Die sechs Robin Wood-AktivistInnen haben heute Mittag erfolgreich die Zielgerade des Hamburg-Halbmarathon in der Rothenbaumchaussee erreicht. Die UmweltschützerInnen waren unter dem Motto „Laufen gegen Laufzeitverlängerung“ gestartet. Sie wollen die HamburgerInnen dazu bewegen, dem Energiekonzern Vattenfall in Scharen davonzulaufen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln.
Denn Vattenfall setzt voll auf gefährlichen Atomstrom und will sein Uralt-AKW in Brunsbüttel noch über die gesetzlich vorgesehene Laufzeit hinaus bis ins Jahr 2011 weiter betreiben. Als die Robin Wood-LäuferInnen ankamen, hing quer über die Straße ein großes Banner mit der Aufschrift: „Unser Ziel: Vattenfall davonlaufen – Ökostrom jetzt!“
„Keiner ist gezwungen, dreckigen Atom- und Kohlestrom bei Vattenfall zu kaufen. Es kostet jeden nur fünf Minuten und viel weniger Schweiß als uns, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln“, sagt eine der Aktivistinne, die im knallgelben T-Shirt und Fahne („Nach 31 Jahren ist jeder k.o.“) mit von der Partie war. „Mit jedem der mitmacht, wächst der Druck auf Vattenfall, keinen Dreckstrom mehr zu produzieren.“
Das AKW Brunsbüttel ist ein gefährlicher Pannenreaktor. Er war seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1976 aufgrund von Störfällen und Reparaturmaßnahmen so lange vom Netz wie kein weiteres AKW in Deutschland. Nach der „Atomkonsens“-Vereinbarung, die Bundesregierung und Atomkraftwerksbetreiber ausgehandelt haben, müsste der Reaktor spätestens 2009 vom Netz gehen. Doch Vattenfall will so genannte Restlaufzeiten anderer Atomkraftwerke auf den Meiler in Brunsbüttel übertragen, um diesen mindestens bis 2011 weiter betreiben zu können.
Im März dieses Jahres hatte Vattenfall beim Bundesumweltministerium beantragt, Stromkontingente des stillgelegten AKWs Mülheim-Kärlich auf Brunsbüttel zu übertragen. Dieses Vorhaben ist jedoch rechtswidrig. Das sieht auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel so und sandte Vattenfall am vergangenen Freitag einen entsprechenden Ablehnungsbescheid. Der Konzern hat jedoch vorsorglich bereits im Mai einen zweiten, alternativen Antrag gestellt – dieses Mal für die Übertragung von Restlaufzeiten aus dem noch jüngeren AKW Krümmel. Auch dieser Antrag muss abgelehnt werden, denn er widerspricht der Zielsetzung des Atomgesetzes, die ältesten Anlagen zuerst vom Netz gehen zu lassen.
„Vattenfall versucht auf Biegen und Brechen seinen Pannenreaktor in die nächste Legislaturperiode zu retten, in der Hoffnung, dass dann eine atomfreundlichere Regierung am Ruder ist“, sagt einer der Aktivisten von ROBIN WOOD Hamburg. „Wir wollen aber nicht weiter mit diesem Schrottreaktor vor der Hautür leben. Brunsbüttel gehört stillgelegt- und zwar sofort! Erst wenn wir die Energieversorgung auf regenerative und nachhaltige Energiequellen umgestellt haben, sind wir wirklich im Ziel angekommen.“