Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) ruft die Unternehmen auf, die Anwerbung von Schulabgängern zu verstärken und dabei nicht allein auf die Schulnoten zu gucken. Und nach dem Abschluss sei eine Job-Garantie nötig, um Fachkräfte zu binden.
Die Zahl der Bewerber steige seit drei Jahren, in Schleswig-Holstein gebe es 4.350 unversorgte Jugendliche und in Hamburg 2.829 – das sei der höchste Stand seit langem. „Manche Unternehmer verhalten sich wie selbstgefällige Paschas. Sie müssen auch auf die Jugendlichen zugehen, die keine Bestnoten vorzuweisen haben. Ihre Qualifizierung kann dann im dualen Ausbildungssystem von Betrieb und Schule erfolgen“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: „Wenn die IHK Schleswig-Holstein die „besten Chancen auf dem Lehrstellenmarkt seit Jahrzehnten“ auslobt, dann gehen die Firmen damit eine hohe Selbstverpflichtung ein. Die Realität sieht anders aus: Gut die Hälfte des Zuwachses der Arbeitslosigkeit trifft junge Menschen unter 25, darunter auch jene, die nach der Ausbildung nicht übernommen worden sind. Die jungen Leute brauchen eine Job-Garantie durch die Firmen, zu denen sie sich mit ihrem Ausbildungsvertrag bekannt haben.“
Zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Hamburg erklärt Hamburgs DGB-Vorsitzender Uwe Grund: „Die große Zahl der offenen Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir einen gespaltenen Ausbildungsmarkt in Hamburg haben: Auf der einen Seite gibt es die leistungsstärkeren Jugendlichen, die sich den Betrieb aussuchen können und auf der anderen Seite diejenigen, die es aufgrund nicht so guter Voraussetzungen schwer haben, einen Platz zu finden. Es muss der Anspruch an Unternehmen sein, dass sie auch leistungsschwächeren Bewerbern eine Chance geben.“
Uwe Grund wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass „trotz aller öffentlichen Jammerei über zu wenige Bewerbern und dem angeblichen Fachkräftemangel“ die Zahl der unversorgten Bewerber mit 2.829 den höchsten Stand der letzten Jahre erreicht und im Vergleich zum Vorjahr um 19,7 Prozent zugelegt hat. Zudem sei dies nur ein Ausschnitt, da hier nur diejenigen gezählt werden, die über die Arbeitsagentur einen Platz suchen. So fänden sich in der Statistik momentan gerade mal 22 Prozent der aktuellen Schulabgänger als Bewerber in der Statistik wieder.
Dass die Arbeitslosigkeit von jungen Leuten bis zum Alter von 25 Jahren im Vergleich zum Vormonat um 18,4 Prozent auf 5.890 gestiegen ist, begründet die Agentur für Arbeit mit dem Ausbildungsende. Uwe Grund: „Wir bekräftigen unsere Forderung, dass Firmen ihre Auszubildenden übernehmen sollen und sie nicht ewig im Ungewissen lassen dürfen. Es kann nicht sein, dass rund die Hälfte der Azubis in ihrem letzten Ausbildungsjahr nicht wissen, ob sie eine Folgeanstellung bekommen. Und selbst wenn sie übernommen werden, dann meist nicht in unbefristete Arbeitsverhältnisse.“ So sei dem vielbeschworenen Fachkräftemangel jedenfalls nicht beizukommen, hob Uwe Grund hervor.
Die Bewerber-Statistik in absoluten Zahlen ist nicht sehr aussagekräftig, da nur diejenigen als Bewerber akzeptiert werden, die 1. zur Bundesagentur gehen (und nicht auf eigene Faust suchen), 2. ausdrücklich die Arbeitsagentur zur Vermittlung beauftragen (und nicht bei einem einfachen Informationsgespräch stehen bleiben) und 3. von der Arbeitsagentur als Bewerber anerkannt werden. So finden sich in der BA-Statistik momentan gerade mal 24 Prozent der aktuellen Schulabgänger in Schleswig-Holstein als Bewerber in der Statistik wieder.
Uwe Polkaehn: „Der Ausbildungsmarkt im Norden ist deutlich gespalten. Das Ziel von Politik und Wirtschaft muss es sein, auch leistungsschwächeren Jugendlichen eine dauerhafte Berufsperspektive zu ermöglichen. Hier ist unternehmerischer Tatendrang gefragt.“