Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, hat eindringlich vor der Politik der Piratenpartei gewarnt: „Einerseits nichts zu haben, aber das, was da ist, schlecht zu reden, finde ich hochgefährlich.“ Der Landesvorsitzender der Piratenpartei in Nordrhein-Westfalen, Michele Marsching, forderte seine Partei auf, die Nutzung des Mitbestimmungsinstruments „liquid democracy“ zu beschränken.
In der SWR-Sendung „2+Leif“ sagte Palmer: „Gefährlich ist, dass die Geringschätzung der parlamentarischen Demokratie auch noch verbreitet und propagiert wird, dass das mit einem Anti-Parteien-Reflex gemixt wird, aber keine funktionierende Alternative geboten wird. Wenn man die Prinzipien der Piratenpartei auf politische Inhalte anwendet, kommen Sachen raus, die überhaupt nicht zusammenpassen. Oder gar nichts. So kann man definitiv nicht regieren.“
Explizit kritisierte Palmer auch das von den Piraten genutzte Mitbestimmungs-Instrument „liquid democracy“: „Demokratie braucht Verantwortlichkeit und Verlässlichkeit – und das ist mit der flüssigen Demokratie prinzipiell nicht möglich.“ Palmer distanzierte sich im SWR zudem von ursprünglichen Forderungen der Grünen nach mehr direkter Demokratie: „Wenn ich mir angucke wie damals die Grünen agiert haben: Da würde ich niemals eintreten. Ich bin sehr froh, dass die Partei erwachsen geworden ist. Ich weiß nicht warum man jetzt die Fehler jetzt auch noch kultivieren und nachholen mmuss.“
Der Landesvorsitzender der Piratenpartei in Nordrhein-Westfalen, Michele Marsching, forderte in „2+Leif“ seine Partei auf, die Nutzung von „liquid democracy“ zu beschränken: „“Wir müssen Verlässlichkeit herstellen. Wir müssen Deadlines setzen, wir müssen sagen, bis wann eine Entscheidung gültig ist.“
Zudem müsse die Parteispitze handlungsfähiger werden, so Marsching: „Manchmal muss der Vorstand Sachen sagen, die nicht Parteitagsbeschlusslage sind, sondern die er vom Gefühl her als Mehrheitsmeinung sieht. Sonst kann man gegenüber dem politischen Konkurrenten keine Aussage treffen. Es funktioniert nicht, wenn wirklich überall jeder mitreden muss. Solange wir offene Kanäle haben und jeder, der sich dafür interessiert, mitreden kann, funktioniert das sehr gut. So lange wir jeden fragen müssen, haben wir ein riesiges Problem.“