Moorfleeter Brückentag

Die Wassertreppe 51 ist die älteste komplett im Originalzustand erhaltene Landungsbrücke im Hamburger Hafen. Obwohl vom Amt für Denkmalschutz als schutzwürdig eingestuft, will die Hamburg Port Authority (HPA) den öffentlichen Anleger am 27. Mai abreissen. Am Sonntag, den 18. Mai veranstaltet das „Bündnis Wassertreppe 51“ einen Aktionstag, den „Moorfleeter Brückentag“.

Als Anfang 2008 die Absicht von HPA, die Wassertreppe 51 abzubauen, öffentlich bekannt wurde, schlugen einige historisch interessierte Bürger beim Denkmalschutzamt Alarm. Der zweifelhafte „Erfolg“: Die Denkmalpfleger bewerten die Anlage zwar als schutzwürdig – aber: Das Amt mag der HPA die Kosten für die überfällige Sanierung des Bauwerks nicht zumuten und gibt sie zum Abriss frei. Lediglich die eleganten Bogenbrücken sollen „gesichert“ und bei Gelegenheit andernorts genutzt werden. Eine nachvollziehbare Kostenaufstellung für die Sanierung der Anlage hat HPA bis heute nicht vorgelegt.

Eine Anfrage der Bürgerschaft ergab zudem, dass die Mehrkosten für den Erhalt der Anlage gegenüber Abriss und Sicherung nicht mehr als 100- bis 200.000 Euro betragen. Trotzdem hält das Denkmalschutzamt diese im Verhältnis geringen Mehrkosten für nicht zumutbar.

Eine Einschätzung, die dem Amt gar nicht zusteht, da das Denkmalschutzgesetz keine Zumutbarkeits- oder Verhältnismäßigkeitsklausel kennt. Vielmehr verpflichtet sich die Freie und Hansestadt Hamburg darin, unabhängig die historische Bedeutung von Bauten zu beurteilen und für den Wert des kulturellen Erbes in der Öffentlichkeit einzutreten. Dessen ungeachtet soll bereits am 27. Mai der unwiderrufliche Abbau der Brücke beginnen.

Der Verlauf des Denkmalschutzverfahrens macht stutzig: Die Kostenschätzung der HPA erhöhte sich plötzlich auf das Doppelte, da mit der Asbesthaltigkeit der Anstriche argumentiert wurde. Ein unabhängiger Labortest ergab jetzt: Die Anstriche enthalten gar kein Asbest! – Trotz der eindeutigen Sachlage behauptet die HPA in der Öffentlichkeit, dass das Denkmalschutzamt den Originalzustand der Anlage bezweifeln würde. In den Augen aller Experten eine unhaltbare Behauptung. Und: die HPA gibt zu, dass sie noch nicht einmal an die gegenüber dem Denkmalschutzamt zugesagte Konservierung der Brückenelemente denkt, sondern diese als Einzelteile anbietet! Die so vorgeführte Denkmalbehörde, aber auch die Kultursenatorin von Welck, hält sich trotz dieser Entwicklungen weiterhin zurück.

Die Bürgerschaftsabgeordnete Carola Veit versuchte unermüdlich mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. Auf Ihre Initiative hin wird sich nun bald auch die Bürgerschaft mit der Wassertreppe befassen. Helmuth Barth vom angesehenen Denkmalverein Hamburg kritisierte mehrfach in der Öffentlichkeit die fragwürdige Absprache zwischen Denkmalschutzamt und HPA. Die Anlieger der Billwerder Bucht aus Moorfleet und Rothenburgsort haben sich nun zusammengeschlossen und wollen nun mit dem „Moorfleeter Brückentag“ ein Zeichen setzen. Die Wassertreppe 51 soll als historisches Zeugnis der Hamburger Hafengeschichte, als Beispiel der Ingenieurskunst am Beginn des 20. Jahrhunderts und als öffentlicher Anleger für die Hamburger Bürgerinnen und Bürger erhalten bleiben. Sie fordern, dass das Denkmalschutzamt, wie es das Gesetz vorsieht, vor dem Hintergrund der eindeutigen Sachlage die Brücke nun auf die Denkmalliste setzt und der Abriss in letzter Minute verhindert wird. Die Wassertreppe 51 ist ein Wahrzeichen der Billwerder Bucht und das letzte Zeugnis ihrer Geschichte.

Der „Moorfleeter Brückentag“ mit Bildern, Informationen, Bootsfahrten und einer Unterschriftenaktion findet am Sonntag, den 18.05. von 11.00 bis 15.00 an der Wassertreppe 51, Moorfleeter Deich auf Höhe der Hausnummer 43 statt.

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