Diakonie und Bundesagentur für Arbeit werben für die Einstellung schwerbehinderter Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das Projekt heißt „101 Jobs“.
„Gehörlose können alles, außer hören.“ Mit diesen Worten bringt Marcus Tonat (29), Elektrotechniker in Husum, ein Projekt der Diakonie in Schleswig-Holstein und der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit auf den Punkt. Unter dem Motto „101 Jobs – Menschen mit Behinderungen für den ersten Arbeitsmarkt“ sollen gezielt in der Sozialwirtschaft sowie in Kirche und Diakonie in Schleswig-Holstein in den kommenden zwei Jahren mindestens 101 weitere schwerbehinderte Menschen fest eingestellt werden.
Marcus Tonat, seit Geburt gehörlos, ist im zur Diakonie gehörenden Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk in Husum in der Elektrotechnik für Geräteprüfungen und für die Betreuung der Auszubildenden zuständig. Wie zahlreiche schwerbehinderte Menschen in Schleswig-Holstein macht Tonat mit außerordentlicher Motivation, Freude und Leistungskraft seinen täglichen Job.
Da der Mangel an Fachkräften in vielen Wirtschaftsbereichen spürbar ist, konkurrieren Betrieb mittlerweile um geeignetes Personal. Zusätzlich hat aufgrund der stetig alternden Gesellschaft der Wettbewerb um geeignete Auszubildende voll eingesetzt. Diakonie und Bundesagentur machen in dieser Arbeitsmarktsituation mit dem Projekt „101 Jobs“ darauf aufmerksam, dass eine personelle Ressource wenig genutzt wird, die diesen Mangel vermindern kann: In Schleswig-Holstein sind derzeit rund 5.400 schwerbehinderte Menschen ohne Arbeit. Von ihnen sind 240 jünger als 25 Jahre, über 2.300 sind unter 50 Jahre und 2.800 über 50 Jahre alt.
Dabei ist Behinderung nicht gleich Behinderung. Ihr Grad ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Menschen mit einem Handicap leben häufig seit ihrer Geburt oder nach einem Unfall mit einer Beeinträchtigung. Sie ist in vielen Fällen nicht zu erkennen. Das Projekt „101 Jobs“ ist Teil des Aktionsbündnisses Schleswig-Holstein, an dem das Sozialministerium des Landes und der Unternehmensverband Nord mit den Partnern Regionaldirektion Nord, das Handwerk und Integrationsfachdienste beteiligt sind.
Auf einer Tagung mit Menschen mit Behinderung und Arbeitgebern im Landeshaus in Kiel erklärte Landespastorin Petra Thobaben für die Diakonie: „Menschen mit Handicaps im ersten Arbeitsmarkt zu beschäftigen ist keine Wohltätigkeit und braucht keine extra Arbeitsplätze mit Schonräumen. Wichtig sind technische Anpassungen des Arbeitsumfeldes und Barrierefreiheit in den Köpfen und Herzen“. Bischof Gerhard Ulrich betonte: „Hier liegen Talente offen zutage, die die Menschen
nutzen und einbringen wollen. Jeder kann etwas anderes gut. Daher sollten wir jedes Talent fördern und auch für die Erwerbstätigkeit nutzen“.