Mehr Krankenhausbetten in der Psychiatrie

Die Gesundheitsbehörde nimmt zusätzliche Betten für die psychiatrische und psychosomatische Versorgung der Hamburger Bevölkerung in den Krankenhausplan 2015 auf. Insbesondere in der Gerontopsychiatrie und der Psychosomatik werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen.

„Mit der Entscheidung tragen wir der erhöhten Inanspruchnahme der Versorgungsangebote in den Hamburger Krankenhäusern in der Psychiatrie/Psychotherapie und Psychosomatik und dem besonderen Bedarf gerade älterer Menschen mit psychischen Erkrankungen Rechnung“, erklärt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Allerdings muss dieser Ausbau der Krankenhauskapazität mit Augenmaß betrieben werden, denn gerade psychisch kranke Menschen brauchen in erster Linie eine gute ambulante Versorgung in ihrem gewohnten Lebensumfeld. Mit einer zu frühen Hospitalisierung tut niemand psychisch Kranken einen Gefallen.“

Mit der so genannten Letztentscheidung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) über Kapazitäten in der Psychiatrie und Psychosomatik im Rahmen der Hamburger Krankenhausplanung werden ab 1. Oktober 2011 insgesamt zusätzlich 52 vollstationäre Betten und 30 teilstationäre Behandlungsplätze im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Asklepios Klinik Nord, dem Asklepios Westklinikum Hamburg, der Schön Klinik Hamburg-Eilbek, dem Albertinen-Krankenhaus und dem Bethesda Krankenhaus Bergedorf ausgewiesen. Teilweise handelt es sich dabei um die Umwandlung von vollstationäre in teilstationäre Kapazitäten. Über Anträge zur Kinder- und Jugendpsychiatrie für den Bereich Harburg/Altona wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, da noch weitere Gespräche mit den Krankenhäusern über sinnvolle Kooperationen geführt werden.

Ab Oktober soll es dann in der Psychiatrie/Psychotherapie 1.402 vollstationäre Betten und 460 teilstationäre Behandlungsplätze sowie in der Psychosomatik 162 vollstationäre Betten und 70 teilstationäre Behandlungsplätze geben.

Die Letztentscheidung der Behörde war notwendig geworden, nachdem die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG), die Krankenkassenverbände in Hamburg und die BGV im Landesausschuss für Krankenhaus- und Investitionsplanung im August 2011 kein Einvernehmen erzielt haben.

Verschiedene Hamburger Krankenhäuser hatten eine größere Anzahl zusätzlicher Betten und teilstationärer Behandlungsplätze beantragt, deren Notwendigkeit aber durch die Auslastungszahlen der Krankenhäuser in dieser Höhe. nicht untermauert wurde. Bereits heute verfügt Hamburg über mehr Psychiatriebetten je Einwohner als vergleichbare Metropolen, wie etwa Berlin, und über eine große Anzahl niedergelassener Psychotherapeuten. Dass es trotzdem zu Wartezeiten für ein Erstgespräch und einen ambulanten Therapieplatz kommen kann, liegt aus Sicht der BGV an einer zu verbessernden Organisation des Zugangs zur Behandlung, mangelnder Vernetzung von Ärzten und Psychotherapeuten mit Krankenhäusern und ergänzenden psycho-sozialen Hilfen, an nicht immer passenden Therapiekonzepten und teilweise zu langer Verweildauer in Krankenhäusern und Tageskliniken. „Psychisch kranke Menschen brauchen nicht mehr Krankenhausbetten, sondern bessere ambulante Versorgungsmodelle und einen schnelleren Zugang zur Therapie“, so Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks. „Hier ist auch die Innovationskraft der Krankenhäuser gefragt, die sich mit ihren vielfältigen Versorgungsangeboten, von stationär über teilstationär bis ambulant, einbringen und die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten suchen sollten. Es kann kein einfaches „weiter so“ geben.“ Dass inzwischen in Hamburg verschiedene integrierte psychiatrische Versorgungsmodelle zwischen Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung Hamburg, Krankenhäusern, Ärztezentren, Versorgungszentren und gemeindepsychiatrischen Einrichtungen verhandelt oder schon umgesetzt werden zeige, dass die Beteiligten die Probleme erkannt und auf die Hinweise der Gesundheitsbehörde reagiert hätten.

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