Seit Februar ist bekannt, dass im Studiengang „Medien- und Kommunikationswissenschaft“ das schärfste Missverhältnis zwischen Bewerbungen und Studienplätzen besteht. Dennoch hat der Senat nichts unternommen, um dem eklatanten Mangel abzuhelfen. Das ergab jetzt eine Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Farid Müller und Dr. Heike Opitz an den Senat.
Für Hauptfachstudierende gibt es danach nur 29 Plätze. Beworben haben sich 2.496 Personen.
Dazu erklärt Farid Müller, medienpolitischer Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion: „Der Studiengang Medienwissenschaften bildet für die Zukunft des Medienstandorts aus. Das erfreulich große Interesse belegt die Attraktivität der Medienstadt Hamburg. Dass sich der Senat mit der Zukunft des Studiengangs nicht befasst hat, zeigt einmal mehr das törichte Desinteresse der CDU am Medienstandort. Wer sich nicht um die Fachkräfte von morgen kümmert, reduziert seine Chancen auf Null.“
Heike Opitz, Sprecherin für Wissenschaft und Forschung der GAL-Bürgerschaftsfraktion, weist darauf hin, dass der Studienplatzmangel symptomatisch für die gesamte Hochschulentwicklung in Hamburg sei: „Die dramatische Lage bei den Medien- und Kulturwissenschaften ist symptomatisch für die Hamburger Hochschulkrise. Diese Fächer wurden trotz Bedarf vernachlässigt. Die Behauptung des Senates, Alternativen für Studierende bestünden im privaten Bereich durch Volontariate oder die private Hamburg-Media-School, ist eine Frechheit. Denn es verkennt, dass zunächst ein grundständiges Studium erforderlich ist und es nicht nur um die Ausbildung von Journalisten geht. Unter diesem Senat findet keine Förderung der Medienwissenschaften statt.“
Beide Abgeordnete fordern, die Medienausbildung zur Chefsache zu machen. Mit dem Unterangebot an Studienplätzen müsse sich der Senat befassen und eine Lösung finden.
Die Schriftliche Kleine Anfrage im Wortlaut:
BÜRGERSCHAFT
DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG Drucksache 18/7137
18. Wahlperiode
Schriftliche Kleine Anfrage
der Abgeordneten Farid Müller und Dr. Heike Opitz (GAL) vom 08.10.2007
und Antwort des Senats
Betrifft:
Studiengang Medienwissenschaften – was hat der Senat gegen den Mangel an Studienplätzen getan?
Im Februar 2007 meldeten die Medien, dass für die 22 Plätze des Studiengangs „Medienwissenschaften“, gemeint ist vermutlich der BA-Studiengang Medien- und Kommunikationswissenschaften, 2.191 Bewerbungen vorlägen.
Dass so viele Studienanfängerinnen und Studienanfänger ihre Zukunft im Medienbereich sehen, belegt die Attraktivität der Medienstadt Hamburg. Viele Branchen klagen inzwischen über Fachkräftemangel. Umso unverständlicher ist das geringe Angebot an Studienplätzen.
Zwischen der Meldung und dem Vorlesungsbeginn sind inzwischen mehrere Monate vergangen. Wir möchten daher wissen, wie der Senat diese Monate genutzt hat, um jungen Talenten die dringend benötigte Gelegenheit zur Ausbildung zu geben.
Hochschulen und zuständige Behörde legen in Ziel- und Leistungsvereinbarungen fest, wie viele Bachelor-Studienanfängerplätze insgesamt eine Hochschule bzw. – in Hochschulen mit Fakultäten – eine Fakultät zur Verfügung stellt. In diesem Rahmen entscheiden die Hochschulen autonom über die Verteilung der Studienplatzkapazitäten auf die einzelnen Studiengänge der Hochschule bzw. der Fakultäten.
Die Universität stellt im Bereich Medienwissenschaften folgende Studienplätze zur Verfügung:
§ 29 Studienplätze im Bachelor-Studiengang „Medien- und Kommunikationswissenschaft“ für Hauptfachstudierende,
§ 29 Studienplätze für Nebenfachstudierende der Medien- und Kommunikationswissenschaft“
§ 33 Studienplätze im Masterstudiengang „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ und
§ 15 Studienplätze im Masterstudiengang „Journalism and Media within Globalisation“.
Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen auf der Grundlage von Auskünften der Universität wie folgt:
Wir fragen den Senat:
1. Sind die Berichte, es habe mehr als 2.100 Bewerbungen gegeben, zutreffend? Wenn ja: Um wie viele Bewerbungen handelte es sich genau?
Zu 1.:
Ja. Zum Wintersemester 2007/2008 haben sich 2.496 Personen beworben.
2. Welche Maßnahmen hat der Senat in der Zwischenzeit ergriffen, um dem dramatischen Mangel an Studienplätzen im Studiengang Medienwissenschaften entgegenzuwirken?
Zu 2.:
Die zuständige Behörde wird gemeinsam mit der Universität die weitere Entwicklung im Studienplatzbedarf erörtern. Im Übrigen hat sich der Senat hiermit nicht befasst.
3. Wie viele Studienplätze sollen im Sommersemester 2008, wie viele im Wintersemester 2008/2009 im Studiengang Medienwissenschaften neu zur Verfügung gestellt werden?
Zu 3.:
Zu den Studiengängen wird nur zum Wintersemester zugelassen. Die Universität hat über die Studienplatzzahlen für das Wintersemester 2008/2009 noch nicht entschieden.
4. Welche Studiengänge an der Universität Hamburg kommen als Alternativen für abgewiesene Bewerberinnen und Bewerber in Frage? (Bitte die jeweiligen Studienplätze angeben).
Zu 4.:
Für journalistische Berufe existiert kein standardisierter Ausbildungsweg. Je nach persönlicher Neigung und publizistischer Begabung können Absolventen aller Studiengänge diesen Berufsweg einschlagen und sich über ein Volontariat oder spezielle Master-Studiengänge (wie z.B. an der Universität Hamburg oder der Hamburg Media School) weiterqualifizieren.
5. Welche Studiengänge mit wie vielen Studienplätzen standen im Bereichen Medienwissenschaften vor der Einführung des BA-Studiengangs Medien- und Kommunikationswissenschaften zur Verfügung?
zu 5.:
Im Wintersemester 2004/2005 – dem letzten Zulassungsjahr vor der Einführung der Bachelor-Master-Struktur – standen 27 Magister-Studienplätze „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“ und 30 Magister-Studienplätze „Medienkultur“ zur Verfügung.