Die Debatte um die Folgen der verkürzten Schulzeit bis zum Abitur (G8 / Abitur nach 12 Jahren) kommt voran. Hier kommentiert der Vorsitzende der GEW Hamburg, Klaus Bullan.
„Endlich findet dieses wichtige Thema die verdiente Beachtung. Seit 2004 warnt die GEW, gemeinsam mit den Gymnasialelternvertretern, vor den Auswüchsen der konzeptlosen und überhasteten Verkürzung der Schulzeit.
Es herrschen zum Teil katastrophale Zustände an den Gymnasien. Die Behörde erklärte kurzerhand alle Gymnasien zu Ganztagsschulen, ohne den Schultag anzupassen und neu zu rhythmisieren. Schulkantinen wurden nicht oder erst nach jahrelangen Wartezeiten eingerichtet, viel zu viele SchülerInnen müssen immer noch bis in den späten Nachmittag in der Schule bleiben, ohne die Möglichkeit, ein richtiges Mittagessen zu bekommen; das Lernpensum
verdichtet sich bis zur Unzumutbarkeit. Die Folge ist, dass immer mehr SchülerInnen quasi auf der Strecke bleiben, die Krankenquote unter den Schulkindern steigt, die Familien sind immer stärker belastet.
Die Behörde hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt: Statt die Schulen mit allem notwenigen auszustatten, versucht sie immer noch, Lehrerstellen einzusparen und ignoriert den durch die erhöhte Unterrichtsstundenzahl gestiegenen Bedarf an Lehrerstellen.
Dass nun endlich und scheinbar plötzlich auch die Bildungssenatorin merkt, dass wir da ein Problem haben, lässt hoffen, aber auch zweifeln: Ist es wirklich Einsicht oder nicht doch eher eine Blüte der heißen Wahlkampfphase?
Bildung ist das Thema Nummer 1 bei den Wahlen, und wie die Umfragen – zum Beispiel des NDR – zeigen, bezweifeln die Wähler und Wählerinnen gerade in diesem Bereich die Kompetenz der CDU. Doch auch jetzt stellt die Senatorin keine Abhilfe in Aussicht, sondern schiebt die Schuld auf die Kultusministerkonferenz. Wenn die Senatorin suggeriert, die KMK schreibe den Ländern vor was zu tun sei, vernebelt sie, dass sie als Senatorin Teil der KMK ist und entsprechend handeln sollte: Wo waren in der Vergangenheit Dinges-Dierigs Initiativen in der KMK und warum wird sie jetzt nicht endlich aktiv?
Jugend muss mehr sein dürfen als büffeln und Zeitstress, oder wie Reinhold Beckmann es kürzlich forderte, Jugendliche brauchen „Zeit für Freunde, Freizeit, Faulenzen“. Das muss auch für AbiturientInnen gelten.“
Es ist nur allzu deutlich, dass Frau Dinges-Dierig dieses Thema nur plötzlich interessiert, weil es derzeit in den Medien präsent ist und Schulpolitik sich als heißes Wahlkampfthema entpuppt hat.
Auf diesem Feld hat die CDU deutlich versagt. Die völlig verspätete „Einsicht“ der Schulsenatorin ist nichts als der Versuch von ihrer eigenen Unfähigkeit und Untätigkeit abzulenken.
In den vergangenen Jahren sind alle Warnungen von Lehrern, Eltern und Schulleitungen an Frau Senatorin Dinges-Dierig ungehört abgeprallt. Sie hatte Zeit hier nachzubessern, der erste G8-Jahrgang in Hamburg, der Abitur nach 12 Jahren macht, ist derzeit bereits in der 10.!! Klasse und geht im Sommer in die Oberstufe über. Die Belastungen für die Schüler sind enorm.
Ich weiß wovon ich rede, ich habe drei Kinder, von denen zwei das Gymnasium besuchen (Klassenstufen 8 und 10).