„Die Ergebnisse der Pisa-Studie belegen, dass sich etwas tun muss, wenn wir die deutsche Schullandschaft aus der Mittelmäßigkeit herausholen wollen“ – so der Kommentar des SPD-Bildungspolitikers Wilfried Buss zu den aktuellen Ergebnissen der Pisa-Studie.
Erschreckend sei die weiterhin bestehende Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem. „Ob ein Kind in der Schule Erfolg hat, hängt nach wie vor in erheblichem Ausmaß von Finanzlage und Sozialstand seiner Eltern ab. Das ist das eigentliche Defizit des deutschen Bildungssystems“, sagte Buss. Ein erhebliches Risiko sei auch das noch immer nicht gelöste Problem der Integration von Migrantenkindern in das deutsche Schulsystem.
Die aktuelle Pisa-Studie zeigt, dass die deutschen 15-Jährigen beim Leseverständnis nur vier Punkte mehr als bei der letzten Untersuchung erreichten (Platz 18), in Mathematik holten sie einen Punkt mehr und kamen damit auf Platz 20. Als einzigen Lichtblick bezeichnete Buss das gute Abschneiden der deutschen Schüler in den Naturwissenschaften. „So strittig diese Daten wegen der mangelhaften Vergleichbarkeit sind, so wichtig ist es in den Pisa-Untersuchungen auch neue Gebiete zu untersuchen. Allerdings muss für die nächste Pisa-Studie die Vergleichbarkeit bei den Naturwissenschaften gewährleistet sein“, forderte Buss.
Wenn diese Ergebnisse für Deutschland schon eine große Herausforderung darstellen, so potenzieren sie sich in der Großstadt Hamburg:
Gehören bundesweit ca. 20 Prozent der Schüler zu der Risikogruppe, ist in Hamburg diese Gruppe erheblich höher: ca. 30 Prozent der Hamburger Schüler sind des Lesens kaum mächtig, so dass sie im Berufsleben große Probleme haben oder gar scheitern werden.
Im Vergleich zu Jugendlichen aus Facharbeiterfamilien liegt die relative Chance, ein Gymnasium anstelle einer Realschule zu besuchen, für Kinder aus der oberen Dienstklasse in PISA 2006 bei 2.7 zu 1. In Hamburg ist die Wahrscheinlichkeit 3,5-mal so hoch.
Die Zahl der Abgänger ohne Schulabschluss liegt in Hamburg seit 2001 unverändert bei rund 12%. In vielen Stadtteilen verlässt jeder dritte bis vierte Schüler die Schule ohne Abschluss und damit ohne Perspektive auf einen Ausbildungsplatz.
Der CDU-Senat reagiere auf diese Probleme völlig unzureichend. So hat die Kess-Studie dem Senat wissenschaftlich nachgewiesen, dass es keine Verbesserungen bei der Leistungsqualität der Schulen gegeben hat. Die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler bleiben hinter Erwartungen zurück, vor allen in den Klassen 5 und 6 werden die leistungsstärkern Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend gefördert. Während früher durch Verbesserungen an den Grundschulen (Verlässliche Halbtagsgrundschule, gezielte Leseförderung u. a.) die Schülerleistungen von Viertklässlern – insbesondere beim Lesen und bei der Mathematik gesteigert werden konnte, wurde dieser Leistungszuwachs in Klasse 5 und 6 wieder verspielt.
Der Senat hat die Zeit seit 2001 verschlafen. Er hat versäumt für eine attraktive Schule mit guten Ergebnissen der Hamburger Schülerinnen und Schüler zu sorgen.“
Anstatt das Problem der Bildungsungerechtigkeit anzupacken, verschärft der Senat dies noch durch die Einführung des Büchergelds sowie der Vorschulgebühren. Bildung hängt in Hamburg wieder von Geldbeutel der Eltern ab.
In Hamburg sind besondere Anstrengungen notwendig, um die Qualität der Schulen zu verbessern. Die SPD-Fraktion fordert daher:
Gebührenfreies Bildungsjahr für 5-Jährige
Jedes Kind soll eine optimale Vorbereitung auf die Schule und bei Bedarf eine intensive Sprachförderung vor allem im letzten Jahr vor der Schule erhalten können. Gebühren schrecken jedoch gerade die Eltern von Kindern mit Sprachförderbedarf ab. Um wirklich alle Kinder erreichen zu können, fordert die SPD-Fraktion, dass letzte Jahr vor Eintritt in die Schule – sei es in der Kita oder in der Vorschule – beitragsfrei zu gestalten.
Bessere Chancen durch frühe Bildung
Für die Bildung vor der Schule muss gelten: Alle Kinder erhalten unabhängig von der Lebenslage ihrer Eltern einen Anspruch auf Teilhabe an frühkindlicher Bildung nach ihrem individuellen Förderbedarf. Festgestellter Sprachförderbedarf und/oder sozialer und pädagogischer Bedarf eines Kindes führt wahlweise zur Bewilligung eines Ganztagsplatzes in der Kita oder in einem Bildungsgarten.
Mehr Ganztagsschulen
Gerade Kinder aus sozial schwachen Familien brauchen mehr Zeit zum Lernen, um Defizite auszugleichen. Daher fordert die SPD-Fraktion ein Ausbauprogramm von Ganztagsschulen: 100 neue Ganztagsschulen in sechs Jahren.
Lehrkräfte mit Migrationshintergrund
Es ist ein Sofortprogramm zu starten, um Lehrkräfte zu gewinnen, die selbst einen Migrantenhintergrund haben. Durch die Schaffung einer Quote für Lehrer mit Migrationshintergrund bei gleich guten Abschlüssen kann verhindert werden, dass sie durch andere Bewerberinnen und Bewerber verdrängt werden.