Protest im Operettenhaus

Lohndumping in der Musical-Hauptstadt? Schlechte Nachricht haben vor wenigen Tagen rund 30 der gesamt 200 Beschäftigten im Operettenhaus erhalten:

Die Dresserinnen und Dresser sollen zum September ausgegliedert und in eine Fremdfirma „Tempcrew UG“ wechseln, berichtet die Gewerkschaft. Absender der Nachricht ist der aktuelle Arbeitgeber Stage Entertainment, ein expandierendes, internationales Unternehmen mit über 600 Millionen Euro Umsatz.

Die Pläne stoßen auf massiven Widerstand der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). „Mit einer Ausgliederung drohen den Be-troffenen Billigarbeit und ungeschützte Arbeitsverhältnisse“, kritisiert Agnes Schreieder, stellvertretende Landesleiterin von ver.di in Ham-burg: „Es ist absehbar, dass keine oder schlechtere Tarife gelten werden und die Kräfte als Zeitarbeitskräfte extrem flexibel eingesetzt werden sollen. Der Schutz von Betriebsräten fehlt. Fast alle Betroffenen sind Frauen, viele haben Kinder und Familie. Die meisten verdienen zwischen 1000 und 1500 Euro im Monat.“

In einer ersten öffentlichen Aktion haben sich ver.di und Betroffene sowie Unterstützer/innen aus den anderen Muscial-Theatern in Hamburg an das Publikum im Operettenhaus gewandt, in dem derzeit „Sister Act“ aufgeführt wird.

Neben dem Operettenhaus betreibt Stage Entertainment in Hamburg das Hafentheater mit „König der Löwen“ und die Neue Flora mit „Tar-zan“. Der Sitz der deutschen Gesellschaft mit insgesamt 9 Muscial-Theatern ist in Hamburg (Kehrwieder 6). Der Konzern hat erst kürzlich von der Stadt das Operettenhaus gekauft. Im Hafen wird ein zweites Theater gebaut. Für Schlagzeilen sorgte auch die Idee einer Seilbahn über die Elbe.

Norbert Hackbusch, haushalts- und kulturpolitischer Sprecher der Linksfraktion und Vorsitzender des Kulturausschusses: „Es ist ein Hohn: Gerade erst hat der Musical-Riese Stage Entertainment das Operettenhaus für mehrere Millionen von der Stadt gekauft und nun will
er, um zu sparen, 30 Menschen in ungeschützte Arbeitsverhältnisse drängen. Es ist absurd, wenn ein derart wachsendes Unternehmen diesen Schritt als Sparmaßnahme verkaufen will. Solch ein Vorgehen kann nur als Gewinnmaximierung verstanden werden. Wir erklären uns solidarisch mit den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Operettenhauses und fordern das Unternehmen auf, die Arbeitsplatzsicherheit seiner Beschäftigten zu garantieren. Die Stage Entertainment liefert hier ein weiteres Beispiel für die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen im Kultursektor.“ Seit circa zehn Jahren kaufe Stage Entertainment landesweit Spielstätten für seine Produktionen auf. Rund ein Drittel der vormals in den Theaterhäusern
Beschäftigten seien seither ausgegliedert oder gekündigt worden, so die Linksfraktion.

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