Mit dem früheren Thalia- und heutigen Intendanten der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, hat SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann – wie erwartet – einen hochkarätigen Kulturschaffenden in sein Kompetenzteam berufen. Auch Fraktionschef Michael Neumann (für die Innenpolitik) ist keine Überraschung. Als Experte für den Bereich Sport stieß der Vizepräsident des Deutschen Turnerbundes, Hans-Jürgen Schulke, zu Naumanns Expertenteam. – MIT NEUEN INHALTEN!
Nach Britta Ernst (Erziehung und Schule), Carl Tham (Bildung) und Volker Gerhardt (Wissenschaft) umfasst das Kompetenzteam, das kein Schattenkabinett sein soll, sechs Personen. Fünf Männer, nur eine Frau – für Kompetenzteams gelten die Quotierungsregeln der SPD offenbar nicht.
Michael Naumann: „Sicherheit für Hamburg gehört zu den großen Zielen der Sozialdemokratie. Dabei geht es um Schutz vor Gewalt und Kriminalität, aber auch vor sozialer Not und Benachteiligung. Innenpolitik, Kultur und Sport haben mehr miteinander zu tun, als mancher vermutet: Denn sie können dazu beitragen, dass jeder Mensch Schutz, Vertrauen, Selbstbewusstsein und Freiheit empfindet, dass jedes Individuum sich frei entfaltet. Ich freue mich auf die Beiträge von Michael Neumann, Hans-Jürgen Schulke und Jürgen Flimm zu einer sozialdemokratischen Regierungspolitik in Hamburg nach dem 24. Februar 2008.“
Zur Person:
Jürgen Flimm
geb. 17. Juli 1941 in Gießen, Studium der Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft und Soziologie an der Universität Köln, 1968 erstes Engagement als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen. Nach Stationen als Spielleiter am Nationaltheater Mannheim und als Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg (1973/74) freier Regisseur, dann Intendant des Schauspiels Köln.
1985 kehrte er ans Thalia Theater zurück, das er fünfzehn Jahre lang leitete und zu einem der künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreichsten Sprechtheater Deutschlands machte. Zu seinen wichtigsten Inszenierungen in Hamburg gehören Stücke von Anton Tschechow (Platonow, 1989; Onkel Wanja, 1995; Drei Schwestern, 1999), Henrik Ibsen (Peer Gynt, 1985; Die Wildente, 1994), Arthur Schnitzler (Liebelei, 1988; Das weite Land, 1995) und William Shakespeare (Hamlet, 1986; Was ihr wollt, 1991; König Lear, 1992; Wie es euch gefällt, 1998).
Mit Luigi Nonos Al gran sole carico d’amore wandte sich Jürgen Flimm 1978 in Frankfurt erstmals der Oper zu. Drei Jahre später folgte an der Hamburgischen Staatsoper Les Contes d’Hoffmann, 1990 in Amsterdam Così fan tutte. Anlässlich dieser Produktion arbeitete er erstmals mit Nikolaus Harnoncourt zusammen, der seither sein wichtigster künstlerischer Partner ist. An der Mailänder Scala, der Metropolitan Opera, dem Royal Opera House Covent Garden, der Chicago Opera, der Berliner Staatsoper Unter den Linden, der Zürcher Oper sowie der Wiener und der Hamburgischen Staatsoper hat Jürgen Flimm in den vergangenen Jahren Werke von Beethoven, Haydn, Mozart, Schubert, Verdi, Gounod, Strawinsky u.a. inszeniert. Im Sommer 2000 erarbeitete er bei den Bayreuther Festspielen einen neuen Ring, im Juni 2002 war er für die szenische Umsetzung der Uraufführung von Friedrich Cerhas Der Riese vom Steinfeld an der Wiener Staatsoper verantwortlich.
Seine Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen begann 1987 mit Raimunds Der Bauer als Millionär. Es folgten Das Mädl aus der Vorstadt von Johann Nestroy (1989, Hofmannsthals Der Schwierige (1991), Monteverdis L’incoronazione di Poppea 1993 sowie Purcells King Arthur (2004).
Jürgen Flimm war Professor an der Universität Hamburg und ist Mitglied der Akademien der Künste in Hamburg, München, Berlin und Frankfurt sowie Ehrendoktor der Universität Hildesheim. Zu seinen Auszeichnungen zählen u.a.: Die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, der Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste Berlin, das Bundesverdienstkreuz sowie das Österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft.
Von 1999 bis 2003 war Flimm Präsident des Deutschen Bühnenvereins, von 2002 bis 2004 Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele. Seit 2007 ist er Intendant der Salzburger Festspiele. Als Nachfolger von Gründungs-Intendant Gerard Mortier leitet er die RuhrTriennale 2005 bis 2007.
Michael Neumann
Zur Person
1970 | Geboren am 18. März in Dortmund
1976 | Grundschule Brechten
1980 | Helmholtz-Gymnasium Dortmund
1989 | Abitur, Dienstantritt Bundeswehr
1992 | Universität der Bundeswehr Hamburg
1995 | Diplom-Politologe
1996 | Ernennung zum Berufssoldaten
1997 | „Beurlaubung“ zur Ausübung des Mandates
2002 | Heirat in Hamburg
2003 | Geburt einer Tochter
Politik
1989 | Eintritt in die SPD
1993 | Mitglied des Ortsausschusses Billstedt
1996 | Vorsitzender der SPD Horn
1997 | Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, des Innen- und Haushaltsausschusses, sowie der Enquete „Jugendkriminalität“
2000 | Mitglied des Europaausschusses
2001 | stellv. Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg, Innenpolitischer Sprecher, Vorsitzender der G-10-Kommission und der parlam. Kontrollkommission Verfassungsschutz
2004 | Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg
Mitglied im Förderverein der FF Billstedt-Horn und der Wasserschutzpolizeischule (WSPS) Hamburg. Daneben noch im Weißen Ring Hamburg, im AutomobilClubEuropa (ACE), im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, in der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Horn und donum vitae Hamburg e.V.
Hans-Jürgen Schulke
geb. 1945 in Naumburg, 1967 bis 1971: Studium Erziehungswissenschaft, Sport Soziologie an der Universität Hamburg (1970 Staatsexamen); dabei 1969 bis 1971 hauptamtlicher Bildungsreferent der Hamburger Sportjugend. Seit 1971 bis heute Hochschullehrer an der Universität Bremen im Studiengang Sportwissenschaft; beurlaubt 1991 bis 1995 als Generalsekretär für das Deutsche Turnfest 1994 in Hamburg und 2000 bis 2005 als Sportamtsdirektor/Landessportreferent der Stadt Hamburg. Er war dort für die Olympiabewerbung Hamburgs und in der Sportministerkonferenz für die Fußball-WM 2006 zuständig.
Im Rahmen seiner Hochschullehrertätigkeit in Bremen erfolgte die Gründung des Instituts für Gesundheit, Sport und Ernährung (GeSpuEr) 1987 und des Instituts für Sportmanagement (IfS) 1998. Er hat rund 300 Bücher und Aufsätze zu sportsoziologischen, sportpolitischen, medientheoretischen und sportökonomischen Themen verfasst. Derzeit liegt sein Schwerpunkt bei Sportgroßveranstaltungen und Konzepten zur Sportentwicklung.
Er ist Präsidiumsmitglied verschiedener Bundesverbände, u.a. beim Deutschen Turner-Bund und bei Special Olympics Deutschland sowie Mitorganisator div. Internationaler Sport- und Wissenschaftsveranstaltungen.
2007 erhielt er eine Professur für Sportmanagement in Hamburg.
Ich empfinde es als reichlich spät erst rund sechs Wochen vor der Wahl das Kompetenzteam zu besetzten und dann jetzt noch neue Inhalte in das Programm mitaufzunehmen. Selbst wenn die Inhalte in der Sache sein sollten, erweckt dies doch eher den Eindruck von Konzeptionslosigkeit und keiner klaren Linie.