Betroffene, aber auch Lehrkräfte oder andere Fachkräfte, wussten oftmals nicht, an wen sie sich bei Verdachtsfällen konkret wenden sollten, um Hilfe zu bekommen.“
Ob Verdachtsfälle, die in Kitas, Schulen, Beratungseinrichtungen des Opferschutzes oder bei Arztbesuchen auftauchen: Die Handreichung erklärt anhand nachvollziehbarer Fallbeispiele, wie sich staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen austauschen müssen, um Mädchen und junge Frauen zu schützen.
Die Fachveröffentlichung richtet sich an Fachkräfte in den Unterstützungssystemen Kinder und Jugendhilfe, Schule, im Gesundheitssystem und Opferschutz, Polizei, Staatsanwaltschaft sowie Fachkräften aus den Community Gruppen. Sie informiert über Handlungsmöglichkeiten der jeweiligen Berufsgruppen und zeigt gleichzeitig wichtige Schnittstellen und Kooperationspartner innerhalb der Interventionskette auf.
Der „Hamburger Runde Tisch gegen weibliche Genitalverstümmelung“ trifft sich seit April 2012 regelmäßig und setzt sich aus Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Vereinen zusammen.
Die Handreichung „Intervention und Unterstützung bei Weiblicher Genitalverstümmelung – Möglichkeiten interdisziplinärer Fallzusammenarbeit. Fachveröffentlichung des überbehördlichen „Hamburger Runden Tisches gegen Genitalverstümmelung“ steht als Download unter www.hamburg.de/opferschutz zur Verfügung und kann als Print-Version bestellt werden unter: publikationen@basfi.hamburg.de.