Nun erreicht der Kampf um die Frauenarbeitsplätze bei der Drogeriekette Schlecker den Senat: Am Donnerstag, dem Frauentag, wird Arbeitssenator Detlef Scheele (SPD) Betriebsrätinnen und ver.di-Chef Wolfgang Rose empfangen und sich damit persönlich in die Rettungsaktion für die Arbeitnehmerinnen einschalten. „Die Schlecker-Frauen dürfen nicht in die Arbeitslosigkeit fallen – auch die Behörden und Bundesländer können dazu beitragen, Zukunftskonzepte für die Firma und Auffanglösungen für die Beschäftigten zu ermöglichen. Es ist gut, dass Senator Scheele das zur Chefsache macht“, sagte Rose.
Das Konzept des Insolvenzverwalters sieht bisher die Schließung jeder 2. Filiale bundesweit vor. Damit sind mehr als 11.000 Arbeitsplätze gefährdet. Noch ist offen, ob es gelingt, das insolvente Unternehmen fortzuführen. In Hamburg sind damit mehr als 200 Schlecker-Verkäuferinnen in etwa 65 Filialen vom Verlust ihrer Arbeitsplätze bedroht.
Wolfgang Rose: „Wir kämpfen um jede einzelne Existenz. Die Schle-cker-Frauen sind mutig, sie zeigen Gesicht und Haltung. Für mich sind sie Heldinnen der Arbeitswelt, denn sie haben in ihrer Firma gegen Widerstände wichtige Verbesserungen für berufstätige Frauen er-kämpft, Tarifverträge und Betriebsräte solidarisch erstritten. Es darf nicht sein, dass sie jetzt wegen der Fehler des Managements ihren Job verlieren. Der Senat, aber auch die Kunden können dabei helfen, ihnen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen. Dabei darf es weder Zeitdruck noch vorschnelle Lösungen geben.“
Schlecker-Betriebsrätin Renate Nazli: „Wir wollen bleiben, denn wir können ja nichts dafür. Die Beschäftigten haben bei Schlecker einige Verbesse-rungen durchgesetzt, vom Tarifvertrag bis zur Einrichtung von Be-triebsräten. Ich würde mich freuen, wenn wir jetzt viel Unterstützung erhalten: Wir waren immer für unsere Kunden da – jetzt brauchen wir ihre Unterstützung.“
ver.di fordert von der Politik die Beseitigung bürokratischer Hürden im Schlecker-Sanierungsprozess, um die notwendige Zeit und Konzen-tration für die Erarbeitung des Fortführungskonzeptes zu erhalten:
• Nötig sei es etwa, Vorkehrungen für die Gründung einer Trans-fergesellschaft zu schaffen, damit die Frauen nicht auf sich allein gestellt sind und Hilfen wie auch Qualifizierungsmaßnahmen er-halten, bis sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben.
• Im Rettungsprozess muss auch über ungewöhnliche Wege nach-gedacht werden. So sei auch eine Umwandlung von tariflichen Ansprüchen der Schlecker-Beschäftigten in eine Kapitalbeteili-gung der Mitarbeiter denkbar.
• So könnte zum Beispiel auch eine Genossenschaft geschaffen werden, die sich in einer neuen Schlecker-Gesellschaft engagiert.
Rose: „Wir wollen ein Konzept, das in die Zukunft gerichtet ist und nicht alleine zu Lasten der Beschäftigten geht. Die sozialpolitische Dimension der bundesweit drohenden Massenentlassungen von Frauen rechtfertigt ein Eingreifen des Staates und unterstützende Maßnahmen der Bundesländer.“
Renate Nazli, Elke Kölln und Britta Krömer vom Schlecker-Betriebsrat fordern die Unterstützung auch der Politik – es gehe um das Schicksal von Familien und um Frauenarbeitsplätze in Hamburg, die nicht verloren gehen dürften. Die Schlecker-Frauen hätten dafür gesorgt, dass sich die Arbeits- und Einkommensbedingungen in ihrem großen Unternehmen nach und nach verbesserten. Dieser Erfolg dürfe jetzt nicht zerstört werden.
Aktionstag am 8. März
Die Schlecker-Beschäftigten und ihre Gewerkschaft wollen mit zahlreichen Aktionen in Hamburg auf eine Lösung drängen – ein Schwerpunkt wird der 8. März bilden, der internationale Frauentag:
Um 9:30 Uhr empfängt Arbeitssenator Detlef Scheele eine Delegation der Schlecker-Betriebsräte und ver.di-Chef Wolfgang Rose in der Arbeits- und Sozialbehörde an der Hamburger Straße.
Am Nachmittag findet dann eine Solidaritätsdemonstration und -kundgebung statt, an der sich gerne auch Schlecker-Kunden beteiligen dürfen. Treffpunkte: ab 16 Uhr am Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof 60,
Kundgebung um 17 Uhr direkt auf dem Rathausmarkt.
Weitere Aktionen sind in Vorbereitung.