Schäfer-Gümbel leitet SPD-Kulturforum

Thorsten Schäfer-Gümbel, stellvertretender SPD-Parteivorsitzender, ist das neue kulturpolitische Gesicht der Sozialdemokratie. Der Parteivorstand ernannte ihn am Montag zum neuen Vorsitzenden des „Kulturforums der Sozialdemokratie“.

SPD.de sprach mit Schäfer-Gümbel über „neue Impulse“ für Kultur und Politik.

SPD.de: Nach Willy Brandt, Peter Glotz, Gerhard Schröder und Wolfgang Thierse übernimmst Du den Vorsitz des Kulturforums der Sozialdemokratie. Ein großes Erbe, das du da antrittst.
Schäfer-Gümbel: Deshalb will ich zuerst Wolfgang Thierse danken. Er hat das Kulturforum in den letzten zwanzig Jahren enorm geprägt, sowohl mit Grundsatzdebatten als auch mit sehr pragmatischen und praktischen Dingen. Deswegen sind die Fußstapfen, in die ich da trete, ziemlich groß.



Wie wichtig ist für die SPD die Brücke zwischen Politik auf der einen und Kunst und Kultur auf der anderen Seite?
Wir sind eine Partei der Aufklärung. Deswegen spielt die Frage von Emanzipation eine ganz große Rolle. Aus meiner Sicht wird die kulturelle Dimension zu oft unterschätzt. Zumindest in den letzten Jahren ist der Eindruck entstanden, dass der Austausch zwischen Kultur und Politik eine immer geringere Rolle spielt – was zu einer zunehmenden Trennung geführt hat. Das muss wieder anders werden, wenn es gut werden soll.


Der Name „Kulturforum der Sozialdemokratie“ klingt nach einer wissenschaftlich-trockenen Angelegenheit. Ist es das?
Ganz und gar nicht! Die Arbeit im Kulturforum ist hochgradig spannend. Ich hatte in den letzten eineinhalb Jahren viele Gelegenheiten Menschen kennenzulernen, deren Projekte und Initiativen einfach atemberaubend sind. In den Begegnungen steckt viel Dynamik und Auseinandersetzung. Kurzum: Das Kulturforum ist total lebendig.



Was willst Du als Erstes anpacken?
In diesem Jahr ist der Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann 90 Jahre alt geworden. Mit seinem in den 70er Jahren formulierten Anspruch „Kultur für alle“ ist er nach wie vor einer der ganz großen Impulsgeber. Seit dem ist vieles erreicht worden, vieles passiert. Dennoch sind wir noch unglaublich weit weg von diesem Anspruch und müssen ihn erneuern. Wir müssen kritisch hinschauen, was in den vergangenen Jahren verloren wurde. Wir müssen aber auch im Blick behalten, welche neuen Herausforderungen sich uns stellen. Nehmen wir beispielsweise die Flüchtlingsfrage, durch die wir neue Impulse erhalten, die aber auch Spannungen in der Gesellschaft mit sich bringt. Uns wird zudem die Frage nach einem modernen Kunst- und Kulturbegriff beschäftigen. Durch was zeichnet er sich aus? Was sind die Impulse? Ein Kernthema, mit dem wir uns in der nächsten Zeit intensiv auseinandersetzen werden.



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